[Roberts Blu-rays] Red Army – Legenden auf dem Eis: Tiqui-taca

redarmy_coverDie Eishockey-Nationalmannschaft der Sowjetunion war seinerzeit eine der besten der Welt. Sie bestand nahezu vollständig aus Spielern des ZSKA, dem Eishockey-Klub der Roten Armee. Von jung auf diszipliniert und ausgezeichnet durch eine Spielweise, bei der Teamwork und das „Funktionieren im Kollektiv“ im Mittelpunkt standen, galt sie mitten im Kalten Krieg als Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Systems. Als Teil der Propaganda war es die einzige Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slawa Fetissow, der Kapitän, war einer der ersten, die im Zuge der Perestroika von Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf Wohlstand und Freiheit in die USA geholt wurden – ein Wechsel für den er in der Heimat zum politischen Feind deklariert wurde. Doch der Neuanfang im Westen war steinig: Die Spielweise der sowjetischen Athleten schien im amerikanischen System der Stars und Individualisten nicht zu funktionieren …

„Wer hat’s erfunden? Die spanische Fußball-Nationalmannschaft macht mit Tiqui-taca seit 2006 Furore. Das schnelle, ballbesitzorientierte Kombinationsspiel, bei dem jeder Spieler variabel auf allen möglichen Positionen auf dem Feld auftaucht, machte die Iberer 2008 zum Europa- und 2010 zum Weltmeister. Von den Erfolgen des FC Barcelona ganz zu schweigen. Aber, wer hat’s denn erfunden? Luis van Gaal? Vicente del Bosque?
Ich bin mal so frei und sage: Weder noch. Niemand aus dem Fußball. Denn die sowjetische Eishockey-Nationalmannschaft wirbelte schon Ende der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts ihre Gegner derart kunstvoll auseinander, dass die nach dem letzten Drittel nur noch Konten in den Beinen hatten. Fetissow, Makarow, Krutow, Larionow und Kassatonow waren auf ihren Kufen rückwärts schneller als die meisten anderen Profis in der Vorwärtsbewegung.
Was alles an persönlichen Entbehrungen nötig war, um diese Perfektion im Kollektiv zu erreichen, zeigt „Red Army“. Eine Sportdoku, die nicht nur für Eishockeyfans sehenswert ist.

Der von Werner Herzog und Jerry Weintraub koproduzierte Film spiegelt anhand der Geschichte des sowjetischen Eishockey-Teams die soziale, kulturelle und ideologische Entwicklung des Landes – von der Nachkriegszeit über Gorbatschow bis hin zu Putin und Sotschi – und beschreibt eindrucksvoll den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, Kollektivität und Individualität, der in allen Lebensbereichen zu spüren war.

redarmy_01Unumstrittener Mittelpunkt ist die charismatische Eishockeylegende Slawa Fetissow, dessen unglaubliche Biografie vom strahlenden Helden des Sports über den geächteten Landesverräter bis hin zum russischen Sportminister und engen Vertrauten Putins reicht.

Kommentar des Regisseurs
„Red Army“ bot mir die Möglichkeit, meine eigene Herkunft zu erkunden, und gleichzeitig die Rolle, die Eishockey in Kultur und Politik der Sowjetunion spielte, zu untersuchen. Ich bin in den USA geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind aus der Sowjetunion eingewandert und sprachen nur selten über ihre Vergangenheit. Mein erstes Paar Schlittschuhe bekam ich mit sechs Jahren und spielte fortan professionell Eishockey – zuletzt für die Yale- Universität. Der Schwerpunkt lag beim Training immer auf dem Gewinnen, weniger auf der Entwicklung der Spieler. Die Übungen waren sehr eintönig und die Coachs konzentrierten sich nur auf die herausragenden Spieler, die die meisten Tore schossen.

redarmy_02Als ich 13 war, bekam ich einen neuen Coach, der aus der Sowjetunion kam. Seine Trainingsphilosophie und -methoden waren drastisch und ungewöhnlich: wir mussten auf den Händen laufen und Saltos schlagen, Reifen tragen und mit unseren Mitspielern auf dem Rücken laufen.

Vielleicht lag der größte Unterschied darin, dass wir zu mehr Kreativität ermutigt wurden und uns beigebracht wurde, als Einheit zu denken. Kaum jemand in der Chicagoer Hockey-Community nahm unseren neuen Coach ernst. Aber er veränderte meine gesamte Vorstellung von Sport. Ich besorgte mir Aufnahmen von alten Sowjet-Hockeyspielen und was ich sah, öffnete mir die Augen: Die Sowjets bewegten sich wie ein Ganzes, wie eine Einheit, und es sah eher aus wie Kunst als wie ein Spiel. So wollte ich auch spielen!

In Yale studierte ich Politik und Geschichte und erfuhr mehr über die ungewöhnliche Rolle, die Sport in der Sowjetunion spielte. Das Team der Roten Armee wurde als Propagandainstrument benutzt: es sollte die Überlegenheit des sowjetischen Systems unter Beweis stellen. Daher investierte der Staat Unsummen in den Erfolg der Mannschaft. Deren Leben war geprägt von Repression und Leistungsdruck und war somit auch gleichzeitig ein Spiegel der sowjetischen Gesellschaft. Mir wurde klar, dass die Spielweise der Sowjets auch von der kommunistischen Ideologie geprägt war: sie legten keinen Wert auf das Individuum. Helden verdienten genauso viel wie Lehrer. Wichtig war vor allem, seinen Teamkollegen bzw. seinem Land zu dienen. Individualität auszudrücken oder Autoritäten zu hinterfragen, war verboten.

redarmy_03Die heutige russische Führung besteht aus großen Fans des Rote-Armee-Teams und den Spielern selbst. Wenn man die Geschichte des Teams kennt, versteht man viel besser, wer heute in Russland Entscheidungen trifft.

„Red Army“ handelt davon, wie ein unglaublich repressives System eins der größten Eishockeyteams der Geschichte hervorbringen konnte. Der Erfolg ging auf Kosten der persönlichen Freiheit der Spieler. Mit dem Film wollte ich diesem Umstand Respekt zollen und außerdem die Kunst feiern, die in dieser einzigartigen Zeit entstanden ist.
Gabe Polsky

redarmy_05Slawa Fetissow
Wjatscheslaw Alexandrowitsch Fetissow, kurz: Slawa Fetissow, ist einer der meist dekorierten Athleten der Sowjetunion und gilt als einer der besten Eishockeyspieler aller Zeiten. Er war Kapitän der sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft, gewann sieben Weltmeisterschaften, zwei Mal Olympisches Gold und drei Stanley Cups. Er spielte zwei Mal im All-Star-Team der NHL und neun Mal in dem der UdSSR. Er ist einer von sechs Spielern, die in das Jahrhundert-All-Star-Team der International Ice Hockey Federation gewählt wurden. 2001 wurde er in die Hockey Hall of Fame aufgenommen.

redarmy_04Ab Mitte der 1980er Jahren trug Fetissow maßgeblich dazu bei, dass sowjetische Athleten auch im Ausland spielen durften. Er war der erste sowjetische Bürger, dem es durch ein Visum ermöglicht wurde, in den USA zu spielen. Fetissows Bemühungen ebneten den Weg für tausende sowjetische und europäische Spieler, in den USA Hockey spielen zu können.

redarmy_06Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere begann Fetissow eine politische. Von 2002 bis 2008 war er russischer Sportminister und spielte eine bedeutende Rolle bei der erfolgreichen Bewerbung Sotschis für die 22. Olympischen Winterspiele. Fetissow ist seit 2005 Vorsitzender der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Seine Ämter als Vereinspräsident des Eishockey-Klubs HK ZSKA Moskau sowie als Vorstandsvorsitzender der Kontinentalen Hockey-Liga legte er 2012 nieder, um sich vollständig auf die Politik zu konzentrieren – heute ist er ein bedeutendes Mitglied des Föderationsrates.

Die Blu-ray ist technisch auf aktuellem Stand. Das Bild ist, auch bei Großprojektion, scharf, und kontrastreich – bei den aktuell gedrehten Szenen. Ansonsten merkt man den Aufnahmen deutlich an, dass sie zum Teil einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben und größtenteils entweder fürs Fernsehen produziert wurden oder sogar aus privaten Archiven stammen. Der Ton unterstützt die Atmosphäre sehr gut.

Gewinnspiel
Es gibt eine Blu-ray Disc™ „Red Army – Legenden auf dem Eis“ zu gewinnen. Gebt einfach einen Kommentar zu diesem Posting ab, in dem ihr das Eishockeyspiel nennt, das Euch am meisten begeistert hat! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieses Spiel so fasziniert hat.

Dazu habt ihr bis zum 15.09.2015 bis 24.00 Uhr Zeit, dann schließen wir die Kommentare. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von nassrasur.com dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

redarmy_cover_2dWeltkino Filmverleih GmbH präsentiert „Red Army – Legenden auf dem Eis“ auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD im Vertrieb von Universum Film. Eine zusätzliche DVD im hochwertigen Digipak ist bei Zweitausendeins erhältlich.
Das Rezensions- und das / die Verlosungsexemplar(e) wurden von Weltkino Filmverleih GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Red Army
Land / Jahr: USA / 2014
Genre: Dokumentation
Darsteller: Slawa Fetissow, Sergej Makarow, Wladimir Krutow, Igor Larionow, Alexej Kassatonow u.a.
Regie: Gabe Polsky
Drehbuch: Gabe Polsky
Produzent: Gabe Polsky
Ausführende Produzenten: Jerry Weintraub, Werner Herzog, Liam Satre-Meloy, Sean Carey
Kamera: Peter Zeitlinger, Svetlana Cvetko
Schnitt: Eli Despres, Kurt Engfehr
Musik: Christophe Beck, Leo Birenberg, Mary Ramos
FSK: 6

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 85 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat: DTS HD Master Audio 5.1, Stereo DTS-HD Master Audio
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews mit Wladimir Krutow, Wladimir Posner, Scotty Bowman sowie spanendem Behind the Scenes Material, Deleted Scenes uvm. Alles komplett deutsch untertitelt; Wendecover

Webseite zum Film: Red Army – Legenden auf dem Eis

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren. In “Roberts Blu-rays” stellt er in unregelmäßiger Reihenfolge Neuerscheinungen vor, die vielleicht interessant für euch sind.

Markiert mit , , , , , , .Speichern des Permalinks.

One Response to [Roberts Blu-rays] Red Army – Legenden auf dem Eis: Tiqui-taca

  1. Avatarplatzger says:

    ganz klar das „Miracle on Ice“. Die amerikanischen Collegeboys gegen die unschlagbaren Sowjets. Obwohl ich insgeheim die Russen für ihr vollkommenes (vor allem im Powerplay) Spiel bewunderte, wuchs man doch im Gedanken auf, dass die Russen die Bösen sind…..