[Summer of Steve] Der Lackaffe, der keiner ist – „Thomas Crown ist nicht zu fassen“

Auch fast 40 Jahre nach seinem letzten Film bewegt Steve McQueen immer noch die Menschen, die seine Filme anschauen. Kaum ein anderer Schauspieler hat eine derart treue Fan-Gemeinde, kaum ein anderer Schauspieler gewinnt auch Jahrzehnte nach seinem Tod noch dermaßen viele neue Fans hinzu. Woran liegt‘s? An seiner mittlerweile sprichwörtlichen Coolness? An den Figuren, die er spielte, den Lonern, die nur auf sich selbst vertrauten? Daran, dass Kerle wie er so selten geworden sind? In unserer Serie „Summer of Steve“ machen wir uns auf die Suche nach McQueens Geheimnis.

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Video-Link: https://youtu.be/ahupUFjzPJc

Steve McQueen hat alles mögliche gespielt, aber niemals einen Lackaffen. Und dann hat man ihm den ultimativen Lackaffen angeboten, und McQueen hat aus ihm eine der faszinierendsten Figuren gemacht, die er je gespielt hat: Thomas Crown in „Thomas Crown ist nicht zu fassen„.

Okay, dieses Jahr ist der Film fünfzig Jahre alt geworden. Das ist schon beinahe die „Väter der Klamotte“-Klasse, aber wenn man ihn heute anschaut, wirkt er immer noch modern. Mutig. Bahnbrechend nicht mehr, aber das war er 1968.

Als Film war und ist „Thomas Crown“ so eigenwillig wie sein Hauptdarsteller. McQueen scherte sich einen Dreck um Konventionen, und den Machern von „Thomas Crown“ war es vollkommen egal, welchem Genre der Film zuzurechen war. Thriller? Action-Komödie? Drama? Love Story? Heist Movie? Sollen das doch die Zuschauer entscheiden. Wie sein Hauptdarsteller steht „Thomas Crown“ grundsätzlich über den Dingen.

McQueen als gelangweilter Millionär aus Boston? Undenkbar! So einen Lackaffen kann McQueen doch nicht spielen! Aber der Lackaffe ist so gelangweilt, dass  er nebenher ein Gangster ist, und McQueen spielt – Geniestreich! – nur den Gangster und nicht en Lackaffen. Den spielen die anderen, die vor dem Lackaffen buckeln und nicht sehen WOLLEN, dass der ein Gangster ist.

Außer Faye Dunaway. Die sofort hinter die Fassade schaut. Und irritiert ist, dass ihr gefällt, was sie da sieht. Die letztlich genauso eine ambivalente Type ist wie Thomas Crown. Die beiden agieren wie zwei Magnete, die ständig die Polung wechseln und sich gleichzeitig abstoßen und anziehen, eines der faszinierendsten Leinwandpaare der Filmgeschichte. Und die Dunaway sah nie schöner aus als in diesem Film.

Was noch? Die rasanten Schnitte, die Splitscreen-Technik. Der Film hat dadurch einen eigenen, ganz unverwechselbaren Look. Viel wichtiger aber ist der Feel, der von McQueen, Faye Dunaway und der Story kommt, die einem immer wieder den Boden unter den Füßen wegzieht. 

Und jetzt wird’s magisch: Denn die meisten Filme, die auf doppelbödigen Stories beruhen, mag man nicht mehrfach ansehen, weil man ja die letzte, überraschendste Wendung schon kennt. Nicht so bei „Thomas Crown“. Der Film läuft in der gleichen Super-Schwergewichts-Klasse wie „Der Clou“ oder „Lohn der Angst“ oder „Außer Atem“. Man kennt die Geschichte, man weiß wie’s ausgeht, aber man guckt doch immer wieder großäugig-atemlos zu. Bis zum Ende, das man schon kennt. Wie gesagt, magisch. Die reine, große Kino-Freude,

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2 Responses to [Summer of Steve] Der Lackaffe, der keiner ist – „Thomas Crown ist nicht zu fassen“

  1. Ralf Stiegler says:

    Dieser Film ist etwas besonderes, weil man Steve McQueen einfach nicht im James Bond-Outfit sehen will.
    Er darin aber trotzdem gefällt.
    Eigentlich ist es ein ‚Schnösel-Film‘ – und verwöhnte Schnösel, die aus Langeweile Heists begehen, sind zumindest mir, eher mal von vorne weg unsympathisch.
    So, von wegen: Och, Du armer Kerl. Bist stinkend reich und langweilst Dich. Da mitzufiebern, dass das mal gut geht, bedarf einer großen schauspielerischen Leistung. Obwohl das – nicht zuletzt ob McQueens schauspielerischen Charismas funktioniert – werden die wenigsten McQueen-Fans diesen Streifen als Lieblingsfilm angeben. Vom Casting her ist es sicherlich eine mutige Entscheidung McQueen für diese Rolle zu besetzen. Und McQueen hat sicherlich ebensolchen Mut bewiesen, diese Rolle anzunehmen.
    Er hat sicherlich bewiesen, dass er auch jenes Spektrum glaubhaft spielen kann und sich somit seine Meriten verdient.
    Er hat gegen sein Image angespielt, und das respektabel.
    Trotzdem hätte ich gerne McQueen lieber in anderen Rollen gesehen.
    Dann lieber in ‚Flammendes Inferno‘, der sicherlich auch nicht sein bester Film ist.
    Tatsächlich – ich lehne mich da sehr weit aus dem Fenster – halte ich Pierce Brosnan geeigneter für die Rolle, wie er in der Wiederverfilmung m.M.n. bewiesen hat.

    [Einschub: Für alle, die Brosnan nur als limitierten Bond-Darsteller wahrnehmen sei ‚Seraphim Falls‘ auf aller wärmste zu empfehlen! Klasse Actor-Leistung in einem wirklich guten Survival-Western! Must see!]

    Als Filmbetrachter fehlt mir auch die Chemie zwischen Faye Dunaway und SMcQ.

    Für mich bleibt ‚Thomas Crown ist nicht zu fassen‘ ein Kuriosum.
    Völlige Fehlbesetzung, die aber durch SMcQ schauspielerische Leistung ansatzweise kompensiert wird..

  2. Ralf Stiegler says:

    Nachschub:
    Mit meiner Haltung gehe ich wohl konträr zu der Einschätzung von Chris.
    Ich finde die Strand-Buggy-Szene darin auch ziemlich albern und überflüssig, OBWOHL SmcQ diese wohl forciert hat.

    Würde mich freuen, wenn diese Kontroverse auch ein paar Kommentare nach sich ziehen würde.

    Denn Kommentare sind doch wohl das kraftgebende Elexier eines jeden Blogbetreibers.

    Also schreibt, Leute schreibt!

    In diesem tollen Blog gibt es viel zu wenig Kommentare..!

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