Das italienische Vakuum

Hat irgendwer gestern Abend nicht den Schweden die Daumen gedrückt, als sie sich im San Siro den Weg nach Russland ermauert haben? Es war schon ein extrem spannendes Spiel, und als der Schiri abpfiff, habe ich mehr als nur ein bisschen klammheimliche Freude verspürt. Wenn ich Prosecco trinken würde, hätte ich ’ne Flasche aufgemacht.Heute, einen halben Tag später, sieht die Sache schon etwas anders aus. Ich versuche gerade, mir ein Turnier ohne Italien vorzustellen. Das ist keine kleine Aufgabe (1958 haben sie zum letzten Mal gefehlt), die eine leicht beängstigende Frage aufwirft: Wer übernimmt 2018 Italiens Rolle, wer wird der Schurke des Turniers?

Wir kennen das aus den James-Bond-Filmen, je besser der Schurke desto besser der jeweilige Film. Während man Minuten lang überlegen muss, in welchem Film Michael Lonsdale vor sich hin klabustert hat, hat man bei der bloßen Erwähnung des Titels „Goldfinger“ sofort Gert Dröbe vor Augen, wie er unnachahmlich „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben, Mr. Bond!“ hervorstößt.

Bei beinahe jedem Turnier, an dem sie teilgenommen hat, hat die Squadra Azzurra diese Schurkenrolle übernommen und mit unvergleichlicher Inbrunst den zwielichtigen Revolverhelden gespielt, der grundsätzlich schon bei „2“ schießt. Ein Team, das niemand leiden kann, das praktisch nur durch ein teuflisch enges Elfmeterschießen aus dem Turnier zu nehmen ist und dass als stete Drohung zwischen der eigenen Mannschaft und dem Turniersieg lauert… Ein Turnier ohne eine solche Mannschaft erscheint mir undenkbar.

Bloß: Wer soll’s machen? Wer könnte die üergroßen Stollen-Abdrücke der Italiener ausfüllen? Die zugedopten Russen? Die sich auf ihre Rustikalität besinnenden Argentinier? Ein besinnungslos weiter mauerndes Schweden? Wer wird Superschuft 2018?

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