Buchbesprechung: Geiler Krach – „Fuckin Sushi“ von Marc Degens

SushiLeute, wenn ihr früher als Jungs mal in einer Band mitgespielt und so richtig geilen Krach gemacht habt, lest unbedingt dieses Buch. Auch wenn ihr nur in der gleichen Klasse wie so ein Typ wart oder jemanden kanntet, der in so einer Band gespielt und richtig geilen Krach gemacht hat, lest dieses Buch. Und wenn ihr vielleicht einen Sohn habt, der in das Alter kommt, wo er sich eine Gitarre, einen Bass oder ein Schlagzeug wünscht, weil er in einer Band spielen und richtig geilen Krach machen möchte, lest »Fuckin Sushi« von Marc Degens und borgt es dann eurem Sohn.

Wer jetzt denkt, dass der Buchtitel »Fuckin Sushi« vielleicht gleichzeitig der Name einer Band ist, liegt vollkommen richtig und hat die Eignungsprüfung für den Leistungskurs Deutsch bestanden: Fuckin Sushi wird von Basser Niels und Gitarrist und Sänger René gegründet, die sich bei einem Straßenkonzert vor Heinos Café in Bad Münstereifel musikalisch gefunden haben. Fuckin Suhsi spielen irgendwas zwischen Punk und Thrash Metal, die Titel sind ausnahmslos sehr lang (Niels findet alles unter zehn Minuten nichtssagend) und heißen wie bekannte Fernsehsendungen (»Promi Shopping Queen«). Als Drummer Lloyd, der über ein Auto und einen Übungsraum verfügt, zu Fuckin Sushi stößt, gerät die Band in die Erfolgsspur. Und mit Nino, die die Jungs bei einem Benefizkonzert für Bundeswehrangehörige (!) kennenlernen, als Keyboarderin geht die Band beinahe durch die Decke: triumphale Konzerte in Underground-Clubs und ein viral gehendes Video mit über vierhunderttausend Klicks führen zu einer Tournee mit drei Stationen und dem Anfang vom Ende der Band: Eifersüchteleien und Größenwahn gibt‘s nicht nur an der Spitze der Charts sondern auch ganz unten, und am Ende sitzt Niels alleine in New York und schreibt die Geschichte der Band auf. Während René, Lloyd und Nino unter neuem Namen (»Telekong«) weiter unterwegs sind…

»Fuckin Sushi« ist einer der schönsten Coming-of-Age-Romane, die ich in den letzten Jahren lesen durfte, und das hat mehrere Gründe. Zum einen verfügt Marc Degens über einen immens lakonischen Humor, und mit dem hat er seine Protagonisten ebenfalls reichlich ausgestattet. René und Niels sind große Sprücheklopfer vor dem Herren, was Degens mit zahlreichen Slapstick-Szenen konterkariert, in denen seine Protagonisten einem Härtetest unterzogen werden: Ob ein Penis-Abdruck-Set aus dem Internet getestet wird oder ein Playback-Künstler namens »Der Pornist« im Vorprogramm der Band auftritt, es gibt reichlich was zu lachen in Degens Buch, ohne dass er seine Helden der Lächerlichkeit preisgäbe. Degens erzählt seine Geschichte ehrlich, mitreißend und unglaublich authentisch. Alle paar Kapitel lässt man das Buch sinken und denkt – je nach Alter – »Ja, so ist das heute.« oder »Ja, so war das damals.« In »Fuckin Sushi« finden sich die jungen Himmelsstürmer genauso wieder wie die alten Säcke. Was für ein toller Road-Trip, was für ein geiler Krach, was für ein tolles Buch!

Marc Degens: Fuckin Sushi
320 Seiten
Hardcover: ISBN 978-3-8321-9747-6
19,99 €
e-Book: ISBN 978-3-8321-8851-1
14,99 €

Zum Buch gibt’s ein sehr schön gemachtes tumblr-Blog: http://fuckinsushi.tumblr.com/

Disclaimer: Wir haben vom Dumont Buchverlag ein Rezensionsexemplar erhalten, wir bedanken uns herzlich. Auf den Inhalt unserer Besprechung wurde kein Einfluss genommen.

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