Das Hartwig-Prinzip

Foto: pixabay.com, Public Domain

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Ich habe mal in einer Tennismannschaft gespielt, in der Hartwig Kapitän wurde. Eigentlich waren wir als Mannschaft weder richtig gut noch richtig schlecht. Und Hartwig hatte nichts von dem, was man vom Kapitän einer Tennismannschaft erwartet. Er kam grundsätzlich auf den letzten Drücker, musste immer erst mal nachschlagen, wo denn genau das Auswärtsspiel stattfindet, verbummelte die Spielberichtsformulare und hatte – vor allen Dingen – von Tennis-Taktik keine Ahnung. Trotzdem spielten wir dank Hartwig eine Saison, die keiner von uns vergessen wird.

Im ersten Spiel von Hartwigs Kapitäns-Saison trafen wir auf einen leichten Gegner und gewannen locker 7:21. Eigentlich hätten wir 9:0 gewonnen, aber Hartwig hatte sich zu zwei Spielern, bei denen es vielleicht ein wenig eng hätte werden können, auf die Bank gesetzt und sie mit seinen Taktik-Tipps vollkommen konfus gemacht und aus dem Match gecoacht.

Im zweiten Spiel standen wir vor einer deutlich schwereren Aufgabe, unsere Gegner waren deutlich stärker. Ich hatte Glück, ich spielte gegen einen Linkshänder, und gegen Linkshänder spiele ich eigentlich gerne. Wie bei vielen Linkshändern hatte der eine solide Rückhand, mit der er praktisch alle Bälle zurückbrachte, dafür machte er mit seiner Vorhand öfters Fehler, ich spielte also bevorzugt Longline, gewann den ersten Satz 6:4 und führte im zweiten Satz 2:1. Als ich bei diesem Spielstand zum Seitenwechsel zur Bank kam, saß Hartwig drauf.

„Wird’s eng bei dir?“
„Nee. Den hab ich im Griff. „
„Ich hab gesehen, du spielst ihm dauernd auf die Vorhand. Spiel lieber auf Rückhand.“
„Nee. Mit der Vorhand macht er Fehler.“
„Spiel ihm auf Rückhand, sonst kommt er noch zurück ins Match.“

Was natürlich eine vollkommen idiotische Äußerung war. Über die ich Vollspaten  prompt nachdachte und dabei mein Aufschlagspiel verlor. „Spiel ihm endlich auf die Rückhand!“, rief Hartwig mir zu und verunsicherte mich noch mehr. Schließlich verlor ich komplett meine Linie, den zweiten Satz und das Match. Das Mannschaftsspiel gewannen wir trotzdem denkbar knapp im letzten Doppel mit 5:4. Gerade noch mal gut gegangen.

Vor dem nächsten Mannschaftsspiel nutzten wir Hartwigs übliche Verspätung aus, um uns abzusprechen: „Ab jetzt spielt jeder von Anfang an hochkonzentriert. Jeder versucht möglichst früh und möglichst hoch in Führung zu gehen. Hartwig darf auf keinen Fall auf den Platz kommen und coachen.“

Das klappte in den verbleibenden fünf Spielen der Saison erstaunlich gut. Es gelang uns, ihn von unseren Plätzen fernzuhalten und so seinen selbstmörderischen Taktik-Tipps auszuweichen. Wir stiegen schließlich auf, womit keiner von uns gerechnet hatte. Hartwig bekam als Dank von seiner Mannschaft eine schöne Flasche Single Malt. Ohne ihn hätten wir den Aufstieg niemals geschafft, das war uns allen klar. Außer, vielleicht, hartwig.

Ich überlege seitdem, seinen Führungsstil als Management-Tool auszugeben und mit Seminaren über „Das Hartwig-Prinzip“ ein Vermögen zu verdienen.

  1. Bei den Verbandsspielen der Tennsivereine treten zwei Mannschaften mit je sechs Spielern gegeneinander an. Es werden sechs Einzel und drei Doppel gespielt.
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2 Responses to Das Hartwig-Prinzip

  1. Robert says:

    Ich überlege seitdem, seinen Führungsstil als Management-Tool auszugeben und mit Seminaren über „Das Hartwig-Prinzip“ ein Vermögen zu verdienen.

    Da bist Du zu spät dran, lieber Chris. Mutti regiert uns so seit Jahren… Leider ohne den Erfolg der Mannschaft dahinter.

    Ergo:
    1.) Es ist schon bekannt
    2.) Es funktioniert nicht immer…

  2. Nuja, da seh ich aber schon einige Unterschiede zwischen Mutti und Hartwig. Mutti hat im Gegensatz zu Hartwig gewisse Kompetenzen, sie ist zumindest die beste Strippenzieherin in der deutschen Politik seit Helmut Kohl.
    Und das ein Minister versucht hätte, ihr Einschreiten zu verhindern, weil sie’s verbocken könnte, ist mir so nicht erinnerlich.
    Das Hartwigprinzip ist tatsächlich leadership by incompetence.

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