Was wird Rangnick machen?

Foto: Ingo Stoeldt [CC BY-SA 3.0]

Am kommenden Wochenende trifft RB Leipzig in der Bundesliga auf den FC Bayern München. Die Münchner können in diesem Spiel die Meisterschaft perfekt machen, für die Leipziger ist diese Partie bedeutungslos, was die Bundesliga anbelangt. Die Meisterschaft können Sie rechnerisch nicht mehr erringen, die Qualifikation für die Champions League ist sicher. Viel wichtiger als dieses Spiel ist die zweite Begegnung beider Mannschaften zwei Wochen später, im Pokalfinale. Und deswegen steht Trainer Ralf Rangnick am kommenden Wochenende vor einem sportmoralischen Dilemma ziemlichen Ausmaßes…

Die Situation, zweimal kurz hintereinander gegen einen sehr starken Gegner spielen zu müssen, wobei die zweite Begegnung die deutlich wichtigere ist, ist im Fußball nicht neu, im Gegenteil. Sepp Herbergers Rezept von 1954 ist Basiswissen für jeden Fußballfreund: Herberger hat damals das Vorrundenspiel gegen die übermächtigen Ungarn mit einer mit lascher Einstellung auflaufenden B-Elf absichtlich abgeschenkt. Sein Plan, über ein Entscheidungsspiel die Endrunde zu erreichen, ging auf. Im Finale ging es wieder gegen die Ungarn, die glaubten, den Gegner zu kennen. Doch jetzt spielte die A-Elf, die taktisch hervorragend eingestellt war und kämperisch bis an die Grenzen ging. Die überraschten Ungarn konnten sich nicht mental auf den „neuen“ Gegner einstellen und verloren knapp.

Mit dieser Nummer hat Herberger Sportgeschichte geschrieben, und sie ist seit 1954 mehrmals erfolgreich wiederholt worden. Dieser Bauerntrick ist deshalb immer wieder erfolgreich, weil es für den Favoriten unglaublich schwer ist, mit einem von der Papierform her unterlegenen Gegner auf Augenhöhe zu kommen. Egal in welcher Sportart, egal ob Mannschafts- oder Einzelsport. Es wäre für Rangnick also taktisch und psychologisch, sinnvoll, am kommenden Bundesligaspieltag mit einer B-Elf und evtl. einer defensiven Angsthasen-Taktik zu agieren, und im Pokalfinale mit A-Mannschaft und aggressivem Angriffsspiel zu versuchen, die Bayern aus dem Takt zu bringen.

Wenn da nicht Borussia Dortmund wäre.

Wenn Rangnick abschenkt, sind die Bayern am Sonnabend nach dem Abpfiff Meister, egal was Dortmund macht. Wenn Rangnick auf Sieg spielen lässt und es ihm tatsächlich gelingt, die Bayern zu schlagen und Dortmund gleichzeitig Düsseldorf schlägt, wird die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden. Und dann wäre Bayern angeschlagen, dann wäre vielleicht noch was drin für Dortmund…

Aber: Wenn RB Leipzig am kommenden Sonnabend die Bayern schlägt, können sie sich den Pokalsieg in die Haare schmieren. Die Bayern wären gewarnt, haben die stärkere Mannschaft und hätten noch eine dicke Rechnung mit den Leipzigern offen. Siegchance für Leipzig gleich Null.

Was also wird Rangnick tun? Wird er sich sportlich fair verhalten und nächsten Sonnabend auf Sieg spielen lassen. Oder ist er kühl kalkulierender Profi, der seine Chance auf den Pokalsieg nutzt und Herbergers Bauerntrick inszeniert? Ich tippe auf den Bauerntrick. Und ihr?

 

 

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3 Responses to Was wird Rangnick machen?

  1. AvatarRobert says:

    Wenn ich mir die letzten Spiele der Bayern so anschaue, muss Rangnick keine der beiden Partien herschenken. Das machen die Münchner schon selbst…

  2. Wenn’s wirklich darauf angekommen ist, haben sich die Bayern meistens zusammengerissen (z. B. im Spiel gegen Dortmund). Sie werden Leipzig erstmal nicht unterschätzen, die sind ja keine Laufkundschaft. Von daher seh ich Rangnicks Taktik trotzdem als spielentscheidend an.

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