[Tipp der Woche] Blaufilter installieren

Foto: pixabay.com, Public Domain

Foto: pixabay.com, Public Domain

Vielleicht habt ihr das neulich auch gelesen: Apple hat ein Betriebssystem-Update herausgebracht, dass eine Funktion namens „Nightshift“ beinhaltet. Im Prinzip ist das nichts weltbewegendes, wenn man Nightshift aktiviert, wird einfach nachts ein gewisser Anteil des blauen Lichts weg gefiltert, was der Bildschirm des iPhones oder des iPads ausstrahlt. Was soll denn der Quatsch, dachte ich mir. Apple meint, dass man besser schläft, wenn man in weniger blaues Licht guckt. Sofort war mir klar: Das ist Voodoo. Irgendein Zeugs für dauerbesorgte Ökotypen, die beim Einkaufen im Biomarkt das Smartphone nehmen, um zu googlen, ob in der aktuellen Mondphase links- oder rechtsdrehender Joghurt bekömmlicher ist. Braucht kein Mensch, diesen Filter! Dachte ich. Ein paar Tage später musste ich feststellen, dass dieser Blaufilter tatsächlich funktioniert.

Wer wie ich den fünfzigsten Geburtstag hinter sich gelassen hat, weiß, wie wertvoll ein tiefer, ruhiger Schlaf ist, den man als junger Mann für selbstverständlich gehalten hat. Da ist man weggeknackt, kaum hatte der Kopf das Kopfkissen berührt. Wenn man älter wird, dauert’s schon mal ein Weilchen, bis man den Kopf frei genug hat, dass man einschlafen kann, und „eine Nacht durchschlafen“ ist auch keine Selbstverständlichkeit mehr. Mit anderen Worten: Um die Qualität meines Schlafs war’s trübe bestellt, und ich hab die Ursachen dafür überall vermutet, nicht aber im Blaulicht von irgendwelchen Bildschirmen.

Beruflich bedingt gucke ich dauernd auf irgendwelche Bildschirme. Ich sitze zehn Stunden am Tag am Schreibtisch und gucke in den Monitor, wie jetzt. Und weil ein Smartphone für mich unverzichtbar ist und ich in Internet und E-Books mache, guck ich auch noch dauernd auf irgendwelche Tablets oder E-Reader oder schau auf meinem Telefon nach, was bei Facebook so läuft. Abends, wenn der PC ausgeschaltet ist, hab ich meistens ein Tablet auf dem Schoß. Schnell noch mal gucken, ob die Mail da ist, auf die man wartet. In der Wikipedia was nachschlagen. Paar Kapitel im aktuellen Schmöker lesen… ihr kennt das. Bei mir fliegen einige Tablets rum, und letzte Woche hab ich eher durch Zufall zwei Tage hintereinander ein iPad mit eingeschaltetem „Nightshift“ genommen.

Man sieht sofort, dass der Filter eingeschaltet ist. Die Farben sind deutlich blasser und gehen ein wenig Richtung Sepia. Da ich zu faul war, in den Einstellungen nach dem Ausschalter zu suchen, lies ich den Filter an. Bildbearbeitung wollte ich nicht machen, und beim Lesen, Surfen und Facebooken stört das nicht weiter, das guckt sich weg.

Nach zwei Tagen mit dem Filter wachte ich morgens auf und stellte verblüfft fest, dass ich in der Nacht nur zweimal wach geworden war. Das war seit Jahren nicht mehr vorgekommen, auch nach massivem Rotwein-Missbrauch nicht. Konnte es wirklich sein, dass der Filter doch funktioniert? Es gab nur einen Weg, um das herauszufinden: Ich hab auf meinem Smartphone, meinem Windows-PC und den Android-Tablets entsprechende Filter installiert und in Betrieb genommen. Gibt’s alles als Freeware, ist also kein Problem und kostet nix.

Leute, was soll ich sagen? Nach fünf Tagen Blaufilter schlafe ich nach subjektivem Gefühl deutlich tiefer und besser, ich habe auch erstmals seit Anno EinundLeipzig eine Nacht komplett durchgeschlafen. Ich weiß wirklich nicht, wann mir das zuletzt gelungen ist.

Mein Fazit: Ich bin normalerweise nicht anfällig für Placebos aller Art und gegenüber derartigen Neuheiten eher skeptisch eingestellt, aber der Effekt dieser Blaulicht-Fitler hat mich umgehauen und meine Lebensqualität kurzfristig deutlich erhöht. Ich kann nur jedem, der bis abends spät auf Bildschirme gucken will oder muss, empfehlen, so einen Filter mal auszuprobieren. Zumal es nichts kostet. Wenn’s jemand von euch ausprobiert, würde ich mich über seine Erfahrungen und Einschätzung in den Kommentaren freuen.

Anhang:
Wer sich dafür interessiert, wie so ’n Filter funktioniert, kann mal in diesen SpOn-Artikel schauen. Wer den Filter gleich ausprobieren möchte:
Filter für den PC: f.lux.
Filter für Android-Smartphones und -Tablets: Twilight.
Wer auf den amazon-Appstore angewiesen ist (also Kollegen, die Kindle-Fire-Tablets haben): Blaulichtfilter.
Wer Applegeräte hat, updatet einfach auf die neueste Version von iOS und aktiviert unter Einstellungen „Nightshift“

Bitte teilt diesen Beitrag:
Markiert mit , , , , , , .Speichern des Permalinks.

5 Responses to [Tipp der Woche] Blaufilter installieren

  1. Ishtar says:

    für OSX gibts‘ f.lux https://justgetflux.com/

    Ist übrigens alles andere als Voodoo, Makuladegeneration kann durchaus auch mit blauem Licht / LED-Nutzung in Verbindung gebracht werden, http://www.reviewofoptometry.com/ce/the-lowdown-on-blue-light-good-vs-bad-and-its-connection-to-amd-109744

  2. Hab auch vor ein paar Tagen den Blaulichtfilter auf Smartphone und Tablet installiert. Auch meine Frau habe ich damit beglückt.
    Der Filter richtet sich nach Sonnenauf und Untergang. Kann man bei Twilight schön einstellen.
    Ich habe für gewöhnlich einen prima Schlaf. Kann schlafen wo ich steh oder lieg.
    Seit dem ich den Filter benutze tun mir meine Augen nimmer so weh.
    Meine Frau ist Nachts nicht mehr so lange wach.

  3. Einer says:

    Für Android gibt’s noch andere gute Lösungen.

    Lux kann nicht nur den Bildschirm rot einfärben, sondern auch die Heiligkeit präziser und wesentlich weiter herunter regeln als mit Bordmitteln.
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.vito.lux

    Vom technischen Ansatz her ist cf.Lumen (vom Hacking-Großmeister Chainfire) die bessere Lösung für Blaufilter, da im Gegensatz zu Twilight oder auch Lux ohne teilweise problematisches Overlay arbeitend.
    https://play.google.com/store/apps/details?id=eu.chainfire.lumen

    Ich liege gerade im Dunklen im Bett. Das Bild ist mit cf.Lumen gerötet, die Helligkeit mit Lux auf minus 65% runtergedreht (normalerweise geht es nicht dunkler als 0%) – himmlisch!

  4. Harald says:

    Ich muss sagen das mir twillight nicht so gefällt. Sieht stark nach overlay aus. Bin mit anderen Apps und vorallem flux zufriedener und hab mir zudem eine Blaufilter Schutzfolie für mein smartphone gekauft. Jetzt kann ich schlafen wie ein baby. Hier bin ich darauf gestoßen http://www.blaulichtfilter.de/

  5. Helen says:

    Sie können über die „Blaue Gefahr“ in Artikel lesen und Video sehen:
    http://mitralicht.de/led-monitor/
    https://www.youtube.com/watch?v=g9oaOhdJ5wo
    Gemäß den statistischen Daten haben die Schlafstörungen ab dem Jahr 2010 um 66% zugenommen. Etwa in dieser Zeit kam es zur aktiven Nutzung von LED-Monitoren.
    Das Spektrum der LED-Hintergrundbeleuchtung moderner Bildschirme enthält eine Blauspitze, die für die Augen sehr schädlich ist.
    Wissenschaftler nennen dieses Problem – „Blaue Gefahr“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.