Was ist ein Scuttle?

Eigentlich müsste man die Frage zweiteilen: Was waren Scuttles früher, und was sind sie heute? Denn das ursprüngliche Shaving Scuttle stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und hat nur das Grundprinzip mit den Rasurutensilien gemein, die heute als Scuttles angeboten werden. Fangen wir mit den historischen Scuttles an. Die wurden zu einer Zeit erfunden, in der heißes Wasser noch ein absoluter Luxusartikel war. Mitte des 19. Jahrhunderts kam das Wasser meistens aus der Pumpe, und heißes Wasser machte man daraus, in dem man es auf dem Kohlenherd oder über dem offenen Feuer erhitzte. Wenn man sich also mit heißem Wasser rasieren wollte, musste man meist erst mal in die Küche gehen, um es sich zu organisieren. Und irgendein findiger Kopf ist dann auf die Idee gekommen, so ein Kombi-Teil zu bauen. Mit dem man nicht nur heißes Wasser aus der Küche holen konnte, sondern das auch zum Aufbewahren und Aufschlagen der Rasierseife diente. Das Shaving Scuttle war geboren.

Die Bedienung ist selbsterklärent: Oben platzierte man ein Stück Rasierseife1, durch die seitliche Tülle füllte man das heiße Wasser ein und nahm es mit dem Rasierpinsel wieder auf. Dann trug man mit dem feuchten Pinsel genug Seife ab, so dass man im Gesicht aufschäumen konnte. Der Kollege hier führt’s ausführlich vor.

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Video-Link: https://youtu.be/gfF6jniUiuA

Solange es kein heißes Wasser aus der Wand gab, waren die Dinger ganz praktisch, aber als der Heißwasser-Hahn das Badezimmer revolutionierte, waren die Tage des Scuttles gezäglt. Traditionelle Scuttles sind nur noch antiquarisch erhältlich bzw. werden in kleinen Serien aufgelegt, um die Bedürfnisse hemmungsloser Rasur-Nostalgiker zu befriedigen.

Anders sieht es mit modernen Scuttles aus, wie sie zum Beispiel Ansgar Tolksdorf von Schwarzweisskeramik herstellt. Das sind doppelwandige Rasierschalen, die einem ganz anderen Zweck dienen als die traditionellen Scuttles: nämlich den Schaum in der beheizten Schale aufzuschlagen und warmzuhalten. Aber auch Ansgars einfache Rasierschalen sind wunderschöne, liebevoll handwerklich hergestelltee Hand- und Augenschmeichler, mit denen es eine Freude ist, sich zu rasieren.

Auch die Rasier-Mugs von Schwarzweisskeramik, die bei uns im Shop erhältlich sind, speichern die Wärme hervorragend und liefern verlässlich warmen, luxuriösen Schaum

 

 

  1. Überschüssiges Wasser konnte durch die Löcher ablaufen, so wurde die Vermulchung der Seife verhindert.
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5 Antworten zu Was ist ein Scuttle?

  1. AvatarAnonymous sagt:

    Hmmm… Mir wurde vor 20 Jahren ein Scuttle geschenkt, die Seifenablage hat aber keine Löcher. Die würden bei mir aber auch nichts bringen, denn ich knete eine weiche Rasierseife in die Mulde. Aufgeschäumt wird eh im Gesicht, die Mulde ist dafür zu klein.
    Wozu das Ding überhaupt gut ist, erfuhr ich erst im Nassrasurforum, ich wäre nie auf die Idee gekommen, unten heißes Wasser reinzufüllen…
    Seitdem weiche ich den Pinsel darin ein. Und jetzt lese ich, das sei nicht gut für den Pinsel. Hmpf.

    • Warum soll das nicht gut für den Pinsel sein?

      • AvatarLe Barbier sagt:

        Ich finde es nicht mehr wieder, aber Stefan P. Wolf hat hier in einem Kommentar geschrieben, das könne die Klebebindung sprengen.
        Aber ich benutze seit etlichen Jahren denselben Pinsel, und das Einweichen hat ihm nie geschadet.
        Ebensowenig das Ausdrücken des Schaumes mit den Fingern…

        • Ich weiche meine Dachshaarpinsel (Synthetik muss man ja nicht einweichen) seit mehreren Jahrzehnten ein, mir ist noch nix passiert. Und um die Klebebindung zu gefährden müsste man ja zwei Drittel des Pinsels unter Wasser tauchen. Das ist bei einem Scuttle und einem normal großen Pinsel unmöglich.

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