Tour de France 100 – 5. Etappe

Foto by Jddmano (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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Von Cagnes-sur-Mer nach Marseille. Tour 100. Tour der Überraschungen. Der Australier Simon Gerrans fährt im Gelben Trikot nach Marseille. Orica GeenEdge ist die Mannschaft, die für die meisten Schlagzeilen sorgt: Samstag die Sache mit dem Bus. Gestern der Sieg beim Mannschaftszeitfahren in Nizza. Was kommt noch von Down Under?

Zunächst ist mal wieder Sprintankunft angesagt. 228,5 Kilometer durchs Var und dann ins Bouche-du-Rhône. Klar, es geht auf und ab. Aber das ist kein Vergleich mit den Etappen auf Korsika. Heute schlägt die Stunde für Greipel, Cavendish und Kittel. Korsika haben die Ausreißer ja eher nicht genutzt. Merckx oder Hinault hätten hier den Riemen anders auf die Orgel gelegt, meint nicht nur Streckenchef Pescheux.

Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind schon ewig unterwegs, aber bis zum Ruhetag am kommenden Montag stehen noch fünf Etappen auf dem Programm. Bisher haben wir trotz der Stürze nur zwei Aufgaben: Yohann Bagot und Andrey Kashechkin haben das Rennen verlassen.

Retro

5_19251925 Ottavio “Adlernase” Bottecchia fährt seinen zweiten Toursieg nach 1924 ein. Und das im Schongang. Hinter ihm wächst aber schon sein Edelhelfer Lucien Buysse aus Belgien heran. Er ist mehr als ein Helfer, fährt aber mit angezogener Handbremse. Eigentümlich, wie sich die Motive wiederholen.

Coup de Cœur

Heute: Bouillabaise. Es war in einem kleinen Fischgeschäft in Capestang, als ich vor 15 Jahren Felsenfische verlangte. Brühwarm angelesenes Halbwissen aus einem prächtigen Bildband über die Provence aus Weil der Stadt. Die junge Verkäuferin:“Da muss ich fragen, Monsieur.” Oma kam und ging direkt wieder nach hinten und mit einer riesen Tüte klitzekleiner Fische zurückzukommen. Billig war der Spaß durchaus nicht. Zu Safrantütchen verweigere ich hier die Aussage. Kleingeschippelt. Angedünstet. Durch ein Sieb getrieben – im Urlaub hat man ja Zeit. Es war der Wahnsinn.

Einige Jahre weiter kann ich Euch nur folgendes mit auf den Weg geben: Wenn Ihr in Frankreich seid, holt Euch einfach ein Mörder-Glas Fischsuppe. Lasst Fischstücke Eurer Wahl, in der heißen Suppe gar ziehen und dazu gibt es geröstetes Brot. Ihr adelt Euch, wenn Ihr Rouille-Sauce auf das Brot schmiert. Gibt’s auch im Glas… Und wenn dann die Ist-das-auch-selbst-gemacht-Frage kommt, antwortet Ihr entrüstet:”Das ist ja wohl selbstverständlich!”

Die 100. Auflage der Tour de France. Unser Tourtagebuch erscheint renntäglich auf “Männer unter sich”. Ein kurzer Kommentar zu aktuellen Etappe, Retro, der Blick zurück und Coup de Cœur, unser kulinarischer Tagestipp – das sind unsere Rubriken. Viel Spass!

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2 Antworten zu Tour de France 100 – 5. Etappe

  1. Ich hab vor 40 Jahren die beste Bouillabaisse der Welt gegessen. Das war auf einem kleinen Campingplatz oberhalb von Nizza, „Les cent chênes“ hieß der, der war tatsächlich mitten in einem Eichenwald, ob’s hundert waren, hab ich allerdings nicht gezählt. Die Oma von der Familie Oddo, die den Platz betrieb, machte Bouillabaisse. Zwei Tage vorher bestellen, mindestens zehn Leute. Wir waren fünfzehn, also gab’s das Fischzeugs. Die ganze Familie ist ausgeschwärmt und hat zwei Tage lang Fische eingekauft, und Oma hat die am dritten Tag gekocht. Und dann stand ’ne lange Tafel mit ’nem weißen Tischtuch auf der Wiese, große Terrinen mit der Suppe, Platten mit den Fischen, Rouille, Weißbrot, Wein… ja, Gott in Frankreich eben.

  2. AvatarAldres sagt:

    Coup de Cœur – der Schuss ins Herz scheint zu sitzen. Gibt es schönere Erinnerungen als an Fressgelage?

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