Fußball-perückt – eine kleine Geschichte der Fankostüme

Foto "Mit Hut am Spielfeldrand" von dok1 under CC-BY 2.0

„Mit Hut am Spielfeldrand“ – Foto: dok1 under CC-BY 2.0

Was ist für Fußball-Fans extrem ungewohnt, wenn sie sich Bilder vom WM-Finale 1954 anschauen? Dass Deutschland einen WM-Titel gewinnt? Die fehlende Bandenwerbung? Kein »Slippery Sepp« Blatter auf der Ehrentribüne? Mag alles sein, aber das wirklich ungewohnte für das Fan.Auge von heute ist, dass kein Zuschauer im Stadion Fan-Kleidung trägt. Gut, dass die Mehrzahl der Zuschauer in durchnässten Trenchcoats und Hüten auf dem historischen Film-Material zu sehen sind, mag dem »Fritz sei Wetter« geschuldet gewesen sein, aber wenn wir uns andere Tribünenfotos aus der damaligen Fußballzeit ansehen, sehen wir weder Kutten noch Perücken sondern… Anzüge! Krawatten! Alter, im Anzug mit Kulturstrick zum Fußball? Wie krass ist das denn?

Nun, damals ging Mann zum Fußball, wie er sich auch sonst in der Öffentlichkeit zeigte: feingemacht. Ohne Krawatte wagte sich damals kaum ein Mann auf die Straße. Auch der einfache Arbeiter, der zum Fußball ging, zog ein Sakko an und band die Krawatte um, wenn‘s ins Stadion ging: Man war ja wer und wollte in der Öffentlichkeit was hermachen.

Fans heute - Foto: René Stark CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0, via Wikimedia Commons

Fans heute – Foto: René Stark CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0, via Wikimedia Commons

Den Anpfiff für farbenfrohe Fan-Zeiten auf den Tribünen verdanken wir »World-Cup Willie«. World-Cup wer? World-Cup-Willie war das erste WM-Maskottchen überhaupt, ein kleiner, selbstbewusster Löwe, der ein aus der englischen Flagge gewirktes Hemd trug und die WM 1966 in England bewarb. Und damit war Willie auch Geburtshelfer der Milliarden-Industrie »Fußball-Merchandise«, denn er war der erste Fußballheld, der in großer Auflage auf T-Shirts gedruckt wurde.

Von dem reichhaltigen Fanbekleidungs-Angebot unserer Tage war man damals allerdings noch Lichtjahre entfernt. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis Vereine und Verbände z. B. den Verkauf von Fan-Artikeln und Trikots als lukrative Einnahmequelle entdeckten. Deshalb war die Fantasie der Fans gefordert. Bei der 70er WM fing es dann so langsam an: Minuten lang zeigte die Sportschau Bilder von »verrückten Schlachtenbummlern« die sich tatsächlich Sombreros aufgesetzt hatten. In Mexico! Muss man sich mal überlegen. Und während wir hierzulande noch den Kopf über solche Tollkühnheiten schüttelten, schlugen Brasiliens Fans schon längst die Samba-Trommeln auf den Tribünen und kleideten sich, als ginge es in Rio zum Karneval.

Ein weiter Weg von Schlips und Kragen - Foto: kostüme.com

Ein weiter Weg von Schlips und Kragen – Foto: kostüme.com

Es sollte noch lange Jahre dauern, bis auch auf Europas Tribünen Karneval gefeiert wurde. Bahnbrechend waren die Holländer, die bei der EM 1988 ihr Team mit orangefarbenen Kostümen und Ruud-Gullit-Perücken zum (einzigen) internationalen Titel pushten.

Wo der Fan früher noch – mit oft eher rührenden Resultaten – selbst Hand anlegen musste, um sich mit Kostüm und Requisiten auszustatten, steht heute eine ganze Industrie Perücke bei Fuß, um demjenigen, der sich zu seiner Mannschaft bekennen will, die Auswahl so schwer wie möglich zu machen. Die Fans sind vom regenüberströmten Trench im Wankdorf Stadion bis zur schwarzrotgoldenen Perücke, von der Gummiball-Hupe bis zur Vuvuzela einen weiten Weg gegangen. Und das bunte, fantasievolle Bild, das heutzutage die Tribünen der WM-Stadien bieten, möchte wohl niemand mehr gegen die überkorrekten Schlips-und-Kragen-Zeiten eintauschen. Gut so!

Solltet ihr auch noch auf der Suche nach ein paar ausgefallenen Fanartikeln sein schaut doch mal hier vorbei.

Dieses Posting entstand mit freundlicher Zusammenarbeit und Unterstützung von kostüme.com.

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