Respekt!

Gestern abend hab ich in einem Kurz-Kommentar zur Uli- Hoeneß-Geschichte noch empfohlen, abzuwarten und die Klappe zu halten. Dass es nur gute zwölf Stunden dauern würde, dass ich meine Entscheidung bestätigt sehe und dieselbe einkassieren kann, damit habe ich wirklich nicht gerechnet, als ich das schrieb: Uli Hoeneß hat seine Anwälte zurückgepfiffen, legt keine Revision ein, legt alle Ämter nieder und tritt seine Haftstrafe an.

Also reiße ich meine Klappe wieder auf, nur um zu sagen: Respekt, Uli Hoeneß! Und schon ist die Klappe wieder zu. Mehr muss heute nicht gesagt werden.

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11 Responses to Respekt!

  1. AvatarT. Hausen says:

    Naja, konkret kann auch St. Adelheim für Ulrich H. recht komfortabel werden: bei „guter Führung“ 21 Monate, weil Ersttäter offener Vollzug, und nach eijn paar Monaten könnte er auch „Heimschläfer“ an Wochenenden werde, alles wegen der „Resozialisierung“. H. verzichtete nicht als Held wie Sie meinen auf die BHG-Revision, sondern befürchtete die der Staatsanwaltschaft mit höheren Annahmechancen … und vergessen Sie bitte nicht. Höchststrafe sind im Fall H. 10 Jahre. Insofern war der Antrag der Staatsanwaltschaft auf 5 1/2 auch noch moderat und die 3 1/2 des Urteils noch moderater.

  2. M. W. ist mit Hoeneß‘ Verzicht auf Revision die der Staatsanwaltschaft NICHT erledigt, die können immer noch Revision einlegen.
    Und das mit der Höchststrafe von zehn Jahren ist mir natürlich bekannt, nur denke ich nicht, dass 28,5 Millionen eine der Höchststrafe angemessene Summe sind. Da sind schon wesentlich höhere Summen verhandelt worden, über die eben nur nicht berichtet wurde.
    Und von einem „Helden“ Hoeneß habe ich nichts geschrieben.

  3. Avatarkiezneurotiker says:

    Niemand verzichtet auf eine Revision, wenn er sich nicht vorher vergewissert hat, dass die Gegenseite es auch tut. Ich halte jede Wette, dass es hinter den Kulissen ein Aggreement gegeben hat, dass keiner Revision einlegt. Insofern wäre es nicht mutig, damit an die Öffentlichkeit zu treten, sondern Show.
    Wir werden sehen, was die Staatsanwaltschaft macht, aber ich bin mir sehr sicher, dass sie nichts macht und es dabei bleibt wie es ist.

  4. Ich glaube nicht, dass es einen Deal gegeben hat. Wenn ich die Bilder von Hoeneß und seiner Frau nach der Urteilsverkündung anschaue: Das müssen Jahrhundertschauspieler sein, wenn sie mit diesem Urteil gerechnet haben, nein, die haben auf Bewährung gehofft. Und binnen gut 12 Stunden (zwischen Urteil und Hoeneß‘ Erklärung) ist m. E. ein Deal in einem Verfahren dieser Größenordnung nicht auszuhandeln, im Gegenteil: Lässt sich eine Staatsanwaltschaft die Gelegenheit entgehen, im Publicity-trächtigsten Prozess des Jahrzehnts den Angeklagten, auf den die Öffentlichkeit schon kübelweise Häme ausschüttet, noch tiefer reinzureiten? Glaub ich nicht.
    Aber: Wir wissen’s nicht. Und selbst wenn die Staatsanwaltschaft keine Revision beantragt, wir werden nicht erfahren, ob’s ein Deal war oder die mangelnde Aussicht auf Erfolg.
    KLeine Leseempfehlung zum Abschluss: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/uli-hoeness-als-symbol-des-kapitalismus-a-958640.html

    • Avatarkiezneurotiker says:

      Ich hab auch ne Leseempfehlung: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Zweifel-an-seiner-Version/story/17297272

      Sorry, mir geht das zu glatt. Und zu schnell auch. Würde man den Sumpf ausheben, käme mit Sicherheit noch mehr ans Licht. Um Häme geht es dabei nicht, eher wieder um die Frage: Wem nutzt es?

      • AvatarNochmal Mike says:

        Ja, Danke, gerade dieser Tages-Anzeiger-Text aus Züri zeigt: Auch in der Schweiz gibt es Bankster-Kritik(er). Und das finde ich gut und unterstützenswert … Gruß, Mike.

        • Ähm, sorry, ich finde den Artikel eher seltsam. Es werden Experten zitiert, die sagen, dass man mit Devisenspekulationen als Laie keinen Gewinn machen kann. Stimmt ja auch, der Laie Hoeneß hat mit dem Konto letztlich Verlust gemacht. Und, wenn die Vontobel Bank Hoeneß Hebel (http://www.geld-und-genuss.de/devisen-zertifikate-etc-etf/) gewährt hat, sind kurzfristige Überrenditen selbstverständlich möglich. Kurzfristig macht dann auch der Laie durch Zufall Gewinn. Wenn er nicht sofort aussteigt, macht er Verlust. Wie im Fall Hoeneß. q.e.d.
          Zu den anderen Vorwürfen in dem Artikel:
          „Bis heute ist die Herkunft seines Startkapitals ungeklärt…“ stimmt nicht. Das Dreyfus-Darlehen und die Bürgschaft sind aktenkundig.
          „Der FC Bayern München stand wiederholt unter Korruptionsverdacht – etwa bei der Vergabe der Übertragungsrechte an die Kirch-Gruppe oder der Bevorzugung von Adidas gegenüber Nike als Sponsor.“
          Schlampig recherchiert. Ein Blick in die Wikipedia hätte genügt, der FCB stand in Sachen Kirch nicht unter Korruptionsverdacht, nein, er hat korrupt und „moralisch verwerflich“ gehandelt: http://de.wikipedia.org/wiki/Kirch-Aff%C3%A4re
          Zur Nike-Geschichte: (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/uli-hoeness-nike-und-adidas-casino-global-1.1658191-2) „Am 18. September 2001 meldeten beide Seiten Vollzug: Adidas werde sich mit zehn Prozent an der FC Bayern AG beteiligen, wurde vermeldet. Nike und andere Sportartikelhersteller blieben draußen. Die Entscheidung wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet.
          Die Börse reagierte damals übrigens sehr skeptisch auf das neue Adidas-Engagement, was sich später als Irrtum herausstellen sollte. Vollzogen wurde das Geschäft erst im Februar 2002 als die Gründung der FC Bayern München AG über die Bühne gegangen war. Adidas überwies für den Zehn-Prozent-Anteil 75 Millionen Euro an den Verein; den Betrag hatten Wirtschaftsprüfer ermittelt. Mit dem Einstieg wurde auch der Ausrüstervertrag verlängert, für den Adidas extra zahlen musste. Ein Insider meint heute, dass die Offerte von Nike den Preis nach oben getrieben habe.“
          Der adidas hat deutlich höhere Beträge an den FCB gezahlt als Nike gezahlt hätte, hätte man das Angebot angenommen. Lässt sich nachweisen, die Bilanzen sind öffentlich.
          „Hoeness hat – auch in jüngerer Zeit – wiederholt die Unwahrheit gesagt. So behauptete er fälschlicherweise, die Selbstanzeige am 12. Januar 2013 eingereicht zu haben, also bevor das Magazin «Stern» die Bank Vontobel mit Recherchen konfrontierte.“ In der Stat scheint strittig zu sein, ob die Selbstanzeige am 12. oder am 17. Januar erfolgte, auch der Wikipedia-Artikel zu Hoeneß sagt da nichts eindeutiges. Und, was sagt uns das? M.W. lag es nicht am Datum, dass die Selbstanzeige nicht anerkannt wurde, aber um das beurteilen zu können, muss man die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Was auch der Tagesanzeiger hätte tun sollen.
          „Der Fall der Verpflichtung des brasilianischen Nationalspielers Neymar durch den FC Barcelona deutet an…“ Daran ist Hoeneß also auch Schuld?
          Alles in allem haut mich der Artikel nicht so vom Hocker.

  5. AvatarMike says:

    Zum Fall Ulrich H. mal eine neue Info – gabrielewolff sagte am 15. März 2014 um 01:31 unter anderem:
    „Hoeneß hat, und das ist bislang nicht widerlegt worden, sein Zockerkonto mithilfe eines Kredits seines schweizerischen Freundes Dreyfuss, seinerzeit nicht mehr operativ für Adidas tätig, im Jahr 2001 in Höhe von 5 Mio. eingerichtet. Später kamen 15 Mio. Bankkredite, verbürgt durch Dreyfuss, hinzu. Dieses Startkapital ist aufgrund von Spekulationsgewinnen zurückgezahlt worden.
    Und dann ging die Zockerei los, wobei mit geringen finanziellen Hebeln riesige Summen generiert werden konnten. Natürlich auch die entsprechenden Verluste. Das ist Monopoly, bei dem der Spieler letztlich verliert.“
    http://gabrielewolff.wordpress.com/2013/12/28/der-fall-mollath-die-irrwege-der-psychiatrie-3/#comments

  6. Avatargerdos says:

    Die Annahme des Urteils wird von gefühlten 90 % der SPON-Leser als heroische Tat mit folgenden Merkmalen kommentiert:

    Respekt, Hochachtung, Anstand, ehrenvoller Abgang, stark, Gratulation – Auch Ehrenmänner begehen Fehler, größte Hochachtung, einer, der zu seinen Fehlern steht, ein Mann mit Rückgrat, in meiner Achtung gestiegen, Hochachtung vor dieser Entscheidung, wieder zur Würde zurückgefunden, dieser Mann ist für mich mehr denn je eine der größten deutschen Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen und sage alle Achtung, Chapeau, er bewahrt unseren FCB vor einem Imageschaden, ein mutiger Schritt, das nenne ich praktizierten Anstand, mehr Anstand und Rückgrat als jeder deutscher Politiker, Mitgefühl für Hoeneß, Geradlinigkeit, hier zeigt sich die wahre Größe, Vorbild,wahre Größe, Herr Hoeneß ist in meiner Wertschätzung erheblich gestiegen.

    Ginge es nach dem gesunden Volksempfinden dieser Leser würde dieser Lügner, Betrüger und Straftäter als Volksheld für dass Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

    Das gesunde Volksempfinden meint heute ja auch, dass bei Hitler nicht alles schlecht gewesen sei, wenn er nur das mit den Autobahnen nicht gemacht hätte.

  7. AvatarMike says:

    Zu @Chris Kurbjuhn am 18.3.2014 um 10:03

    „Spekulationsgeschäfte Woher hatte Hoeneß das viele Geld? Thomas Magenheim, 17.03.2014 18:10 Uhr
    Uli Hoeneß hat das Urteil akzeptiert. Die Staatsanwaltschaft auch. Weitere juristische Aufklärung über Hoeneß’ Millionendeals wird es deshalb nicht geben.
    München – Der Steuersünder Uli Hoeneß wird in den nächsten Wochen unwiderruflich seine dreieinhalbjährige Haftstrafe in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Landsberg antreten. Das ist mit der jetzigen Entscheidung Münchner Staatsanwälte klar. „Die Staatsanwaltschaft München II wird im Strafverfahren gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung keine Revision einlegen“, teilte die Behörde mit. …
    Damit ist auch klar, dass viele Fragen wohl für immer offen bleiben. Noch immer wird gerätselt über die genaue Herkunft der Gelder, mit denen Hoeneß in der Schweiz spekuliert hat. Fachleute können sich auch die großen Gewinne nicht erklären, die letztlich eine Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro ermöglicht haben. Ein Aufrollen des Steuerprozesses im Rahmen einer Revision hätte möglicherweise in diesen offenen Punkten neue Erkenntnisse gebracht. Nun gehen die Vorgänge nur noch Hoeneß und das betroffene Finanzamt etwas an.“ http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.spekulationsgeschaefte-woher-hatte-hoeness-das-viele-geld.a6bfee4a-9296-4df6-8032-8a176504f983.html

    Zu diesem zusammenfassenden Info von gestern ein weitergehender Hinweis: Da ich diesen § des D-StGB http://dejure.org/gesetze/StGB/355.html kenne und in D nicht mit Whistleblowing durch Finanzamtsleute rechne – habe ich hier gestern den ersten Artikel aus dem Zürcher „Tages-Anzeiger“ (online 15. März 2014) gelobt; klar doch: wenn überhaupt noch was aufgeklärt werden kann, dann vermutlich vor allem von Schweizer Banksterkritikern. Und ebenso klar: der zitierte TA-Beitrag, den Sie nicht unbegründet als teilweise unsubstantiiert bewerten (z.B. braucht´s zum Transfer-Kickback bei Profikicken keine Vontobelbank, weil da schwarz unter der Hand rückgezahlt wird), konnte nur ein erster Testballon sein konnte …

    Also schaunwermal.

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