Mission 5 Impossible – das Live-Tagebuch zur Fußball-WM 2018: Tag 16

Wie bei jedem großen Turnier schreibt Chris Kurbjuhn auch während des Sommers 2018 sein Turniertagebuch mit Kommentaren, Anekdoten, Erinnerungen an frühere Turniere und jede Menge dummem Fußballzeugs. Aufzeichnungen aus dem Tollhaus eines Fußballsüchtigen, mehrmals täglich aktualisiert.

Meine Tagestipps aus unserem Tippspiel:
Frankreich – Argentinien 1:2
Uruguay – Portugal 1:0

Zitat des Tages: „Spätestens seit dem Titelgewinn 2014 ist »Die Mannschaft« zu voluminös geworden. Das Unternehmen braucht einen Reset und wird abrüsten müssen. Es gibt zu viele Claims und Hashtags, zu viel Gedöns und zu vielen Mauern um die Spieler. Die Nationalmannschaft muss dringend zurückgeführt werden zum eigentlichen, zum Fußball.“ (Christoph Biermann bei den 11 Freunden)

In den letzten zwei Tagen habe ich gemerkt, warum es wirklich ein Segen war, dass die Nationalmannschaft seit 2004 frühestens im Halbfinale aus einem Turnier gekegelt wurde.

Man wurde nicht von allen Seiten mit sinnfreien Spekulationen über die Ursachen des Ausscheidens bombardiert. Herrgottsack, soviel Schwachsinn wie in den 48 Stunden seit dem 0:2 durch Son hab ich lange nicht mehr gelesen. Muss ich erwähnen, dass die überwiegende Mehrzahl von Bewertern und Ursachenforschern keine Ahnung von Fußball hat, bzw. mit dem einfachen Anschauen einer Partie bereits überfordert ist? Wenn mir Mario Basler (30 Länderspiele, 2 Tore, Goldene Ananas) nochmal erklären will, warum Mesud Özil1 (92 Länderspiele, 23 Tore, Weltmeister) an allem schuld ist, werde ich zum Tier.

Dabei ist es doch ganz einfach, die Ursachen der Pleite2 der Nationalelf zu benennen. Der Kollege in diesem Clip (Dank an Ralf Stiegler für den Hinweis) nimmt kein Blatt vor den Mund, nennt die Dinge beim Namen und sagt, woran’s gelegen hat.

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Video-Link: https://youtu.be/syTt-Y8oINY

Update 9:30
Was natürlich bei der ganzen merkbefreiten Ursachensucherei zu kurz kommt: das ausgezeichnete Spiel der Koreaner. Wie sie flexibel die Passwege zugestellt haben und damit vor allen Dingen Kroos die Wirkung genommen haben, war taktisch sehr, sehr gut gespielt.

Und hier ein Artikel, der mit aus der Seele geschrieben wurde. Uli Kreikelbaum vom Kölner Stadtanzeiger sagt ganz unironisch: Danke, Mesut!

Das würde ich übrigens gern mal erklärt bekommen: Warum hierzulande an den Stammtischen UND in der Presse die Briegels immer einen Vertrauensvorschuss vor den Özils bekommen.

Demnächst mehr.

  1. Die „Welt“ hat Özil für das Südkorea-Spiel in der Einzelkritik die Note 5 gegeben. Özil hat in diesem Match sieben direkte Torvorlagen im oder in den Strafraum gegeben hat, mehr als bisher jeder andere Spieler im Turnier. 62 % gewonnene Zweikämpfe. Zweitmeiste Pässe gespielt (nach Kroos). Mann, Mann, Mann…
  2. Nein, es ist keine „historische“ Pleite. Verlieren ist im Sport üblich, auch wenn die einen häufiger gewinnen als die anderen.
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2 Responses to Mission 5 Impossible – das Live-Tagebuch zur Fußball-WM 2018: Tag 16

  1. Duderich says:

    „Nein, es ist keine „historische“ Pleite.“

    Doch, ist es.
    Gegen Südkorea(!) 0:2?

    In einer schwachen Gruppe Gruppenletzter!

    Was braucht es denn noch zu einer „historischen Pleite“?

    Muss noch der Blitz ins Torgestänge einschlagen?

    Verlieren mag im Sport üblich sein.
    Aber gegen Südkorea(!) als Weltmeister(!) in der Vorrunde auszuscheiden – als Gruppenletzter, wie tiefer geht es denn noch?

  2. Chris KurbjuhnChris Kurbjuhn says:

    Nun, die Quali nicht packen, das wäre noch tiefer… 🙂
    Ernsthaft: Ich hab Schwierigkeiten mit dem Wort „historisch“ im Zusammenhang mit Sport. Die Ostverträge, der Mauerfall… das ist historisch, aber doch nicht die Jammerlappen, die sich von Südkorea einseifen lassen.
    Ach, es tut doch ziemlich weh.

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