Harry, hol schon mal die Klingen!

Klingen-Abo-Modelle haben’s hierzulande nicht leicht. Die meisten Männer scheinen lieber in den Drogeriemarkt gehen zu wollen, um sich immer die gleichen Klingen zu kaufen, anstatt sie sich regelmäßig mit der Post schicken zu lassen. Ich hab dafür Verständnis. So bequem der Versandhandel auch sein mag, ich nutze eigentlich jede Gelegenheit gern, mal aus dem Haus und unter Menschen zu kommen, auch wenn’s nur zum Einkaufen ist. Da kann ich im Laden auch mal gucken, ob’s was Neues gibt. Und hinterher ’nen Kaffee trinken gehen. Oder ein Bier, wenn irgendwann der Lockdown vorbei ist. Selbst Männer, die auf dem Land wohnen und es relativ weit zur nächsten Klingenquelle haben, nutzen Klingen-Abos wenn überhaupt nur sporadisch. Angebote wie die von Shave-Lab oder Mornin‘ Glory konnten sich bisher nicht wirklich durchsetzen. Nun versucht Harry’s, die in den USA ziemlich erfolgreich sind, einen neuen Anlauf. Wir haben ein paar der Produkte von Harry’s getestet.

Aktuell kann man bei Harry’s ein Probierset namens „Winston“ für 15 statt 25 Euro ordern, dafür bekommt man einen Rasierer mit Metallgriff (es gibt ein preiswerteres Exemplar mit Gummigriff), eine Tube Rasiercrem oder -gel, drei Klingen und einen Klingenschutz für die Reise. Preislich kann man da nicht meckern, wenn man die Komponenten einzeln bestellt, wird’s deutlich teurer. Also hab ich die Box geordert, und eine knappe Woche später konnte ich sie bereits auspacken und ausprobieren.

Der Rasierer aus Zink-Druckguss ist relativ schwer und liegt gut in der Hand, da kann man wirklich nicht meckern. Der Kopf des Rasierers mutet ziemlich groß an, für präzise ausrasierte Konturen eignet er sich – wie alle Systemrasierer – also nicht wirklich. Dafür hat der 5-Klinger – wie die meisten vergleichbaren Konkurrenzmodelle – eine Trimmerklinge auf der Rückseite, mit der man unter der Nase und am Kotelettenansatz recht sauber arbeiten kann.

Die Rasiercreme kann man mit dem Rasierpinsel aufschäumen, aber auch brushless verwenden. Von der Verwendung ohne Pinsel rate ich ab. Man kriegt zwar so einen weißlichen Film ins Gesicht, der in Verbindung mit dem Gleitstreifen des Rasierers – der wirklich ordentlich Glubsch absondert – eine halbwegs angenehme Rasur hin, aber bereits beim zweiten Durchgang fing’s bei mir schon an zu ziepen. Muss nicht sein. Mit einem Rasierpinsel bekommt man aber einen ordentlichen Schaum hin, der den Bart auch deutlich besser einweicht. Kein Wunder, bei dieser Option ist natürlich mehr Wasser im Spiel, dass das seine tun kann. Vom Geruch her war ich eher unterwältigt: Zwar riecht die Creme aus der Tube raus schön dezent nach Eukalyptus, aber auf der Haut entwickelt sie bei mir einen campher-ähnlichen, leicht chemischen Geruch… Die Zutatenliste erhält einige erfreuliche Ingredenzien, aber auch einige der üblichen Verdächtigen aus der Fabrikkosmetik. Alles in allem werden die Creme und ich wohl keine Freunde werden, da hab ich angenehmere Einweicher in der Rotation.

Nun zum Rasierer. Was mir gleich beim ersten Zug auffiel: die Federung des Klingenblocks ist eher lasch. Wenn man auch nur geringen Druck ausübt, gibt die Federung sofort nach, der Klingenblock kippt zurück. Okay, man soll ja – auch mit einem Systemrasierer – möglichst wenig bis gar keinen Druck ausüben, aber ich empfinde Rasierer mit einer etwas strafferen Federung deutlich angenehmer. Das mag Geschmackssache sein. Nächste Auffälligkeit: der Gleitstreifen. Der sondert wirklich ordentlich Glubsch ab, was wenn man die Creme brushloess verwendet (s. o.) ja auch nötig ist, aber im Zusammenspiel mit einer Quaitätsseife oder -creme durchaus zu viel des Guten sein kann. Ansonsten ist der Winston-Rasierer von Harry’s eben ein typischer, etwas klobiger Systemrasierer, mit allen bekannten Vor- und Nachteilen. Die Rasur verläuft angenehm und unkompliziert, man kann beinahe nichts falsch machen und man kommt manierlich aussehend aus dem Badezimmer, Mission accomplished. Mit einem Hobel kann ich mich aber – weil ich an meinen Problemstellen den Winkel selbst kontrollieren kann – mit einem Hobel gründlicher rasieren, und – Binsenweisheit – die Hobelrasur ist einfach befriedigender für mich. Die Systemrasur ist Stoppelentfernung pur, beim Hobel kommt der Spaßfaktor hinzu.

Ich werd also mit Sicherheit beim Hobel bleiben, mich aber gelegentlich gern mit dem Harry’s-Rasierer rasieren, bis die Klingen verbraucht sind. Wer sich ausschließlich mit Systemis rasiert, kann sich Harry’s ja mal anschauen. Mit dem Einführungspreis macht man nix verkehrt, UND man muss kein Abo abschließen. Man kann die Klingen auch ohne Verpflichtung einfach nachbestellen. Die Klingen sind übrigens deutlich preiswerter als die von Gillette, aber einen Tick teurer als die von Mitbewerbern wie zum Beispiel Aldi oder Rossmann. Darüber, wie lang man sich mit den Klingen rasieren kann, kann ich noch nichts sagen, ich hab meinen Test erst vor 6 Tagen begonnen. Ich schreib in ein paar Wochen noch einen Post. Und wenn einer von euch das Harry’s-Zeug ebenfalls ausprobiert, würde ich mich über ein Feedback in den Kommentaren freuen.

Disclaimer: Ich hab die Produkte von Harry’s selber bestellt und bezahlt.

 

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