Von den Lahmen auferstanden – einen Netbook mit Peppermint OS wiederbeleben.

SAMSUNG CAMERA PICTURESVor gut zehn Tagen wollte ich mein Netbook in die Tonne treten. Okay, es ist ein eher betagtes Asus, das ich vor vier Jahren relativ günstig gekauft habe. Es war mit Windows Home 7 gekommen, und schon beim Kauf nicht sonderlich fix gewesen. Nachdem ich die ganzen Asus-eigenen Programme in die Tonne gekloppt hatte, liefen Internet und Libre Office akzeptabel. Mehr brauch ich nicht auf einem Netbook. Seit gut einem Jahr war dann Schluss mit akzeptabel. Das Ding schlich wie eine Rennschnecke. Besonders, wenn Windows im Hintergrund irgendwelche Updates runterlud, war Arbeiten nicht mehr möglich. Minutenlanges Laden irgendwelcher banalen Websites, Writer brauchte ewig zum Speichern eines simplen Dokuments… das machte keinen Spaß mehr. Ich behalf mich damit, am Abend, bevor ich das Ding brauchte, alle Updates zu fahren – was auch ein Welchen dauerte – dann ging es gerade noch so. Aber nee, Spaß machte es nicht mehr.

Weil Windows 10 meinen lahmen Büro-Rechner deutlich flotter gemacht hatte, hoffte ich, dass das bei meinem Netbook ähnlich sein würde. Also schmiss ich es am Sonntag vor zehn Tagen an, lud das Media-Dingenskirchen-Tool von Microsoft und updatete auf Win 10. Das dauerte rasante 5 Stunden und brachte nix. Null. Das Ding war genauso lahm wie vorher, wenn nicht sogar noch lahmer. Frustriert postete ich dieses Ergebnis in die Wochenvorschau, woraufhin sich Carsten meldete und meinte, sein Netbook würde mit Peppermint OS laufen. Einwandfrei. Prima. Schnell. Und kostet nix.

Peppermint OS? Linux? Ist doch nix für mich. Ich hasse Lernkurven. Und diese kryptischen Tastaturbefehle, die man dauernd eingeben muss… Außerdem hab ich keine Zeit, mich in dieses ganze Zeugs einzuarbeiten. Muss man ja doch Fachmann für Dingenskirchen sein, wenn das was werden soll mit dem Linuxkram.

Andererseits, so um die 300 Euro müsste man schon anlegen für ‘n neuen Tragbaren. Könnte man ja jede Menge Bier und fettiges Essen kaufen für die 300 Euro… Und da das Asus-Teil mit Win 10 drauf wirklich komplett unbenutzbar ist… was hab ich eigentlich zu verlieren? Linux, here I come!

Auf der Peppermint-Website steht eine Anleitung, wie man das Betriebssystem auf das Netbook bringt. In Kurzform: ISO-Image runterladen, Integrität der Datei checken (die sind ein bisschen paranoid, die Linuxer) und mit UNetbootin (musste ich auch noch runterladen) das ganze Zeug auf einen USB-Stick packen und den bootfähig machen. War alles in allem ‘ne Sache von nochmal zwanzig Minuten. Stick in den Asus, Neustart, über den Bootmanager den Stick ausgewählt und mutig gleich die Platte geputzt und Peppermint installiert. Das dauerte dann nochmal zwanzig Minuten, ich musste das WiFi-Passwort eingeben und eins für mich kreieren, tja, und dann lief‘s. Flott. Viel flotter als Windows vor 7 vor vier Jahren.

Naja, das will nix besagen. Jetzt musst du dich in diesen Linux-Kram einarbeiten, die ganzen kryptischen Kommandos lernen und eingeben… Musste ich auch nicht. Links unten ist ein Menü-Button, das meiste ist komplett selbsterklärend. Die Dropbox war schon vorinstalliert, musste ich nur noch synchronisieren, über den Software-Manager hab ich mir noch Libre Office und Gimp installiert, fertig. Das dauerte nochmal so zwanzig Minuten, dann konnte ich arbeiten. Ohne Einarbeitungszeit, ohne Lernkurve, einfach so.

Ich war jetzt 4 Tage mit dem auferstandenen Netbook unterwegs. Es hat alles gemacht was ich wollte. Es hat sich nicht geweigert, irgendwas zu tun, was ich wollte. Ich musste nix nachschlagen, weil ich die Software weiter benutzen konnte, die ich auch unter Windows benutzt habe (Gimp, Libre Office gibt‘s sowohl für Win als auch für Linux.). Ich hab durch Zufall festgestellt, dass man sich bei diesem Peppermint OS mit einem Programm namens Ice Web-Applikationen auf den Desktop holen kann. Seitdem kann ich auch Wunderlist, meinen To-Do-Manager benutzen. Bis jetzt läuft das Netbook schneller, als es unter Windows je gelaufen ist. Ich hab immer noch keine Ahnung von Linux. Aber ich krieg langsam Bock, mich mal damit zu befassen.

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8 Responses to Von den Lahmen auferstanden – einen Netbook mit Peppermint OS wiederbeleben.

  1. Carsten says:

    Wenn Du mit dem Libre Office nicht mehr als Good Old Typing Fun machst, könntest Du Dir mal AbiWord als schlanke Alternative ansehen. Gibt es auch für Nüsse im Softwarecenter.

  2. Carsten says:

    Ich meine, Du nutzt ja die Dropbox. Aber wenn Du den Asus eigen Kram nutzen würdest – für den Asus-Webstorage gibt es mittlerweile auch eine Linux-App 😉

  3. Kater says:

    Ja die Netbook’s waren nie für Windows7 gedacht von den Hardwareanforderungen.

    Selbst Windows XP lief damals eher schlecht als recht darauf, aber so ein schön leichtes Linux kann dann schon die Augen öffnen was da so geht, wobei PeppermintOS, welches auf Lubuntu(die leichtgewichtige Variante des Großen „Ubuntu’s“) basiert und zusätzlich Augenmerk auf Cloud-Gedöns legt, noch nicht das Ende der Fahnenstange ist, wenn es um Leichgewichtigkeit geht.

    Im übrigen wird die Integrität des heruntergeladenen Images nicht rein aus Paranoia kontrolliert, sondern um sicherzustellen das alles korrekt runtergeladen wurde, weil UNetbootin (USB-Stick) bzw. der DVD-Brenner die Daten ohne weitere Kontrolle auf die Platte schauffelt, was nur später bei der Installation durch Fehler&sonstige Probleme auffallen würde 🙂

    Die Ubuntu-Betriebssysteme haben noch ein zusätzlichen Unterpunkt (Daten auf Medium kontrollieren) beim booten vom Stick bzw. der DVD, wo dann zusätzlich nochmal geschaut werden kann ob alle Daten i.O sind, keine Ahnung ob das bei PeppermintOS als Ubuntu-Abwandlung auch der Fall ist 🙂

    Natürlich ist es irgendwo auch gut zu wissen, das die dreiziffrigen Behören (aller Wahrscheinlichkeit nach ;-)) nicht am Installationsmedium herumgewerkelt haben 😛

    Nebenbei erwähnt, gibt auch Microsoft für seine Images Hashwerte(md5 oder sha1) an, wobei dort der Punkt mit den dreiziffrigen Behörden gestrichen werden kann 😀 😀

    Gruß

  4. Kater says:

    KLEINER TIPP:

    Falls noch nicht getan, eine kleine SSD (muss nichts teures sein, da geht schon die Variante mit 128gb für ~40-45€) bringt da nochmals mehr als jedes Betriebssystem.

    Wenn man einmal den Unterschied zwischen SSD&HDD gesehen hat, möchte man nie wieder zurück zur HDD als Hauptplatte (die HDD als Datengrab ist bisher nicht zu ersetzen)

    Gruß

  5. Carsten says:

    @Kater Welche leichtgewichtige Distro kannst Du empfehlen?

  6. doofmann says:

    Ich werfe auch immer Dinge in den Müll, die vor 10 Jahren genervt haben, obwohl ich sie erst vor 4 Jahren erstanden habe – sowas nennt man Albtraum oder Wahn – immer soofoort wech damit – und dann zum Doc … !!!

  7. Torsten says:

    @Carsten:
    Leichtgewichtige Linux-Distros sind u.a.
    – Peppermint OS
    – Lubuntu
    – Debian mit LXDE
    – u. U. auch Xubuntu

  8. Torsten says:

    Nachtrag:
    Und das LXLE Linux hatte ich noch total vergessen….;-) Ist nicht so mein Ding, aber jeder so, wie er mag.

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