„Oben rechts – Theo Sommer“

ein Gastkommentar von Richard Albrecht

„Der frühere Herausgeber der Zeit, Theo Sommer, ist wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muß er eine Geldbuße von 20000 Euro zahlen. Das entschied das Hamburger Amtsgericht am Mittwoch. Laut Anklage hat er zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären.“

Der Berliner Tageszeitung junge Welt war´s heute nur die zitierte Kleine Meldung wert1. Das Düsseldorfer Handelsblatt erzählte ausführlicher: „Der frühere „Zeit“-Herausgeber Theo Sommer ist als Steuerhinterzieher verurteilt worden. Die Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten setzte das Amtsgericht Hamburg am Mittwoch zur Bewährung aus. Außerdem muss der Publizist eine Geldbuße von 20.000 Euro zahlen – in einen Förderfonds für Wissenschaft, Bildung und Kunst … Der Richter könne dem Angeklagten zwar weder Verschleierung noch dubiose Barzahlungen vorhalten, aber es gehe um erhebliche Summen, um „gemeinschädliches Verhalten“, um eine besondere Form des Betrugs … Der Journalist sprach von Nachlässigkeit mit diesen Einkünften. Als „Workoholic“ habe er eine ungeheure Arbeitsbelastung gehabt. Dies habe ihn von einwandfreien Steuererklärungen abgehalten. „Geld und Finanzen standen am Ende meiner Dringlichkeitsskala“, sagte Sommer. Nach eigener Auskunft hat er monatlich rund 10 000 Euro zur Verfügung … Die Anklage hatte für den Buchautor eine zwei Monate höhere Bewährungsstrafe und eine Geldbuße gefordert. Sie hielt ihm vor, dass er wegen eines geringfügigeren Steuerdelikts zuvor eigentlich hätte vorgewarnt sein müssen … Sommer war von 1958 an bei der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ tätig – zunächst als politischer Redakteur. 1973 stieg er in die Chefredaktion auf, von Oktober 1992 bis zum Jahr 2000 fungierte er neben Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002) und Altbundeskanzler Helmut Schmidt (95) als Herausgeber. Seitdem ist er als Buchautor und Moderator tätig und bekleidet diverse Ehrenämter.“2

Diese aparte Mélange aus Dichtung und Wahrheit kann finanziell und sozialwissenschaftlich aufgeklärt werden. Wenn Herr Chefredakteur a.D. Sommer im Fünfjahreszeitraum 2007-2011 tatsächlich sein „Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit“ nicht meldete, kassierte er, den für Spitzeneinkommen unterstellten Steuersatz von 45 Prozent unterlegt, von 2008 bis 2011 nebenbei an Schwarzgeld etwa 1.442 Millionen €uro oder jährlich etwa 288.444 € oder sechzig Monate lang monatlich etwa 24.037 €. Nimmt man weiters an, daß diesem Geld aus „Nebentätigkeit“ entsprechende Gelder aus anderen hauptsächlichen legalen „Tätigkeiten“ oder Vermögen in wenigstens gleicher Höhe entsprachen, dann lag Sommers Monatseinkommen 2007-2011 bei etwa 48.075 € monatlich oder bei etwa 576.900 € jährlich oder bei etwa 2.884500 € gesamt. Sommers Behauptung, er hätte monatlich „rund 10.000 € zur Verfügung“, ist nicht einmal Dichtung. Sondern volksverdummende Märchenstunde eines Wiederholungstäters.

Ende der 1980er Jahre des vergangenen „kurzen“ Jahrhunderts prägten zwei damalige bundesdeutsche Soziologen den Fachterminus Sekundärelite aus3; diesen Ansatz erweitere ich gern mit Blick aufs Spitzenpersonal in der ganzdeutschen Medienlandschaft als „Gehilfen der herrschenden Klasse“ (Krysmanski/Neumann) in der „allgegenwärtigen und aufwändigen Verdummungsindustrie“4 auf Tertiärelite.

Chefredakteur a.D. Theo Sommer ist so ein Gehilfe.

RAlbrechtRichard Albrecht ist ausgebildeter Journalist, betrieblicher Ausbilder, Sozialwissenschaftler (Diplom, Promotion, Habilitation) und lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent 1989 als unabhängiger Wissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. 1991 Veröffentlichung des Forschungsansatzes THE UTOPIAN PARADIGM. 1994/97 Redaktionsleier der Carl-Zuckmayer-Blätter und Hg. Theater- und Kulturwissenschaftliche Studien. 2002/07 Hg. des Netzmagazins rechtskultur.de. 2005/10 Forschungen zum ARMENOZID als erstem Völkermord im 20. Jahrhundert. 2011 erschien als bisher letzte Buchveröffentlichung HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net

 

  1. siehe http://www.jungewelt.de/2014/01-23/046.php
  2. siehe http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/ex-zeit-herausgeber-theo-sommer-als-steuerhinterzieher-verurteilt/9370752.html
  3. H.J. Krsymanski; Thomas Neumann, GRUPPENBILD. Deutsche Eliten im 20. Jahrhundert. Reinbek: Rowohlt, 1989, 156 p., hier 5-14: Einleitung
  4. Richard Albrecht, SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen: Shaker, 2008, 110 p., hier 13; vide http://www.duckhome.de/tb/archives/9144-SUCH-LINGE.html et http://soziologieheute.wordpress.com/2010/05/13/albrecht-richard/
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