[Buchbesprechung] „Eat“ – Kochen mit dem Nigel-Kick

Letzte Woche habe ich einen kleinen Traum begraben: den, einmal selbst ein Kochbuch zu schreiben. Ein Buch mit unkomplizierten Zubereitsungsarten. Mit Gerichten, für die man sich nicht lange in die Küche stellen muss. Was Undogmatisches, wo nicht das Nachklappern irgendwelcher Rezepte im Mittelpunkt steht, sondern die Köche zum Freestyle-Kochen animiert werden.

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Der Grund, warum dieser Traum ausgeträumt ist, heißt Nigel Slater. Der hat dieses Buch vor mir geschrieben. Und viel, viel besser, als ich es jemals hätte schreiben können. Wenn ihr euch in den nächsten Monaten oder Jahren nur ein Kochbuch zulegen wollt, dann greift zu »Eat – Das kleine Buch der Fast-Food-Küche«. Schon auf dem Cover werden euch mehr als 600 Rezepte versprochen, in Wirklichkeit sind es wesentlich mehr. Möglicherweise reicht dieses Buch sogar ein Kochleben lang.

Das liegt an der Art und Weise, wie Slater seine Art Des Kochens vermittelt. Da wird euch nicht hochtrabend die Welt der Kulinarik erklärt, da müsst ihr nicht mit der Digitalwaage 75g schlonz-Graupen abwiegen, da werdet ihr auch nicht erst zum Einkaufen geschickt – wie z. B. In diesem Blog hier – nein, Slater nimmt einen mit in seine Küche, guckt da, was noch da ist und zaubert aus dem, was er vorfindet, im Handumdrehen ein Gericht, das man sofort nachkochen möchte. Und nicht nur eins, zu beinahe jedem Gericht (eins pro Doppelseite) bietet Slater Variationen und ähnliche Rezepturen mit anderen Zutaten an.

Und beim Nachkochen merkt man, dass Slater als echter Mann in der Küche steht. Da gibt es keine gekünstelten Verzierungen, keine filigranen Spielastiken, hier wird einfach gekocht, ohne simpel zu sein, der direkte Weg zu maximaler Sättigung bei maximalem Genuss gewählt.

Was Slater aus dem Ärmel schüttelt, dass ich schon beim Lesen neidisch auf seine Kreativität werde: das (Neu-)(Er)Finden von Kombinationen bekannter Zutaten, dass man sich vor die Stirn schlägt und ruft »Natürlich! Nur so!« Z.B. kreiert er einen Auflauf aus zwei Sorten Fisch und Garnelen, Sahne und Kapern (keine Panik, ausführliches Rezept liefere ich nach) und versteckt ihn unter einer Knusperhaube aus Semmelbröseln, Zitronen-Abrieb und Dill. 99Kommaperiodeneun Prozent der Köche wären jetzt schon giga-zufrieden, nicht aber Slater, der noch eine entkernte, kleingewürfelte Salatgurke unter das Fischzeugs mengt, und so für den erfrischenden Kontrast sorgt, der den einzigartigen »Nigel-Kick« gibt.

Man merkt, ich bin einigermaßen euphorisch über dieses Buch, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich letzte Woche ein paar Rezepte daraus nachgekocht habe. Daran will ich euch teilhaben lassen, deshalb poste ich hier im Blog in den nächsten paar Tagen/Wochen meine Nachkoch-Bemühungen: Slaters Lieblings-Sandwich, Entenbrust mit Bohnen (ein Klassiker!), Steak-Sandwich, Fisch unter der Kruste, ihr könnt euch auf was freuen.

Slaters Lieblingssandwich: Huhn, Salat, grüner Spargel, Frühlingszwiebeln, Kräutermayo...

Slaters Lieblingssandwich: Huhn, Salat, grüner Spargel, Frühlingszwiebeln, Kräutermayo…

Und zu kritisieren gibt‘s nix? Doch, einiges. Das soll nicht verschwiegen werden. Erstens wäre da der Untertitel: »Das kleine Buch der Fast-Food-Küche«. Okay, irgendwie ist das die korrekte Übersetzung von »The little book of fast food«, nur lässt sie vollkommen Slaters Ironie außer Acht. Es geht ihm ja gerade um die Anti-These zu allem, was wir gemeinhin unter »Fast Food« verstehen, Slater‘s Küche ist schnell Gerichte, aber das Gegenteil von Fast Food. Und dann sind da noch einige Unschärfen bei den Zutaten bzw. der Übersetzung. Der Kenner stutzt wegen der reichhaltige Verwendung von Creme Double, zumal die auch m. W. in britischen Küchen kein Standard-Ingredient ist. Wohl aber die Clotted Cream, die hierzulande nicht zu bekommen ist. Im Prinzip ist Creme Double ein guter Ersatz, nur kann man sie – wie in einigen Rezepten gefordert – im Gegensatz zur Clotted Cream nicht steif schlagen. Holt man sich nur einen Tennisarm bei. Und das ist kein Einzelfall. Ich bin mir nicht sicher, ob bei einigen Rezepten die geforderten Senfkörner nicht im Original das Colman‘s Senfpulver ist, dass man im UK in jedem Supermarkt kaufen kann.

Womit wir bei der nötigen Warnung wären: Slaters Buch ist nix für Koch-Anfänger. Es ist eine tolle Einführung in die Kunst des kreativen Free-Style-Kochens, aber über gute Grundkenntnisse in Warenkunde und den klassischen Zubereitungstechniken sollte man schon verfügen. Mengenangaben sind – wenn überhaupt vorhanden – eher ungefähr, Garzeiten ähnlich und die ein oder andere exotische (oder englische) Zutat, die Slater verwendet, wird man nachschlagen müssen, wenn man sie nicht kennt.

SAMSUNG CAMERA PICTURESGenug gewarnt, zurück in die Euphorie. »Eat« ist für mich jetzt schon das Kochbuch des Jahres, ich lege es jedem Kerl, der sich gern an den Herd stellt, ans Herz, dicke Empfehlung für euch.

Und ein Exemplar des Buchs verlosen wir ab sofort an euch. Wer aus »Eat« kochen will und kein Geld dafür hinlegen mag, gibt einfach unter diesem Artikel einen Kommentar ab. Dafür habt ihr bis zum 30.4. zwölf Uhr mittags Zeit, dann machen wir die Kommentare dicht und losen. Mitarbeiter von nassrasur.com dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Und letztlich bin ich gar nicht böse drum, dass ich das Kochbuch nicht mehr schreiben muss. Kann ich öfters in die Küche gehen. Schnell ‘ne Kleinigkeitaus dem Slater-Buch kochen. KüBi trinken…

Nigel Slater  – „Eat – das kleine Buch der Fast-Food-Küche“
DuMont Buchverlag
464 Seiten, gebunden, mit Fotos
978-3832194895
24,99 €

Disclaimer: Wir bedanken uns beim DuMont Buchverlag, der uns Rezensions- und Verlosungsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Update: Einsendeschluss, wir haben gelost, Thea hat das Kochbuch gewonnen und wurde per Mail benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch, wir danken allen Teilnehmern fürs Mitmachen!

 

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17 Responses to [Buchbesprechung] „Eat“ – Kochen mit dem Nigel-Kick

  1. AvatarThea says:

    Ja, ja, ja, auch wenn ich kein Kerl bin: Seit geraumer Zeit, erst recht nach dieser Besprechung, trage ich mich mit dem Gedanken…
    Clotted Cream, ich liebe sie, gibt es hier in Berlin nicht nur im Luxuskaufhaus zu luxuriösem Preis, sondern etwas günstiger bei „Broken English“ in Kreuzberg oder in der Charlottenburger Leonhardtstraße. Von den vielen inzwischen existierenden Online-Läden mit britischen Produkten möchte ich gar nicht sprechen.
    Zum Zweifel an Senfkörern oder Coleman’s: Ich denke, dass auch Mr. Slater inzwischen doch eher echte Senfkörner benutzt.
    Danke für’s Appetitmachen.

  2. Ich habe nichts gegen Coleman’s einzuwenden! Das ist Kult und man bekommt es in guten Kaufhäusern und braucht es auch — genau wie das EL AVION Pimenton (geräuchertes, scharfes Parikapulver) — regelmäßig für die Kollegen hier, kann ich nur empfehlen (der Rosmarin in unserem Garten ist auch schon wieder erntebereit):

    http://topf-und-loeffel.de/rezept/frikadellen/

  3. AvatarOachkatz says:

    Nein, ich bin kein Kerl. Und ja, ich habe letztens noch gesagt, dass Slater nicht so mein Ding ist. Seither habe ich mehrfach den ganz dicken Wälzer in der Hand gehabt und ich fühle mich doch außerordentlich angesprochen vom Slater-Stil. Und außerdem kann ich meine Meinung doch auch mal ändern, wenn Du einem den Mund so wässrig machst. Ich will’s haben, so oder so.

  4. Avatarjojo_action says:

    Es hört sich alles sehr gut an. Zeit, es mal auszuprobieren…

  5. AvatarPeter says:

    Nigel Slater ist top – sein Leben ist auch in einem Art Comedy verfilmt worden. Nicht verpassen – auch wenn ich jetzt nicht auf die Name komme 🙂 Ich habe sein Huhn mit Pesto und Mozzarella bereits öfters für meinen Gäste aus Holland gekocht – immer ein Erfolg. PS hat Nassrasur noch Roshaar Pinsel?

    • Hallo Peter,
      völlig OT: nein, wir haben uns von den Pferdchen verabschiedet, waren uns nicht haltbar/praxistauglich genug. Beim Kreisen im Gesicht kam es zu leicht zum Umknicken/Brechen von Haaren. Schreib mir ‚mal direkt, dann empfehle ich Dir gerne etwas!

  6. AvatarAldres says:

    @Peter Die Biografie heißt „Toast“. Und obwohl ich schon eine kleine Slater-Sammlung habe. „eat“ würde ich auch nehmen.

  7. AvatarPaul says:

    Neue Rezepte zum Ausprobieren sind immer gut oder wenn einem mal etwas an Inspiration fehlt 🙂

  8. AvatarSilvio says:

    Interessantes Buch.
    Kochen kann ich, verbessern kann man sich immer…
    Her damit! 😉

  9. Pingback: [Männeressen] Nigel Slaters Lieblings-Sandwich | Männer unter sich

  10. AvatarGabi says:

    Das ist mein Mann! Gucken, was im Kühlschrank oder in der Speisekammer weg muss und was Köstliches draus zaubern. Genau meine Vorgehensweise, weil ich nicht für jede Zutat einen Laden aufsuchen will. Und die englische Küche ist viel besser als ihr Ruf!

  11. AvatarBasso says:

    Kochen geht immer, das Buch klingt interessant für mich als nur Hobby-Koch fordernd – haben wollen

  12. AvatarAntiom says:

    Als Freund der experimentellen Nutzung aller verwertbaren Restbestandteile des Kühlschrankes kann man hier sicher noch auf einige tolle Ideen gebracht werden. Ich würde mit großem Interesse mal durch ein Exemplar dieses Buches blättern.

  13. AvatarMirco says:

    Das kommt sooooo oft vor, dass Reste im Kühlschrank vorhanden sind…
    Würde mir seine Ideen gerne mal durchlesen…

  14. Pingback: Männeressen: Überbackener Fisch mit Gurke - nach Nigel Slater | Männer unter sich

  15. AvatarAnna says:

    Ich bin eine chaotische Köchin und würde mich über das Buch sehr freuen.

  16. AvatarKarsten Gerber says:

    Ich bin ein leidenschaftlicher Hobbykoch in freue mich stets über neue Impulse. Deswegen würde ich mich über den Gewinn des Buches sehr freuen. MfG Karsten Gerber