Auf 6

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„Because it’s there.“ – „Weil er da ist“ , hat der Bergsteiger George Mallory einmal auf die Frage geantwortet, warum er unbedingt auf den Mount Everest klettern wolle. Das ist, wie mir scheint, eine typisch männliche Antwort. Wir Männer sind geneigt, Herausforderungen in dem Moment anzunehmen, in dem wir erfahren haben, dass sie existieren. Ohne sich erst groß über die damit verbundenen Gefahren und Risiken Gedanken zu machen- „Das könnte ghene? Dann probier ich’s doch!“ – Wer von uns hat das nicht schon mal gesagt? Wobei es derartige Herausforderungen nicht nur in der unwirtlichen Bergwelt des Himalaya gibt. Die lauern schon im heimischen Badezimmer …

Wenn man zum Beispiel einen verstellbaren Hobel wie den Merkur Futur sein Eigen nennt, dann fängt nach einer Weile die Skala mit den einstellbaren Stufen an, eine gewisse Sogwirkung zu entwickeln. Man hat zwar seine Einstellung – oder seine verschiedenen Einstellungen – gefunden, aber man durchbricht ja gern die morgendliche Rasur-Routine mit dem ein oder anderen Experiment. Wie fühlt sich die Rasur an, wenn man ein bisschen weiter aufdreht? Wird sie besser? Rauher? Gründlicher? Irgendwie… anders? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden: Machen. Weil die Verstellbarkeit eben da ist. Das wusste schon George Mallory.

Bei mir war der Futur 6 Wochen lang in Benutzung bis ich die Faxen dicke hat und „all in“ ging. Ohne lang nachzudenken hab ich den Klingenspalt bis zum Anschlag aufgedreht, also bis zur Stufe 6, und losrasiert. Wider Erwarten hat mir der Futur nicht die Haut abgepellt. Ich hab – obwohl ich ein bisschen nervös war, zugegeben – die ganze Rasur ohne einen einzigen Cut hinter mich gebracht. Sogar fast ohne Rasurbrand. Okay, das Aftershave hat ein bisschen mehr geprickelt als nach einer Rasur mit meiner sonstigen Einstellung (die liegt bei 3).

Die Rasur war aber auch nicht gründlicher als sonst. Was ich mir hätte denken können. Glatter als glatt geht nun mal nicht, und glatte Rasuren hatte ich mit dem Futur vorher schon auf niedrigeren Stufen hinbekommen. Überhaupt war die Rasur auf Anschlag eher unspektakulär verlaufen. Die Klinge war auf der Haut etwas deutlicher zu spüren als mit der niedrigeren Einstellung, das war’s auch schon.

Ich weiß bis heute nicht, was ich bei der Aktion eigentlich erwartet hatte. Den Eintritt in einen mir bisher verschlossenen Rasur-Olymp? Das Erreichen eines Selbstverstümmelungs-Nirvanas? Keine Ahnung. Ich hatte es einfach ausprobiert. Weil die 6 auf der Skala eben da war. Für die zahlreichen weiteren Rasuren hab ich den Futur dann wieder zurückgedreht. Es blieb bei der einmaligen Erfahrung.

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