Männeressen: Eisbeinauflauf

Eisbeinauflauf

Eisbeinauflauf

Gibt es ein männlicheres Essen als Eisbein? Aber klar, selbstgeschossenes Wildbret vom Spieß, Kotelette vom persönlich im Ringkampf bezwungenen Alligator oder die Tatzen eines Grizzlys, den man gerade eben mit einem Knieschuss erlegt hat… Danach kommt aber gleich das Eisbein, das dampfend auf dem Teller thront, begleitet von Kraut und Püree, dazu frisches Bier und ein klarer Schnaps aus dem beschlagenen Glas… So in etwa stellt man sich doch den kulinarischen Männerhimmel vor, vollkommen zurecht übrigens: ein Eisbein kann eine grandiose Leckerei sein. Leider machen einige Kollegen und vor allen Dingen der Nachwuchs lange Zähne, wenns ans Eisgebeinte geht. Aus unerfindlichen Gründen gibt es Menschen, denen beim Anblick des aus dem Haut- und Fettmantel rausragenden Knochens der Appetit vergeht und die verweigern, bevor sie auch nur einen Bissen des köstlichen Eisbeinfleischs probiert haben… für diese Menschen gibt es endlich Hoffnung: Unseren Eisbeinauflauf!

Der Trick beim Eisbeinauflauf ist, dass wir nur das schiere Eisbeinfleisch verwenden und alles andere, was möglicherweise bei unseren sensiblen Mitessern Anstoß erregen könnte, also Haut, Knochen, Knorpel, Fett, Glibber, entfernen. Und weil wir uns in der Küche soviel Mühe machen, pampen wir Kraut und Püree gleich in die Auflaufform zum Fleisch, damit wir bei Tisch unkompliziert reinhauen können. Klingt gut? Wird sogar noch besser. Erstmal gehen wir aber einkaufen.

Für 6 Portionen (je nach Appetit und Fassungsvermögen): mindestens 2 große oder 3 kleine Eisbeine (frisch oder gepökelt, je nach Geschmack), so zweikommafünf Kilo Brutto1, 1 Kilo Sauerkraut, Stückchen Schinkenspeck, 1 Kilo Kartoffeln2, 200g Creme Fraiche, 250 g Schlagsahne und die KüBi3-Vorräte auffüllen, das war’s. Einen Viertelliter Milch, Zwiebeln, Lorbeer, Piment und Muskatnuss haben wir zuhause, wir können loslegen und knacken uns das erste KüBi.

Knochen, Haut und Fett brauchen wir nicht.

Knochen, Haut und Fett brauchen wir nicht.

Wir bringen einen großen Topf mit Wasser4, in dem die Eisbeine bequem Platz haben zum Kochen. Wenn das der Fall ist, werfen wir die Eisbeine, zwei Zwiebeln, paar Lorbeerblätter und Pimentkörner rein, lassen aufkochen und reduzieren die Hitze, sodass es ab jetzt nur noch leise simmert, NICHT brausend kocht. Nach zwei Stunden pieksen wir das erste Mal mit der Fleischgabel in ein Eisbein: Ist das schon richtig weich? Im Zweifelsfall noch weitersimmern lassen, große Eisbeine brauchen zweieinhalb bis drei Stunden, bis sie richtig weich sind. Wenn das der Fall ist, Eisbeine raus und abkühlen lassen. Die Kochflüssigkeit entsorgen.

In der Zwischenzeit haben wir das nächste KüBi geknackt5 und uns dem Sauerkohl gewidmet. Schinkenspeck würfeln, Zwiebel pellen und würfeln, in ordentlich Fett galsig angehen lassen, Sauerkohl dazuzupfen, mit ’nem Schluck Weißwein ablöschen, verkochen lassen, Tässchen Brühe dazu, ein, zwei Lorbeerblatt, bisschen Pfeffer und so’ne halbe Stunde dünsten lassen. Vom Herd nehmen. Auf dem Boden einer gefetteten Auflaufform verteilen.

Schieres Eisbeinfleisch auf Sauerkraut... fehlt nur noch die Decke aus Püree

Schieres Eisbeinfleisch auf Sauerkraut… fehlt nur noch die Decke aus Püree

Wenn die Eisbeine so weit abgekühlt sind, dass wir sie problemlos anfassen können, entfernen wir die Haut, das Fett und die Knorpel. Das übrigbleibende Muskelfleisch zerzupfen wir in Mundgerechte Stücke und verteilen es auf dem Sauerkraut.

Das muss noch in den Ofen...Die Kartoffeln haben wir geschält, in Stücke geschnitten (so werden sie schneller gar), in Salzwasser weich gekocht, abgegossen und auf kleiner Hitze ausdampfen lassen. Wasser im Püree ist unmännlich. Wir greifen zum Kartoffelstampfer6 und zermusen die Kartöffelchen unter Zugabe von Milch, Sahne und Creme Fraiche. Die Chose soll dünnflüssiger werden als ein normales Püree, aber nicht ganz so dünnflüssig wie Sauce. Also, die Masse soll ein bisschen laufen, aber nicht weglaufen. Kriegt ihr hin, da bin ich mir sicher. Wenn die Kartoffeln zermanscht sind, zum Schneebesen wechseln und cremig rühren, mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken, dann in die Auflaufform schütten, Oberfläche glattstreichen.

Auflauf ist fertig!

Auflauf ist fertig!

Die ganze Herrlichkeit wandert jetzt für eine Dreiviertelstunde in den 180 Grad heißen Ofen, dann machen wir den Ofen aus, lassen den Auflauf noch zehn, fuffzehn Minuten bei geöffneter Ofentür ausruhen und tragen ihn zu Tisch.

Wichtig ist auf'm Teller.

Wichtig ist auf’m Teller.

Jetzt ist der Moment gekommen, zum Riesling zu wechseln. Oder beim Bier zu bleiben. Schnäpschen steht hoffentlich kalt. Mahlzeit!

 

 

  1. hört sich nach viel an, aber da wir wirklich viel wegschneiden, ist es das gar nicht. Furchtsame Naturen kaufen einfach mehr, dann sind sie auf der sicheren Seite.
  2. diesen ganzen Sortierquatsch nach mehlig/festkochend kann man bei Püree knicken. Wichtig ist, dass die Knollen ordentlich Aroma haben. Bungt.
  3. Küchenbier
  4. gesalzen wird das Wasser nur bei frischen Eisbeinen. Bei gepökelten können wir uns das Salzen schenken.
  5. ein unterhopfter Koch funktioniert nicht richtig!
  6. alternativ drücken wir die Dinger durch eine Presse. Handrührer und /oder Pürierstab bleiben im Küchenschrank, die verwandeln ein KaPü zuverlässig in Zement.
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11 Responses to Männeressen: Eisbeinauflauf

  1. gerdos says:

    Da schlachte ich doch lieber ein Tofu und bereite es mit Kartoffeln aus Bodenhaltung zu.

  2. K. Ann Allet says:

    Tolles Rezept, danke!

  3. Robert says:

    Eisbein ohne Fett und Schwarte ist total unmännlich ;)!

  4. Platzger says:

    GROSSARTIG!
    Frau Platzger und meine Wenigkeit kochten heute Abend dieses Menue nach. Wir hatten Besuch von unserem Nachbarn und dachten, das sei die ideale Nahrung für uns.
    Wir befolgten das Rezept 1:1 (ausser dem Piment, den kriegt man bei uns nicht so einfach).
    Zur Zubereitung floss auch das unbedingt nötige Kübi und leckerer Weisswein, so wie vorgeschlagen…. Hier die Bilder der Entstehung und das wirklich leckere Endergebnis:

    Zum Essen genossen wir einen wunderbaren Dézalay, danach gab’s noch ein „Schnäpseli“ zum Verdauen.

    Vielen Dank für das Rezept, war wirklich eine Freude!
    Wenn’s Recht ist, stelle ich demnächst auch mal ein Rezept zur Verfügung.

  5. Das sieht verdammt gut aus, Platzger, kriegt man richtig Hunger. Und auf dein Rezept freuen wir uns sehr!:)

  6. Rene says:

    Tolles Rezept!

    Da ich ein „richtiger“ Kerl bin habe ich auch die Schwarte verwendet. Ist ja ein super Geschmacksträger. Hat aber auch meiner Frau geschmeckt.

    Rene

  7. Matthias Sawitzky says:

    Die Kochflüssigkeit des Eisbeins muss man nicht wegschütten: sie ist ideal zum Beispiel für die Zubereitung von Erbsen – oder Linsensuppe, auch sehr männliche Kost, jedenfalls mit den richtigen wurstigen Einlagen.

  8. B. Rühe says:

    hallo ihr netten autoren,
    super seite, super rezept, ganz tolle kochanleitung. wunderbar gefällt mir die bezeichnung „unterhopfter koch“ – sofort bierchen geöffnet, weiter am gericht gewerkelt und es hat allen sehr gut geschmeckt – danke.

  9. Freut mich sehr, dass es geschmeckt hat.

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