Links der Woche (29.1. bis 4.2.)

Ab sofort jeden Freitag auf „Männer unter sich“: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Testfahrt mit einem Eishobel.
Eishobel im Test: Schlitterfahrt mit Monstrum -SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Wenn man Durst hat, kommt man auf die merkwürdigsten Ideen.
Notruf-Missbrauch: Betrunkener löst wegen vermisster Biervorräte Alarm aus -SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama

Youtube-Video: Mit dem Porsche 956 über die Nordschleife des Nürburgring.Derek Bell in car Porsche 956 at Nordschleife

Leben in der 1. Klasse.
Die First-Class-Passenger-Lounges der Fluglinien

Das glaub ich nicht!
Die Mona Lisa war ein schwuler Kerl?

Eine elektrische Eisenbahn, die auf Stelzen durchs Meer fährt? Die gab’s wirklich!
Brighton-Rottingdean Seashore Electric Railway

Cartoon: Batman als Frau. Brüller.
If Batman had been a woman

Angst fressen Kinder auf

Die guten, alten Werte...

„Konsequente Erziehung“ nennt sich das, was derzeit in den Leserbriefspalten der Zeitungen laut und heftig diskutiert wird. Um zwei Frauen dreht sich die Debatte, die eine hat ein Buch geschrieben, die andere will es möglicherweise noch tun. Amy Chua hat mit „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“ in den USA einen Bestseller gelandet, und da die Feuilletons derzeit diesen Schinken zum Tagesgespräch hochschreiben, werden auch wir uns demnächst die Köpfe heiß reden, ob es richtig ist, die eigenen Sprößlinge mit Druck und Drill dazu zu bringen, dass sie das Leistungsprinzip verinnerlichen.
In eine ähnliche Kerbe haut die Berliner Grundschullehrerin Ursula Sarrazin, die ins Gerede kam, weil sie in ihren Klassen strenge Regeln aufstellte und dieselben auch konsequent durchsetzte. Wie weit diese Konsequenz ging, darüber wird gestritten: hat sie einem Schüler nun mit der Blockflöte den Scheitel nachgezogen oder nicht? Hat sie ihre Klassen regelmäßig angebrüllt oder nicht? Auch diese Diskussionen werden uns eine ganze Weile lang begleiten, was höchst überflüssig ist, denn die Erziehung mit Strenge, Druck und Drill ist ein uralter Hut.
Ich selbst bin noch in den höchst zweifelhaften Genuss dieser Erziehung gekommen. Als ich vor etwas mehr als 40 Jahren in das Gymnasium der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, eingeschult wurde, gab es eine schöne Feierstunde in der Aula. Der Direktor hielt eine Ansprache, der Schulchor sang etwas erbauliches, und dann führte uns unser Klassenlehrer in den Klassenraum. Als wir uns in die Bänke gesetzt hatten (ja, es gab an dieser Lehranstalt noch Schulbänke), sagte er: „Liebe Jungen, herzlich willkommen im Gymnasium. Damit wir uns gleich richtig verstehen: in drei Jahren geht die Hälfte von euch auf die Realschule. Und bis zum Abitur schaffen es höchstens zehn Prozent.“
Er hatte vollkommen recht. Drei Jahre später waren aus den dreißig Jungens, die sich da großäugig in die Bänke der Sexta gezwängt hatten, noch fünfzehn übrig. Und von den fünfzehn machten am Ende tatsächlich nur vier das Abitur.
Strenge Regeln, unerbittliche Konsequenz und stetiger Druck war in den 9 Jahren bis zum Abitur für mich etwas vollkommen Normales, das gehörte zur Schule eben dazu. Das noch etwas dazugehörte, realisierte ich erst zwanzig Jahre später.
Anlässlich eines Klassentreffens hatte uns unser letzter Klassenlehrer, der mittlerweile der Direktor des Gymnasiums geworden war, in unsere alte Schule eingeladen. Ich betrat das finstere Gemäuer zum ersten Mal seit meiner Schulzeit wieder, und kaum war ich drin, wollte ich auch schon wieder raus. Dieser altvertraute, ekelerregende Schulgeruch löste einen derart intensiven Fluchtreflex in mir aus, wie ich ihn gar nicht kannte, ich wäre am liebsten sofort wieder hinausgerannt. Wonach roch das bloß? Klar, Kinderschweiß, irgendwelches Reinigungszeug, Staub und… Angst. Die ganze Schule roch nach Angst, und ich merkte, dass Angst neun Jahre lang der Motor gewesen war, der mich in der Schule auf Trab gehalten hatte. Wenn du Angst vor dem Versagen hast, erträgst du jede Menge Druck. Wenn du Angst vor Strafe hast, hältst du auch noch die idiotischste Regel ein. Angst ist die Basis des Erziehungssystems, dass Mrs. Chua und Frau Sarrazin propagieren.
Und dieses System funktioniert nicht einmal. All das, was die strengen Schleifer im Gymnasium versucht haben, in mich hinein zu bläuen, habe ich längst wieder vergessen. An ihren strengen Regelkanon, der einer total verengten Weltsicht entsprungen war, habe ich keinen Gedanken mehr verschwendet, seit ich die Schule verlassen habe. Geblieben sind mir nur die Dinge, die mir drei, vier Lehrer vermittelt haben, die uns eben keine Angst einzujagen versuchten, sondern die uns wie vernunftbegabte Lebewesen behandelten und versuchten, unser Interesse zu wecken. Diese Menschen behalte ich noch heute in dankbarer Erinnerung.
Die anderen hingegen… Und diejenigen, die heutzutage diesen vorgestrigen Erziehungsmethoden das Wort reden… Nun ja, wer einem Kind Angst einjagt, damit es ein besserer, leistungsfähigerer Mensch wird, ist kein verantwortungsbewusster Erzieher, sondern ein dummes Arschloch.

Foto: Traumwelten / pixelio.de

Fock vorne mit Gorch

Gorch Fock im Dunkeln

ganz schön finster

Seit ein paar Tagen werden hierzulande Diskussionen geführt, die mich ein wenig verwundern. Zum Beispiel wundern mich junge Menschen, die zum Militär gehen und überrascht sind, dass dort ein rauher Umgangston herrscht. Ebenso wie Zeitungen, die sich über diesen rauhen Umgangston aufregen. Leute, das ist das Militär!
Ich selbst bin ein höchst unmilitärischer Mensch und war deswegen nie bei irgendeiner Armee angestellt, ich habe aber eine erkleckliche Menge Bücher gelesen und jede Menge Filme gesehen, die sich am Thema Militär/Krieg/Soldaten abgearbeitet haben. Und in keinem dieser Bücher wird das Soldatendasein als fröhliches, respektvolles Miteinander von Offizieren und gemeinen Soldaten geschildert, in dem ständig “Bitte” und “Danke” gesagt wird. Ebenso sind mir keine Filme bekannt, in denen militärisches Tun als irgendwie nach dem Bock-Prinzip ablaufende basisdemokratische Veranstaltung (“Och nö, nicht schon wieder Panzer putzen, ich möchte heute mal in der Gegend rumballern!”) geschildert wird. In den meisten Filmen, die Militär, Krieg und vor allen Dingen die Soldatenausbildung zum Thema haben, erlebt man strenge Hierarchien und geisttötenden Drill, der den Anfänger im Soldatendasein zu absolutem Gehorsam erziehen soll. Auch Ausbilder, die ihre Schutzbefohlenen bis an ihre Grenzen treiben, sind in Filmen und Büchern, die sich mit dem Militär befassen, die Regel, nicht die Ausnahme. Ich wusste schon, warum ich als junger Mensch mit dem Militär nix am Hut haben wollte.
Ebenso wundert es mich nicht wenig, wenn junge Menschen sich für den Dienst auf einem Segelschulschiff melden und dann überrascht sind, dass man von ihnen z. B. erwartet, Decks zu schrubben, dass man sie anschreit oder bizarren Ritualen wie einer “Äquatortaufe” unterzieht. Und genauso wundern mich Zeitungen, die erschrocken über diese Zustände berichten.
Die christliche Seefahrt kenne ich auch nur aus Büchern und Filmen, aber dass an Bord gelegentlich Alkohol in größeren Mengen konsumiert wird, habe ich bereits aus “Jim Knopf und die Wilde 13” (“Yohoho, und ‘ne Buddel mit Rum!”) erfahren. Dass mehrmastige Segelschiffe nur manövriert werden können, wenn zahlreiche Menschen koordiniert oben in der Takelage herumklettern und dort die Segel hissen und reffen, sollte ebenfalls auch einem nautischen Laien klar sein. Und dass das Leben auf so einem Schiff eine Belastungsprobe ist, ja um Himmelswillen, muss man wirklich Kadetten und Journalisten den Unterschied zwischen der Marine und dem Traumschiff erklären? Als volljähriger Mensch hat man zu wissen, dass man Fock vorne mit Gorch schreibt.
Vor einiger Zeit sprach ich mit einem fast volljährigen Menschen, der dabei war, sich für eine Ausbildung zum Tänzer zu entscheiden. Der Kerl besuchte seit Jahren eine Ballettschule, hatte seinen Körper trainiert und wusste, was ihn in der Ausbildung zum Profi und später im Beruf erwarten würde: eine menschenverachtende Schinderei, gefolgt von – das nötige Glück immer vorausgesetzt – ein paar Jahren Tanzen auf der Bühne, und dann, wenn der Körper nicht mehr mitmacht, Choreograph  oder Tanzlehrer oder Garderobier oder irgendwas. Der junge Kerl wusste Bescheid, der hatte über seinen zukünftigen Beruf nachgedacht.
Kann es wirklich sein, dass wir mittlerweile die Realisten zum Ballett und die Traumtänzer zum Militär und in die Zeitungsredaktionen schicken?

Foto: Ralf Luczyk / pixelio.de

Dicke Wagen

Papa pennt im Kinderwagen

So groß, dass sogar Papa reinpasst

Davon träumen Militärs: von einem einfachen, wendigen, von einer Person zu steuerndes Gefährt, dessen bloße Anwesenheit im Nahkampf eine gegnerische Kompanie durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit beinahe komplett lahmlegen kann. Die Rede ist selbstverständlich von einem modernen Kinderwagen, über dessen massives militärisches Potential man sich in Berliner Doppeldeckerbussen ein Bild machen kann. Wenn einer (oder gar zwei!) dieser Panzerspähwagen mit einsitzendem Kleinkind mittig in den Bus gewuchtet werden, sind die restlichen Passagiere zur Immobilität verdammt, dann gibt‘s im Wagen weder vor noch zurück bis Mutter, Kind und fahrbarer Untersatz den Bus wieder verlassen haben. Warum um Himmelswillen erreichen diese Kinderwagen mittlerweile schon beinahe die Größe eines Smart?
Die Antwort ist einfach: Weil die Passagiere dieser Wagen immer größer werden. Nicht etwa, weil die Kinder heutzutage so viel größer sind als früher, sie werden einfach länger in ihren Aufklärungsfahrzeugen durch die Weltgeschichte geschoben.
Ein Beispiel: eins der größten Vergnügen meiner Kleinkinderzeit muss es gewesen sein, auf den Schultern meines Vaters durch die Gegend getragen zu werden. Mein Vater war ein 1,92m großer Hüne, der Ausblick muss fantastisch gewesen sein, und die Geschwindigkeit, mit der er mich mit seinen Sieben-Meilen-Schritten getragen hat, war für mich kleinen Jungen sicherlich atemberaubend.
Wie es wirklich war, kann ich nur vermuten, denn ich erinnere mich nicht. Lediglich ein paar alte Fotos zeigen mich auf seinen Schultern sitzend, wie ich mich fröhlich grinsend an seinen Haaren festklammere. Ich kann mich nicht daran erinnern, weil mit Kinderwagen und Auf-den-Schultern-Reiten Schluss war, als ich Laufen gelernt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war ich für mein irdisches Fortkommen allein verantwortlich.
Heute scheint es anders zu sein, denn die Kinder, die ich in den von ächzenden Müttern durch die Gegend gewuchteten Ungetümen erblicke sind oft so groß, dass man „Können die noch nicht alleine laufen?“ fragen möchte.
Und wenn man sich das Fragen doch mal traut, kommt‘s: „Ja, klar, aber der braucht so lange. Wenn‘s schnell gehen muss, setzen wir ihn in den Buggy, das spart unglaublich Zeit.“
Nun ja, hätte man mir seinerzeit eine derartige Möglichkeit offeriert, wäre ich gar nicht aus dem Buggy herausgekommen. Ist doch viel besser, komfortabel durch die Welt kutschiert zu werden, als mühsam dieses unpraktische Gehen zu erlernen. Dann stell ich mich doch extra ungeschickt an, fall ein paar Mal hin, blöke laut los, bis Mama und Papa die Geduld verlieren und mich in den bequemen Kinderwagen setzen, ab geht die Post!
Und wer jetzt meint, das macht doch nix, wenn man die lieben Kleinen ein Weilchen länger herumkutschiert als früher, der soll sich gern einmal mit meinem Freund Andreas unterhalten. Andreas ist Tennistrainer und muss seit ein paar Jahren etwas machen, dass er vorher noch nie gemacht hat: Er muss mit kleinen Kindern, die zu uns in den Tennisclub kommen, um diesen Sport zu erlernen, rückwärts Laufen üben. Bis vor ein paar Jahren hatten die Kinder das beim Laufen lernen und Herumtoben von allein gelernt. Als die Kinderwagen noch kleiner waren.
Otto Rehagel pflegt junge Spieler davor zu warnen, sich zu früh in dicke Wagen zu setzen: „Wenn Sie jetzt schon mit dem Porsche ankommen, was wollen Sie denn fahren, wenn Sie fünfzig sind?“ Wenigstens hier hat Rehagel recht: Es ist nicht gut, in einen dicken Wagen hineingesetzt zu werden. Es ist viel besser, wenn man ihn sich in fortgeschrittenem Alter verdient.

Foto by Yoav Dothan (self taken) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die gefährlichste Jahreszeit

Diät

Diät - Quatsch ohne Sauce

Die gefährlichste aller Jahreszeit beginnt. Die Plätzchenbüchsen sind leergegessen, der Appetit auf deftiges Winteressen ist – vorübergehend – gestillt, die Gedanken beginnen sich langsam auf das in ca. drei Monaten unerbittlich über uns hereinbrechende Frühjahr zu richten, und das bedeutet, dass Ehefrauen („Gattinnen“ heißt das, wenn man zu Guttenberg heißt), Freundinnen, Lebensabschnittsgefährtinnen oder wie man die unverzichtbaren Damen nun mal nennen möchte, langsam beginnen, einen mit noch kritischerem Auge als sonst anzusehen. Dieser Blick ist wohl bekannt, er wird nämlich jährlich geblickt, und jährlich folgt dann der Satz: „Ein paar Pfund weniger würden dir gar nicht schaden …“
Volle Deckung, die Auswahl der Frühjahrsdiät steht an, und spätestens zum Beginn der Fastenzeit wird aus theoretischem Unfug praktischer Quatsch, dann wird man in das neueste Atkins-Glyx-Sonstwas-Diät-Korsett gezwängt, bekommt statt Essen etwas serviert, wo eine Kaninchenfamilie drin schläft und hat trotzdem spätestens nach einem Jahr das alte Kampfgewicht (plus 1 oder 2 Kilo) wieder erreicht.
Denn alle Diäten, die im Wochentakt über die adipöse Gemeinde hereinprasseln, haben eines gemeinsam: sie funktionieren nicht. Wenn man mich fragt, ob in meinem erweiterten Bekanntenkreis jemand mit einer Diät sein Gewicht dauerhaft reduzieren konnte, kann ich – leichten Herzens, schweren Leibes – mit „Nein“ antworten. Kenne keinen, der dieses Kunststück vollbracht hat.
Mit nicht funktionierenden Diäten reich geworden sind hingegen viele. Wer die Zeit übrig hat, der googele mal den Satz „Warum Diäten nicht funktionieren“. Zwei Drittel der Seiten, auf denen Google diesen Satz findet, erklären sehr schön und sehr luzide, warum es nicht funktioniert, preisen aber gleichzeitig irgendwelche Pillen oder Pülverchen an, mit denen es dann trotzdem gehen soll.
Mittlerweile gibt es eine Milliarden umsetzende Diät-Industrie, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf dem schlechten Gewissen ihrer meist weiblichen Kundschaft basiert. Da kann die Diät noch so wirkungslos gewesen sein, der Jojo-Effekt so unbarmherzig zuschlagen, wie er will: die Frau, die vorhersehbar an einem nicht funktionierendem Konzept gescheitert ist, gibt unfehlbar sich selbst die Schuld und nicht den Ernährungs-Gangstern, die sie auf diesen Holzweg geführt haben.
Erstaunlicherweise funktioniert diese weibliche Selbstschuldzuweisung ausschließlich beim Thema Diät, bei allen anderen Themen wird sofort der meist vollkommen unbeteiligte Ehemann („Gatte“ bei den zu Guttenbergs), Lebensabschnittsgefährte, Freund, „Bekannter“ als Hauptschuldiger ausgemacht.
Eine Erklärung für dieses Phänomen habe ich – trotz jahrelangen Nachsinnens – nicht gefunden. Ich weiß nur, dass es regelmäßig wiederkehrt. Jetzt, in der gefährlichsten Jahreszeit.

Foto: RainerSturm/pixelio.de

Der Koma-Kater

Die Unschärferelation des Komatrinkers

Ein Jahr ist vergangen, in dem man es wieder nicht zu Ruhm oder wenigstens Berühmtheit gebracht hat, die Silvesternacht ist Geschichte. Es sind nur noch wenige Zeugnisse nächtlicher Feierlaune in Berlin zu sehen, ein paar leere Sektflaschen, verschmorte Böller-Hülsen und einige komabesoffene Jugendliche liegen auch noch in den Parks und auf den Spielplätzen herum. Zumindest sollte das der Fall sein, wenn es nach den unverbesserlichen Rabauken der Deutschen Angestellten Krankenkasse geht, die kurz vor Tores- bzw. Jahresschluss mit den neuesten Horrorzahlen bezüglich jugendlicher Komasäufer aufgewartet haben. In Rheinland-Pfalz haben sich elf Prozent mehr Jugendliche als 2008 bewußtlos getrunken, in Niedersachsen 10,3 Prozent und in Berlin – die Hauptstadt schlappt wie immer statistisch hinterher – immerhin noch sechs Prozent. Trotzdem: welche Schmach für den Champagner-gestählten Klaus Wowereit, satte 5 Prozent besoffene Jugendliche weniger zu haben als der biedere Dornfelder-Mann Kurt Beck.
Trotzdem kein Grund zur Aufregung, weder für Wowereits Wahlkampfteam noch für die ständig überbesorgten Gutmenschen („Um Himmelswillen, unsere Jugend ist nur noch blau, die Renten sind nicht mehr sicher!“). Denn einerseits haftet der Statistik der DAK ein gewisser Odeur an: zwar sind die Zahlen besonders junger Menschen (jünger als 15), die sich bewusstlos getrunken haben, tatsächlich im angegebenen Maße gestiegen, die Zahl jugendlicher Komasäufer insgesamt ist sogar gesunken, zum Beispiel in Brandenburg um 7,6 Prozent (lt. Märkischer Allgemeine) Und andererseits gibt es – meiner bescheidenen Ansicht nach – gar nicht mehr jugendliche Komasäufer als vor zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahren. Jugendliche müssen sich ausprobieren, ihre Grenzen austesten, und wenn man seine Grenzen beim Thema Alkohol definieren will, geht das nicht ohne die ein oder andere Grenzüberschreitung. Das ist meist nicht sehr schön, aber letztlich kein Grund zur Aufregung, die Welt ist vor vierzig Jahren auch nicht untergegangen, als der Schreiber dieser Zeilen in höchst beklagenswertem Zustand nach Hause kam, und auch die düstere Zukunft, die ihm seinerzeit prophezeit wurde, ist nicht eingetreten.
Vermutlich waren seinerzeit genauso viele junge Menschen genauso strunzbreit wie heute, und vermutlich war es vor hundert, zweihundert, dreihundert Jahren ebenfalls so. Es gibt allerdings einen feinen Unterschied: heute haben die jungen Menschen Mobiltelefone.
Und mit denen lässt sich ganz einfach der Krankenwagen alarmieren, wenn einer von den Kumpels soviel getrunken hat, dass er weder Sprach- noch Bewegungsapparat mehr koordinieren kann und sich möglicherweise seines Abendessens auf dem Wege entledigt hat, auf dem es zu sich genommen wurde. Was wäre denn die Alternative? Selbst die Kotze wegwischen, den Semi-Bewusstlosen nach Hause transportieren und da seinen Eltern den Zustand ihres Sprößlings erklären? Da ist der Griff zum Handy doch kommoder, zumal die 112 auch noch kostenfrei zu erreichen ist. Eigentlich schade, dass man das noch nicht per SMS (GPS-Daten der Schnapsleiche werden automatisch eingefügt) erledigen kann.
Und dann gibt es natürlich noch eine Presse, die hinter den für ihre Beitragserhöhungen trommelnden Alarmisten der Krankenkassen nicht zurückbleiben will, und jeden, aber auch wirklich jeden Scheißdreck schreibt und druckt, mit dem man besorgten Eltern Angst einjagen kann. Die Tagessspiegel-Headline „Jugendlicher sitzt betrunken auf Schulklo“ mag als Beispiel dafür dienen, dass man mit wirklich jeder Nicht-News zum König des Schulhofs werden kann: „Kiek ma, ich steh im Tagesspiegel, wie die Merkel und der Bohlen!“
Noch nie war es so einfach, berühmt zu werden. Hat mal wer ’n Bier?

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Die guten Vorsätze fürs Neue Jahr

Guten Rutsch!

Heute ist Silvester, der Tag, an dem die guten Vorsätze fürs Neue Jahr gefasst werden Für die Männer, die noch unentschlossen sind, was sie sich für das nächste Jahr vornehmen sollen, haben wir die zehn bestmöglichen Vorsätze für ein männliches 2011 zusammengestellt.

2011 könnte man endlich mal

  • mit einem Golf II ein Ampelrennen gegen einen Porsche 911 gewinnen.
  • die zehn coolsten Anmachsprüche von Frank Sinatra an einem Feministinnen-Kränzchen ausprobieren.
  • eine Website mit Nacktfotos von Erika Mustermann aufbauen und damit stinkreich werden.
  • mal wieder mit den Kumpels einen Rummelplatz-Wettbewerb veranstalten: Bier – Bratwurst – Dreifach-Looping. Solange, bis der erste aufgibt. Der zahlt alles.
  • sich im Baumarkt, wenn die Sonderangebote durchgesagt werden, zu Boden werfen und „Die Stimmen sind wieder da! Die Stimmen sind wieder da!“ brüllen.
  • sich im ersten Fotohaus am Platze mindestens eine Stunde lang die neuesten Digitalspiegelreflexkameras vorführen lassen und dann entrüstet „Was soll das heißen, man kann damit nicht telefonieren?“ ausrufen.
  • endlich mal wegen Groben Unfugs (heißt heute „Belästigung der Allgemeinheit“) belangt werden.
  • die Gesundheitsapostel aus dem erweiterten Bekanntenkreis zum Grillfest einladen, Bacon Explosion servieren, im scheinheiligsten Ton „Ach je, ich hatte ja ganz vergessen, dass ihr sowas nicht esst“ rufen und einen Bund ungeputzter Biomöhren auf den Tisch klatschen.
  • mit einem guten Kumpel in einem Sternelokal die Restaurant-Szene aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (inkl. stilechter Kostüme) nachspielen.
  • ein Haus abreißen, einen Baum fällen, Verhütungsmittel benutzen!

Wir wünschen allen unseren Lesern einen Guten Rutsch in ein männliches, erfolgreiches Neues Jahr!

Foto: Florian Korthaus/pixelio.de

Zum Weihnachtsfest

Es weihnachtet sehr

Zum Weihnachtsfest gibt’s hier keinen besinnlichen Quatsch, keine trantütigen Lebensweisheiten und schon gar keinen Jahresrückblick, der echte Kerl schaut nur nach vorn und erzählt einen Witz.
In diesem Fall den Lieblingswitz von Herbert Grönemeyer, bzw. den von Herbert Grönemeyers Opa, wie Grönemeyer ihn irgendwann in den achtziger Jahren dem Stern erzählt hat:

Weihnachten in Bethlehem, das kleine Jesulein ist gerade geboren, Maria hat es in die Krippe gelegt, die Tiere stehen andächtig drumrum, da klopft es plötzlich an der Tür. Josef geht aufmachen, und vor der Tür stehen zwei Nilpferde, ein großes und ein kleines.
„Ja, bitte?“ sagt Josef.
„Guten Tag“, sagt das kleine Nilpferd, „wir sind die heiligen drei Könige und möchten die Geschenke abholen.“

Okay, entweder man lacht sich scheckig oder man schüttelt den Kopf. Hat auch schon Grönemeyer gesagt.

Wir wünschen allen Lesern von „Männer unter sich“ (und Herbert Grönemeyer) ein Frohes Weihnachtsfest!

Foto: Uriel 1998 under Creative Commons Attribution 2.0 Generic License

Die Ursache der Euro-Krise

Euro

Warum der Euro untergeht

Seit ich an diesem Blog mitarbeite, stelle ich mir abends oft die Frage: Hast du heute etwas männliches gemacht? Bei den männlichen Klassikern wie Haus bauen (wohne zur Miete), Baum pflanzen (Ja, wo denn, wir haben noch nicht mal einen Balkon), Sohn zeugen (bin über fünfzig und möchte nicht vor den Augen eines Heranwachsenden vergreisen) muss ich meistens passen, aber hin und wieder gelingt mir eine echt männliche Tat, wie zum Beispiel gestern. Da hab ich den Grund für die Euro-Krise entdeckt.
Eigentlich wollte ich nur ein wenig Geld auf mein Konto bei der Commerzbank einzahlen. Das wenige Geld hatte ich natürlich sorgfältig sortiert und gebügelt, weil es mir der Einzahlungsautomat sonst wieder um die Ohren haut („Ich will dein dreckiges Geld nicht!“), aber dazu sollte es gar nicht erst kommen, denn der Einzahlungsautomat entschuldigte sich bereits im Vorfeld der Transaktion via Display dafür, dass er heute unpässlich wäre und kein Geld entgegennehmen könne. Kein Problem, die Filiale war noch offen, also flugs zur Kasse… nanu? Wo ist die Kasse? Wo sonst die Kasse war, stand nur eine einsame Dame hinter einem spukhässlichen (Banker-Feng-Shui?) Stehtischchen. Als ich demütig darum bat, etwas Geld auf mein Konto einzahlen zu dürfen, beschied sie mich abschlägig: „Diese Filiale hat zur Zeit keine Einzahlungs-Funktionalität.“
Ich brauchte ein paar Augenblicke, bis ich den Satz verstanden hatte, dann drückte ich ihr meine Bewunderung aus („Auf so einen Satz muss man erst einmal kommen!“) und fragte, wie ich denn nun das Geld auf mein Konto beamen könnte. Sie nannte mir ein paar Filialen in der näheren Umgebung und meinte: „Sie können es da ja einmal versuchen.“
Das klang nicht optimistisch, und die Dame hatte recht. Erst in der dritten Filiale wurde ich mein Geld los, weil das eine ehemalige Dresdner Bank war, die noch nicht an das moderne Banking-System der Commerzbank angeschlossen war („Nächste Ostern sollen wir auch online sein, hat man uns gesagt..“), und daher hatte der dortige Kassierer noch eine analoge Einzahlungsfunktionalität: er quittierte mir mit altmodischem Kugelschreiber meine Einzahlung und rief eine Frau Scarlett Zimmermann bei der Commerzbank an, um ihr zu sagen, dass er mein Geld entgegengenommen hatte.
Nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht hatte, wunderte mich das nicht mehr: wer sich Neukunden mit dem Wegfall der Kontoführungsgebühren und Geldgeschenken auf dem Giro angelt, der muss das Geld eben anderswo sparen, klar dass man keine Leute mehr bezahlen kann, die Geld händisch entgegennehmen…
Und plötzlich begriff ich, woran es zur Zeit in Euroland hapert. Warum die Griechen, die Iren oder die Spanier ihre Schulden nicht zurückzahlen. Diese hervorragenden Nationen wollen und können natürlich ihre Schulden bezahlen, aber ihnen geht es wie mir: sie werden bestimmt ihr Geld nicht los, weil die Banker am falschen Ende gespart haben. An der Einzahlungs-Funktionalität.
Damit betrachte ich die Euro-Krise als gelöst. Soweit zu meiner männlichen Tat von gestern, mal sehen, was der heutige Tag so bringt.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de