[Movember] 12 Tage, die die Welt noch nicht erschütterten

Schnurr6

12. November, die Halbzeit von Movember ist in Sicht, der Schnurrbart sprießt… aber ein Mittel, um mit anderen Menschen – insbesondere Männern – ins Gespräch zu kommen, um Männergesundheit und die Krebsvorsorge zu promoten, ist der wachsende Schnurrbart hierzulande vermutlich nicht.

Ich jedenfalls bin in den vergangenen 11 Tagen haargenau einmal auf meinen Schnurrbart angesprochen worden. Und zwar von meinem Freund Harry, den ich einmal pro Woche zum Skatspielen treffe. „Wird das ein Schnurrbart? Ich denke, du hasst es, unrasiert zu sein?“, hat Harry gesagt. Und mit Krebsvorsorge muss ich Harry nicht kommen, damit hab ich ihn über die Jahre schon dermaßen zugetextet, der ist kur davor, tatsächlich hinzugehen, nur damit ich endlich Ruhe gebe.

Ansonsten ist mein wachsender Schnurrbart als Small-Talk-Opener ein Flop. Im Supermarkt, beim Backshop, in der Ausnüchterungszelle… überall wo ich regelmäßig hinkomme und die Leute mich kennen, wird er hartnäckig ignoriert. Er wird schon wahrgenommen, das merk ich an den hochgezogenen Augenbrauen oder dem ein oder anderen verstohlen-ratlosen Blick („Ist er verrückt geworden? Sieht doch unmöglich aus…“), aber dann offenbart sich der grundlegende Mentalitätsunterschied zwischen verschiedenen angelsächsischen Ländern und Deutschland: Der offene, pragmatische Australier beispielsweise (Movember wurde in Australien erfunden) spricht etwas, das ihm seltsam vorkommt, sofort an, der Smalltalk-süchtige Ire benutzt jeglichen noch so geringen Anlass für ein Schwätzchen… und wir Deutschen halten die Klappe. Grundsätzlich. Könnte man sich ja irgendwie ins Fettnäpchen setzen, wenn man was sagt.

Wie dem auch sei: Kann ja nicht sein, dass der ganze Movember-Kram scheitert, nur weil mich niemand auf meine Rotzbremse anspricht. Deswegen habe ich mir vorgenommen, etwas offensiver auf die Mitmänner zuzugehen, und heute, hier im Blog, in diesem Artikel fange ich an.

Hodenkrebs. Eklig. Fies. Böse. Soweit die schlechte Nachricht, die gute ist: Vorsorge könnt ihr beinahe komplett selbst machen. Wobei ab dem Alter von 35 Jahren ein Besuch beim Andrologen, also beim Männerarzt, sicherlich nicht schadet, im Gegenteil. Kollegen, bitte, nehmt euch fünf Minuten und lest dieses Interview. Tut nicht weh. Genausowenig wie der Gang zur Vorsorge. Danke für die Aufmerksamkeit und das Verständnis.

Nachtrag: Nicht auf den Schnurrbart ansprechen stimmt nicht mehr ganz. Ich habe obiges Foto (selbstverständlich mit einem Hinweis auf Movember) bei Facebook gepostet. Es dauerte nur Augenblicke, bis mein lieber Freund Rüdiger Rudolph einen Claus-Weselsky-Vergleich anbrachte.

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2 Antworten zu [Movember] 12 Tage, die die Welt noch nicht erschütterten

  1. AvatarAchim sagt:

    Die Vorsorgeuntersuchung, sprich die an mir vorgenommen Darmspiegelung war insofern unangenehm, als ich einen Tag vor der Untersuchung literweise ein in Wasser aufgelöstes Pulver trinken mußte. An diesem Tag konnte ich alle Verabredungen canceln. Aufgrund der Vollnarkose habe ich von der Untersuchung nichts mitgekriegt.

    Meine Frau Mutter ist in diesem Jahr an Darmkrebs verstorben. Eine bittere und lange Krankengeschichte.

    Ich meine mich zu erinnern, daß der im letzten Jahr an Krebs verstorbene Dichter Horst Tomayer seinen Lesern und -innen, die sich in einer deprimierten Verfassung befinden, empfahl, sich zur Untersuchung auf eine schwerwiegende Erkrankung in ärztliche Fürsorge zu begeben. Sollte sich herausstellen, das nichts zu finden ist, hat man Grund genug, den Tag heiter anzugehen.

    Der Schnauzbart, ich finde, er steht Dir.

    Herzliche Grüße nach Berlin.

    • Ich hab bisher drei Darmspiegelungen hinter mir, unangenehm war nur der Dünnpfiff bei der Darmreinigung vorher. Und den nehm ich gern in Kauf, um mich irgendwie vor dieser Scheiß-Krankheit zu schützen.
      Tomayer hat recht.

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