[Summer of Steve] Der Mann hinter dem Mythos – eine Spurensuche

Foto: Ryangrigg [Public domain], via Wikimedia Commons

Auch fast 40 Jahre nach seinem letzten Film bewegt Steve McQueen immer noch die Menschen, die seine Filme anschauen. Kaum ein anderer Schauspieler hat eine derart treue Fan-Gemeinde, kaum ein anderer Schauspieler gewinnt auch Jahrzehnte nach seinem Tod noch dermaßen viele neue Fans hinzu. Woran liegt‘s? An seiner mittlerweile sprichwörtlichen Coolness? An den Figuren, die er spielte, den Lonern, die nur auf sich selbst vertrauten? Daran, dass Kerle wie er so selten geworden sind? In unserer Serie „Summer of Steve“ machen wir uns auf die Suche nach McQueens Geheimnis.

Steve McQueen ist ein Mythos. Am 24. März 1930 geboren und am 07. November 1980 gestorben. Meine Lebenszeit, als 1967 geborener, überschnitt sich also lediglich für die Dauer von 13 Jahren. In diesen 13 Jahren habe ich nichts von Steve McQueen mitbekommen; sein letzter Film ‚Jeder Kopf hat seinen Preis‚ (1980) wurde in seinem Todesjahr veröffentlicht. In diesem Jahr schaute ich aber mit einem Kumpel ‚Die blaue Lagune‚ mit Brooke Shields an – der heiße Scheiß für jeden Pubertierenden damals. Heute natürlich nicht mehr vorstellbar, oder gar nachvollziehbar. Selbst für mich nicht.

Irgendwann sah ich dann aber mal posthum einen Film mit ihm. Ich weiß nicht mehr welcher es war, und wann ich ihn gesehen habe – aber es muss eine Initialzündung gewesen sein! Vorher noch, war ich Charles Bronson-Fan gewesen. Seine Gesichtszüge schienen wie aus Stein gemeißelt, und wer ‚Spiel mir das Lied vom Tod‚ (1968) gesehen hat, kann vielleicht nachvollziehen, dass ich ihn als Heranwachsender als ultimatives Maß der Coolness betrachtet habe1

Aber Charles Bronson war doch in seiner schauspielerischen Leistung im Vergleich zu McQueen sehr limitiert. Außerdem war er auch sehr auf Action-Streifen abonniert, während McQueen ein breiteres cinematographisches Feld beackerte und seinen Filmen mehr Tiefe verlieh. Trotzdem sind ‚Chatos Land‚ [1972] (eine Vietnamkrieg-Metapher?) und ‚Nevada Pass‚ [1975] (ein sehr guter Western-Krimi) neben ‚Spiel mir das Lied vom Tod‚ wirklich gute und sehenswerte Filme und allen (männlichen) Lesern empfohlen. Obwohl bekannter, ist die ‚Death Wish (Ein Mann sieht rot)‘-Reihe nicht so mein Ding und meiner Meinung nach ziemlich reaktionär – vergleichbar mit den ‚Dirty Harry‘-Filmen.

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Video-Link: https://youtu.be/iOzdhnqhxSw

Aber zurück zu Steve McQueen: Obwohl er in der Western-Serie ‚Wanted – Dead Or Alive‚ (1959-1961) einem breiterem Publikum bekannt wurde, kam der wirkliche Durchbruch erst mit ‚Die Glorreichen Sieben‚ (1960). Ausgemachter und gesetzter Star war damals Yul Brynner, dem Steve McQueen aber die Show stahl. Obwohl er eine Nebenrolle spielte, lenkte er bei gemeinsamer Screen Time mit kleinen Gesten, Mimik und damals schon vorhandener Leinwandpräsenz die Aufmerksamkeit vom Star Yul Brynner auf sich ab. Brynner kochte, konnte dem aufstrebenden Mimen aber schauspielerisch nicht ausreichend entgegenhalten. Dies war aber nicht (zumindest nicht ausschließlich) seinem schauspielerischen Instinkt zuzuschreiben, sondern wohl auch Kalkül. Steve McQueen hatte das Alpha-Tier-Gen in sich. Er spielte/setzte immer auf Sieg, ob auf der Leinwand oder hinter dem Steuer von Autos und Motorrädern. In dem Poker-Film ‚Cincinnati Kid‚ (1965) beispielsweise trifft er auf die damalige Schauspielerlegende Edgar G. Robinson (vergleichbar mit dem Deutschen Gert Fröbe). Das knisternde Duell zwischen diesen beiden Alpha-Tieren ist wirklich ein absolutes Film-Erlebnis!

Neben den bereits erwähnten Filmen brillierte er beispielsweise in ‚Getaway‚ (1972) – mein erklärter Lieblingsfilm mit SMQ –, ‚Bullit‚ (1968) – legendärste und ikonischste Autoverfolgungsjagd ever – und
Thomas Crown ist nicht zu fassen‚ (1968) –prickelnde Erotik mit Faye Dunaway. Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich ‚Papillon‚ (1973), in dem er mit Dustin Hofmann spielte und dessen Wiederverfilmung in diesem Blog bereits behandelt wurde. In ‚Le Mans‚ (1971) verwirklichte er seinen persönlichen Traum, einen authentischen Rennfahrerfilm zu drehen.

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Video-Link: https://youtu.be/6_pdngZvpNg

Denn neben der Schauspielerei (und natürlich dem weiblichen Geschlecht) hatte er eine weitere große Leidenschaft – die Rennfahrerei, was einen nicht unbeträchtlichen Teil seines heutigen Kultstatus ausmacht. Er sagte einmal, dass er nicht wisse, ob er ein rennfahrender Schauspieler, oder ein schauspielender Rennfahrer sei. Er war im Rennsport sehr talentiert und ambitioniert und nahm auch relativ erfolgreich am 24h-Rennen von Le Mans teil. Er hatte ein Faible für Maschinen im allgemeinen. Sport- und Rennwagen sammelte er wie andere Menschen Matchbox-Autos. Versteigerungen von Autos seines legendären Fuhrparks erzielten später regelmäßig Höchstpreise. So hat bspw. ein 930 Porsche Turbo knapp 2 Millionen Euro in einer Versteigerung eingebracht, der 15fache Wert, der normalerweise für solch ein Modell erzielt wird. Und ganz ehrlich: Hätte ich das nötige Kleingeld – ich hätte weiter geboten. Weil ich dem Mythos Steve McQueen verfallen bin, und Geld für mich in diesem Zusammenhang keine Rolex (beziehungsweise Tag-Heuer!) gespielt hätte.

Aber all diese Worte und Erklärungsversuche können nicht nachvollziehbar machen, weshalb und warum Steve McQueen bis in unsere Zeit hinein leuchtet und auch heute noch so eine große Fangemeinde hat und diesen besonderen Kult-Status besitzt. Man muss ihn einfach gesehen haben um das nachvollziehen zu können!

Sicher, es gibt(???) und gab besser aussehende und talentiertere Schauspieler als ihn. Für mich war das Paul Newman, dessen herausragenste Filme das Melodrama ‚Die Katze auf dem heißen Blechdach‚ (1958) – Vorsicht – kein wirklicher ‚Männerfilm‘! – mit Elisabeth Taylor oder ‚Butch Cassidy und Sundance Kid‚ (1969) – ein ganz hervorragender ‚Männerfilm‘! – zusammen mit dem blendend aufspielenden Robert Redford. Für mich das beste Buddy-Movie der gesamten Filmgeschichte! Auch mit Paul Newman spielte Steve McQueen übrigens einmal zusammen, und zwar in ‚Flammendes Inferno‚ (1974). Daran gemessen, dass diese Schauspielgiganten gemeinsam einen Film bestritten, blieb der Film aber meiner Meinung nach hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Kein Schauspieler vereinte soviel Charisma und – ja – Coolness in sich, wie Steve McQueen. Als Zuschauer spürt man instinktiv, dass dieser Schauspieler eben diese Coolness nicht spielte, sondern sie einfach nur ausdrückte. Das macht seine Performance so authentisch. Außer in ‚Thomas Crown… (deshalb eine für mich eher selbstironische Rolle) spielte er nie den Charmeur. Seine Ausstrahlung basierte nicht auf Rhetorik oder bondiges Gentleman-Gehabe. Er war stattdessen einfach nur präsent. Voll und ganz.
Auf der Leinwand, auf der Rennstrecke und in seinem Leben und Handeln.

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Video-Link: https://youtu.be/-h6NMQ_uH6Y

R.I.P., Steve

Ralf Stiegler ist als Sozialpädagoge im Jugendbereich tätig. Er verlässt ohne Buch nie das Haus, um selbst kürzeste Wartezeiten zu überbrücken. Am liebsten mit Romanen von Lee Child oder Andy McNab. In jungen Jahren bekam er von seiner Mutter die Live-LP ‚No Sleep Till Hammersmith‘ von Motörhead geschenkt, denen er bis heute die Treue hält. Würde mit Steve McQueen, Lemmy Kilmister und Charles Bukowski um die Häuser ziehen, wenn er die freie Wahl unter Saufkumpanen hätte.

  1. Fun- und Fanfact: Charles Bronson spielte neben Steve McQueen in ‚Die glorreichen Sieben‚ (1960) und in ‚Gesprengte Ketten‚ (1963).
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