Ein bisschen Streit muss sein…

geralt / Pixabay

Wenn man die Nassrasur als Hobby betreiben. also über die morgendliche Haarentfernung hinausgehen und den nassrasürlichen Dingen auf den Grund gehen will, ist eines am schwierigsten zu erreichen: Gelassenheit. Man befindet sich ja beinahe auf einer ritterlichen Queste – nur dass man nicht nach irgendeinem Heiligen Gral sucht1 sondern nach der gründlichsten und gleichzeitig angenehmsten Rasur überhaupt. Bis man dieses Ziel erreicht hat, muss man vielleicht einen langen und steinigen Weg zurücklegen, sich vielleicht sogar ein paar Mal verirren, bevor man endlich am Ziel angelangt jst. Dann aber, wenn man endlich die perfekte Rasur hinbekommen und wiederholbar gemacht hat, ist man natürlich von seiner Methode überzeugt – vollkommen zurecht, weil man ja auch jede Menge Arbeit und Mühen in das Erreichen dieses Ziels gesteckt hat.

Da ist es nur verständlich, dass man erstmal skeptisch ist, wenn man auf Menschen trifft, die einen anderen Weg zur optimalen Rasur empfehlen. Man kann sich ja nicht geirrt haben, man hat doch selber sorgfältig alles ausprobiert und die Dinge ausgeschlossen, die nicht funktioniert haben.

Trotzdem können diese Dinge bei anderen Menschen durchaus funktionieren. Den Weg zur optimalen Rasur muss jeder für sich finden und gehen. Den allgemeinen, optimalen Königsweg gibt es nicht, dafür gibt es zu viele unterschiedliche Bart- und Hauttypen, zu viele verschiedene Männer, die ihre Rasierwerkzeuge unterschiedlich handhaben. Und manche Männer sind von der Natur auch noch unfair bevorteilt worden. Manche Männer haben eine dermaßen strapazierfähige Haut und einen dermaßen unkomplizierten Bart, dass sie mit Dosenschaum und Einwegrasierern zurechtkommen. Doch, die gibt es wirklich, im Freundeskreis nachfragen genügt meistens, um so einen Gesegneten zu finden.

Letztlich gibt es eigentlich keinen Grund, über mögliche Vorgehensweisen bei der Nassrasur erbittert zu streiten. Theoretisch würde es genügen, einem Hilfesuchenden die verschiedenen Möglichkeiten vorzustellen, die es gibt. Doch das würde einen engagierten Nassrasierer emotional überfordern, aus den obengenannten Gründen. Wenn man etwas mit Leidenschaft betreibt, ist Gelassenheit das Schwerste. Und deshalb gehört der zivilisierte Streit zur Nassrasur, wie Pinsel, Seife und Klinge.

  1. Es sei denn, man sucht gerade DIE perfekte Schale zum Schaumaufschlagen…
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Eine Antwort zu Ein bisschen Streit muss sein…

  1. AvatarRobert Hill sagt:

    „Und deshalb gehört der zivilisierte Streit zur Nassrasur, wie Pinsel, Seife und Klinge.“

    Sehe ich nicht so – weil es sich absolut nicht lohnt, deswegen zu streiten. Erst kürzlich hat mir ein – in Nassrasurdingen sehr engagierter – Enthusiast morgens am Telefon von seiner perfekten Rasur des Tages erzählt. Die verwendeten Komponenten waren mir allesamt wohlbekannt, ich nutze sie selbst seit Jahren.

    Als wir uns wenig später sahen, war ich, gelinde gesagt, „etwas“ erschrocken: Die Haut von Rasurbrand stark gerötet, einige, auch größere, Spots.

    Für IHN war die Rasur perfekt. Er hat sie genossen. Warum soll ich deswegen mit ihm streiten? Weil’s mir zu unsanft wäre? Wenn grade er es so mag?

    Nicht nur die Haut und die Stoppeln. auch die persönlichen Vorlieben unterscheiden sich von Mann zu Mann und auch da von Tag zu Tag.

    Schön, dass wir die Auswahl haben und selbst entscheiden können, wonach uns grade der Sinn steht.

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