[Single Malt] Octomore und Port Charlotte von Bruichladdich – der Torf rockt

Foto by Laddie09 (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Single Malts von Bruichladdich (warum kennt die Autokorrektur ausgerechnet dieses Wort nicht?) sind einzigartig auf der Welt. Der jedes Jahr neu geprobte Spagat aus extremer Traditionstreue (es wird auf viktorianischem Equipment destilliert) und gelegentlich geradezu mutwilliger Experimentierfreude (Torf- und Rauchrekorde, Ginproduktion, Sauternes-Fässer) fasziniert die Fans und sorgt immer wieder für neuen Diskussionsstoff. Wir haben drei aktuelle Whiskies aus der Torf- und Rauch-Abteilung getestet: den Octomore 7.1 Scottish Barley, den Octomore 7.4 Virgin Oak und den Port Charlotte Scottish Barley Heavily Peated.

Octomore: viel mehr als Rauchrekorde!

Sicher, die Reihe Octomore von Bruichladdich ist vor allem durch ihre Rekorde beim Phenolgehalt der verwendeten Gerste bekannt. Damit sind die beim Trocknen der gemälzten Gerste über qualmendem Torffeuer entstehenden Rauchanhaftungen gemeint. Die „normalen“ Islay-Whiskies kommen knapp an 50 ppm Phenole heran (ppm = part per million, Millionstel), der sehr rauchige Ardbeg Supernova kam auf ganze 100, die beiden hier vorgestellen Octomore-Abfüllungen bringen es auf 167 und 208 ppm! Wohlgemerkt sind das Konzentrationen auf dem Malz, nicht im Destillat (man geht davon aus, dass etwa 1/3 beim Brennvorgang den Weg in den Rohbrand findet).

Was ist nun so besonderes an diesen Phenolen? Zunächst einmal gibt es viele Leute, die ihr Aroma mögen, sonst gäbe es trotz der konservierenden Funktion wohl keine geräucherten Würste, Schinken oder Fische (und wohl auch keine Raucher). Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn genau wie die beim Brennen in das Destillat gelangenden Begleitstoffe (alles neben Wasser und Äthanol) und die aus den Fasswänden gelösten Substanzen während der Lagerung umgewandelt werden und vielfältige, komplexe Aromen bilden, die später den individuellen Charakter aus Geruch und Geschmack bilden, gilt dies um so mehr für die Phenole. Diese bleiben nämlich nicht in dieser enorm hohen Konzentration erhalten, sondern bilden eine ganz besonders fruchtbare Quelle für die Bildung der erwünschten Aromastoffe. Dies geht so weit, dass ein stark rauchiger Whisky schon viel früher voller tiefgründiger Geschmacksstoffe steckt und damit sehr komplex und reif schmeckt, als dies bei einem gleich alten Speyside oder anderen aus nur leicht oder gar nicht getorftem Malz entstehen. Rauch gibt einem Whisky neben dem raucheigenen Aroma also sehr schnell Körper, Tiefe und Reife im Bereich der übrigen Whisky-Aromen.

Beide hier vorgestellten Octomores haben um die 60% Alkoholgehalt, sind aber als kleine Schlucke genippt (und so empfehle ich den Genuss!) unverdünnt absolut angenehm — der Rauch nimmt bei kleinen Schlucken erstaunlicherweise dem Alkohol völlig die sonstige Schärfe! Ein Tropfen Wasser verändert den Charakter dramatisch in Richtung Weichheit und setzt die zitrischen Noten stärker frei, nimmt aber auch andererseits ein wenig von seiner unbändigen Kraft. Am besten macht man es wie immer und gibt beim ersten Nähern auch nur dann Wasser (in Tropfen!) zu, wenn man es auch sonst bei kräftigen Sorten zu tun pflegt, ansonsten lässt man es (ich lasse es).

Mein Tip für Octomore-Ersttäter (und ich gehe davon aus, dass man schon einige rauchige Islay-Whiskies genossen hat!): wer die jüngeren Vertreter kennt und liebt (junge Bowmores, die Standardabfüllung Ardbegs und vor allem die jungen Laphroigs), der starte von diesen beiden Octomores am besten mit dem 7.1 voller Kraft und Jugend. Wer ausgesprochen alte und sehr vielschichtig ausgebaute Abfüllungen liebt, der startet dann eher beim 7.4 mit seinem leicht stärkeren Fasseinfluss und dem spürbar reiferen Charakter.

Octomore 7.1 Scottish Barley

Mit 208 ppm Phenolgehalt im Malz und nach „nur“ 5 Jahren mit 59,5% abgefüllt, daher weniger Fasseinfluss als beim u.a. 7.4, dafür entwickelt schon der erste kleine Schluck eine brachiale Wärme und fast greifbaren, unverstellten Rauch, der einem auch einige Stunden später noch genüssliche Duft-Flashbacks schenkt. Ein Traum für alle, denen es gar nicht genug Rauch sein kann, dabei niemals aufdringlich oder erschlagend. Da der Rauch hier bereits in nur 5 Jahren zahlreiche komplexe Aromen erschaffen hat, hat der Whisky eine saubere Struktur und es fehlt jede metallene Schärfe, die so jungen Whiskies manchmal anhaftet, nicht jedoch einem so meisterhaft geschaffenen Islay-Tropfen aus Gerste vom schottischen Festland. Wer das ungezähmt Wilde der jungen Inselwhiskies mag, wird besonders auch den Moment lieben, in dem die warme Süße in eine leichte Salzigkeit ausklingt. Etwas ganz anderes ist der

Octomore 7.4 Virgin Oak

Mit 167 ppm Phenolgehalt im Malz und nach 7 Jahren mit 61,2%abgefüllt. Dabei lagerte ein Viertel des finalen Batches den kompletten Zeitraum in „Virgin Oak“, also in zuvor unbenutzten Eichenfässern (Allier-Eiche aus Frankreich), der Rest lagerte überwiegend in Ex-Borbon-Fässern (First-Fill) und nur 2 Jahre mittendrin in „Virgin Oak“. Das Timing ist perfekt: überhaupt keine auch noch so kleine Bitterkeit durch Tannine oder „Vormieter Bourbon“ (und ich bin da extrem sensibel!), aber ein starker aromatischer Fasseinfluss, also ganz viel Vanille und eine weiche Süße überall, und dann natürlich sehr kräftiger, aber nie übertriebener Rauch. Wie schon erwähnt ganz ausgezeichnet geeignet als erster Octomore für Liebhaber von komplexen, sehr reifen Whiskies, da in 7 Jahren noch mehr des Rauchs in die vielschichtigsten Aromen umgewandelt wurde, als beim 7.1 oben. Ein sehr runder und gut trinkbarer „Belohnungs-Whisky“, der am besten mit geschlossene Augen im Sessel genossen wird und für diesen Moment einen unwahrscheinlich langen Abgang hinlegt.

Foto von Laddie09 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Port Charlotte Scottish Barley Heavily Peated

„Den muss man trinken, wenn man die Schatzinsel noch mal liest!“ war mein erster Eindruck. Der Port Charlotte funkelt verheißungsvoll goldgelb im Glas, wie die Dublonen aus Kapitän Flints Schatz, und wenn man die Nase ins Glas hängt, wird man mit einem maritimen Feuerwerk belohnt. Torf mit jodhaltigen Brandungswellen vom Atlantik, Salz, Muscheln, Holz, Leder und Tabak. Long John Silver hätte jetzt schon die Jahresproduktion geordert, ich schnüffele weiter und glaube, Früchte zu erkennen. Vanille. Karamell und Nüsse und – natürlich – jede Menge Rauch. Der erste Probeschluck verblüffte. Obwohl vorgewarnt hatte ich mit soviel Komplexität nicht gerechnet. Als wäre zusätzlich die Sehnsucht des Seemanns nach dem Landgang mit eingewoben worden, Früchte, leicht getoastete Karamellbonbons, ich glaubte auch florale, leicht kräuterige Noten zu entdecken. Der richtig schön lange Abgang brachte dann alle „Darsteller“ aus der Nase und vom Gaumen zur Geltung, Teufelnochmal, da hat man einen Whisky im Glas, mit dem man sich stundenlang beschäftigen kann. Vorausgesetzt, dass man Torf und Rauch mag. Und die Schatzinsel. (den Port Charlotte verkostete Chris Kurbjuhn)

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