[Sommertipp] Bambi und Trinity in der Oberlausitz

Man kann sagen was man will, Sommertheater, Freilichtthetaer, das hat schon was. Man muss sich nicht in die dunkle Decke werfen und keinen Kulturstrick um den Hals binden, lässige Freizeitkleidung genügt. Das Catering ist in der Regel auch eher ungezwungen, Bratwurst und Nackensteak statt Häppchen, lecker Pils statt Sektplörre. Wenn jetzt auch noch die Action auf der Bühne stimmt, dann ist der Sommerspaß beinahe nicht mehr zu toppen. Und tatsächlich kann ich euch so eine Sommertheater-Empfehlung geben. Denn in der Waldbühne Jonsdorf geht tasächlich die Post ab, da bekommt man nicht das übliche Karl-May-Gedöns zu sehen, sondern eine Bühnenbearbeitung von „4 Fäuste für ein Halleluja“.

Zugegeben, als ich mich auf meinen Platz im von einem großen Sonnensegel überspannten Zuschauerraum1 war ich noch skeptisch. Theater hat ja doch weniger Möglichkeiten als der Film, und überhaupt, wie wollten die Leute vom Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz gegen Terence Hill und Bud Spencer anstinken. Doch kaum waren ein paar Schüsse gefallen und die ersten Backpfeifen verteilt, hatte ich meine Vorbehalte vergessen. Die Geschichte von Bambi und Trinity funktionierte auch in der Oberlausitz ganz prächtig, Andreas Hüttner und Florien Graf füllen die Riesen-Fußstapfen von Bud Spencer und Terence Hill ausgezeichnet aus, und – wichtig für Fans – es ist alles da: die dämlichen Wegelagerer, das furzende Baby, das Colt-zieh-Backpfeifenduell, die Restaurantszene, die Massenschlägerei in der Mission… In gut zwei Stunden inkl. Pause erlebt man den Film noch mal neu und wird blendend unterhalten.-Und die mitten im Wald gelegene, prächtige Naturbühne sorgt für Atmosphäre satt,

Okay, Jonsdorf ist ziemlich weit draußen, im äußersten südöstlichen Zipfel unseres Landes, aber der Weg lohnt. Nicht nur des Theaters wegen, man kann in der Oberlausitz jede Menge unternehmen, es hat schöne Biergärten, das Essen ist gut, die Menschen sind freundlich und die Preise moderat.

Fürs nächste Jahr ist dort schon „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ angekündigt. Da komm ich wieder. Ich freu mich jetzt schon.

  1. Wenn’s regnet werden die Schauspieler nass, nicht das Publikum!
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