[Tipp der Woche] Kufenkapitalismus trifft Glasnost – „Red Penguins“ im Stream und auf Blu-ray

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Video-Link: https://youtu.be/vJqgIDN7J6E

Viele Menschen machen ja bei Dokus erst mal lange Zähne: belehrend, filmische Schulstunde, langweilig – so lauten die gängigsten Vorurteile. „Red Penguins“, eine Doku über den Versuch amerikanischer Sportvermarkter, in den 90er Jahren ZSKA Moskau, den berühmtesten Eishockey-Verein der ehemaligen Sowjetunion, zu übernehmen, beseitigt diese Vorurteile in Sekundenschnelle. Man sitzt vor dem TV, nach 3 Minuten klappt die Kinnlade runter, und dann kommt man 90 Minuten, in denen man bestens unterhalten wird, aus dem Staunen nicht mehr raus.

Red Penguins“ erzählt eine absolut aberwitzige Geschichte aus den neunziger Jahren, als amerikanische Sportvermarkter versuchten, am Zusammenbruch des Sowjet-Kommunismus mal so richtig Geld zu verdienen. Sie kauften sich beim berühmtesten Eishockey-Verein der Sowjetunion, ZSKA Moskau, ein, benannten ihn in „Red Penguins“ um und versuchten, mit amerikanischem Sport-Marketing den Kapitalismus im Moskau der Glasnost-Ära zu etablieren. Bewerkstelligen sollte das der durchaus exzentrische Sport-Manager Steve Warshaw, der nach Moskau geschickt wurde, um den Rubel zum Rollen zu bringen. Und das tat dieser Mann, und wie! Das Moskau der 90er Jahre entpuppte sich für Warshaw als Goldgräber-Metropole ohne Gesetze und Regeln, in der skrupellose Oligarchen Milliarden machen und das organisierte Verbrechen beinahe mit jeder Untat durchkommen konnte. Mittendrin: Steve Warshaw, der Stripperinnen aufs heilige Eis des ZSKA Moskau schliddern ließ, während dort echte russische Bären Bier ausschenkten.

Regie bei dieser wüsten Geschichte aus dem Wilden Osten führte Gabe Polsky, der schon für „Red Army“ verantwortlich zeichnete, eine exzellente Eishockey-Doku über Spieler von ZSKA Moskau, die in den 80er Jahren mit ihrem Klub und der sowjetische Nationalmannschaft mit einem einmaligen Passspiel das internationale Eishockey dominierten. „Red Penguins“ dreht sich weniger um die sportliche Seite des Eishockey als „Red Army“ ist aber mindestens genauso spannend und faszinierend Man wirft einen Blick hinter die Kulissen des damaligen Sportmarketings, man sieht ein Moskau im Umbruch und erlebt den Clash zweier Welten. Und am Ende – bittere Wahrheeit – siegt kein System, sondern der blanke Opportunismus. Das kapitalistische Experiment scheitert brutal, und die Beteiligten trafen Wunden davon, die einige von ihnen noch heute pflegen müssen. „Red Penguins“ läuft bei amazon prime und ist auch als Blu-ray erhältlich.

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