Mission 5 Possible – das Live-Tagebuch zur Fußball-WM 2018: Tag 14

Wie bei jedem großen Turnier schreibt Chris Kurbjuhn auch während des Sommers 2018 sein Turniertagebuch mit Kommentaren, Anekdoten, Erinnerungen an frühere Turniere und jede Menge dummem Fußballzeugs. Aufzeichnungen aus dem Tollhaus eines Fußballsüchtigen, mehrmals täglich aktualisiert.

Meine Tagestipps aus unserem Tippspiel:
Südkorea – Deutschland 1:3
Mexiko – Schweden 1:o
Serbien – Brasilien 0:1
Schweiz – Costa Rica 1: 0

Zitat des Tages: „NGAARG, so der Fifa-Länder-Code der Partie. Hört sich an wie das Schluckgeräusch, dass alle Nigerianer machten, als sie die Ballan- und mitnahme von Lionel Messi sahen, bevor er alle nigerianischen Hoffnungen herunterschluckte als wäre es ein Löffel Gazpacho. Ngaarg.“ Liveticker der 11 Freunde zu Nigeria – Argentinien

Matchday.
Aber bevor ich zu unserem Spiel des Tages kommen, muss ich noch ein paar Worte über das höchstspannende Match Argentinien-Nigeria verlieren. Und den Mann, der im Mittelpunkt dieses epischen Dramas stand.

Wie jetzt, Messi? Natürlich, nettes Tor…

… aber ich rede natürlich von Diego Armando Maradona, der auf der Tribüne die mittlerweile übliche Maradona-Fan-Show zum besten gab. Bei jeder nennenswerten Aktion auf dem Spielfeld (und es waren ja einige) schwenkten die Kameras auf Maradona, und der bediente das Interesse. Tanzte, schrie, betete, sang, schob mal ein Schläfchen ein, überraschte mit einer Stinkefinger-Hommage an Stefan Effenberg und wurde schließlich ins Krankenhaus gebracht. Heute schütteln BILD und Welt und der Hintertupfinger Generalanzeiger unisono den Kopf und beklagen den Absturz des Weltstars, der sich selbst durch seine Mätzchen in den Mittelpunkt gerückt habe und vermutlich wieder auf Droge sei. Ich könnte kotzen. Wer hat euch denn mit vorgehaltener Waffe gezwungen, die Kameras alle zwei, drei Minuten auf die Tribüne zu richten? Wieso müsst ihr jedes Mal, wenn Maradona den kleinen Finger hebt, darüber schreiben? Warum muss alles, was dieser Mann macht, hinterfragt und mit Bedeutung überladen werden? Lasst den Mann beim nächsten Mal in Ruhe Fußball gucken. Und: Wenn ihr mich bei der Spielbeobachtung filmen würdet, dann würden auch alle denken, ich sei auf Droge.

Wie dem auch sei, Maradonas Stinkefinger bringt uns zu unserem Spiel des Tages, zur Partie Südkorea – Deutschland. Ich will Südkorea jetzt nicht zum Schicksalsgegner der Deutschen hochjazzen, aber die zwei Pflichtspiele, die es bisher gab, hatten es in sich. Das erste war ein Vorrundenmatch bei der WM 1994.

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Video-Link: https://youtu.be/SbNxSWwmgxs

Die Partie wird meist nur als das Spiel thematisiert, in dem Effenberg den Stinkefinger zeigte und anschließend nach Hause geschickt wurde. Für mich ist das das Spiel, in dem die Weltmeisterschaft 94 verloren ging. Die Mannschaft hatte Südkorea an die Wand gespielt, alle Zeichen standen auf Kantersieg, und dann (Hitze? Fehlende Kondi? Überheblichkeit?) ging der Faden verloren, Vogts konnte die Mannschaft nicht ins Match zurückcoachen und es wurde noch einmal richtig eng. Das hat Spuren hinterlassen, die Spieler begannen an ihren Stärken als Team zu zweifeln und die Grundlage für das spätere Aus gegen Bulgarien war gelegt. Ich bin mir ziemlich sicher, hätte man Südkorea bis zum Spielende dominiert und noch zwei, drei Tore gemacht, hätte der Weg des Teams ins Finale geführt.

Das andere Spiel war das Halbfinale 2002.

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Video-Link: https://youtu.be/PN1oQ9ZqAXg

Ein Kampfspiel zweier Mannschaften, die bei jenem Turnier… sagen wir’s mal freundlich, den einfachen, geradlinigen Fußball pflegten. Und – seien wir ehrlich – statt der Südkoreaner hätten die Italiener damals im Halbfinale stehen müssen. Die waren zuvor gegen Südkorea durch eine der skandalösesten Schiedsrichterentscheidungen aus dem Turnier gekegelt wurden. Das Mastermind hinter dieser Niederlage, Schiedsrichter Moreno, wurde 2010 übrigens mit 6 Kilo Heroin in der Unterhose(!)1 am New Yorker Flughafen erwischt. Gigi Buffon kommentierte: „Sechs Kilo Drogen? Die hatte er 2002 auch schon. Aber nicht in der Unterhose, sondern im Blutkreislauf.“ Wie dem auch sei, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir damals das Halbfinale gegen Italien nicht gewonnen hätten. Auch wenn’S 2002 nur einen Rudi Völler gab.

Heute also wieder Südkorea. Da müssen wir durch. Ich würde mir ein etwas entspannteres Match als die beiden angesprochenen Partien wünschen, aber ich fürchte, dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen.

Update 13:40

Habe gerade auf Twitter und Facebook die Einführung einer No-Diego-Cam gefordert, die argentinische Länderspiele zeigt, ohne ständig auf Maradonas Tribünen-Faxen umzuschalten.

Und wer gleich mitsingen möchte, hier ist die textliche Alternative:

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Video-Link: https://youtu.be/6sbplHpwsjs

Demnächst mehr.

 

  1. Das muss eine Spezialanfertigung von Hugo Boss gewesen sein.
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