Schlägereien der Sonderklasse: Stallone in Rocky

Früher gehörte sie zum Männer-Film wie der Kronkorken auf die Bierflasche: die deftige, unterhaltsame Schlägerei, bei der schon mal ein Saloon komplett zu Bruch gehen konnte. Leider hat sich der klassische Barroom Brawl als ziviler Zeitvertreib des weltläufigen Mannes aus der Filmgeschichte fast vollkommen verabschiedet und ist der stillosen, dumpfen Gewaltausübung gewichen. Das finden wir schade und wollen auf “Männer unter sich” gegensteuern: mit einer kleinen Video-Serie erinnern wir an Filmschlägereien der Sonderklasse und fordern ihre Rückkehr in den Weltfilm. Und wenn der Weltfilm nicht auf uns hört, gibt’s was auf die Zwölf!

Zugegeben, um Stallone hab ich mich in unserer Filmprügeleien-Serie eine ganze Weile lang herum gedrückt. aus einem einzigen Grund: Ich mag Stallone eigentlich ganz gerne.  Er liefert regelmäßig solide, kernige Unterhaltungsware ab, nimmt sich selbst nicht allzu ernst und hat mit „Rocky Balboa“ die Mutter aller Alter-Sack-kann-es-noch-Filme abgeliefert. Warum hab ich ihm dann nicht schon längst dem ihm gebührenden Ehrenplatz im Prügel-Pantheon zugewiesen?

Offen gestanden: weil er es eigentlich nicht kann. Doch, ernsthaft. was Filmschlägereien angeht, trennen z. B. einen Duke Wayne und Stallone nicht Welten, sondern Universen. Eleganz in den Bewegungsabläufen, präzises Timing, Grazie, Geschmeidigkeit… das sind alles Talente oder Fähigkeiten, über die der gute Sly noch nicht mal ansatzweise gebietet. Dafür hat er andere Stärken: er ist recht kräftig, macht sich keinen Kopp und läuft grundsätzlich keine Kurven, sondern geht in gerader Linie auf den Gegner zu…
Seinen Durchbruch hatte Stallone – wie sattsam bekannt – in „Rocky„, dem ersten Teil der Serie um den „Italian Stallion“. Werfen wir einen Blick auf die finale Prügelei1

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Video-Link: http://youtu.be/HSK-Iv3gh9I

Bereits hier finden wir die typischen Elemente einer Stallone-Prügelei:

1. Um seine  motorischen Defizite zu verdecken, prügelt sich Stallone am liebsten im Halbdunkeln. Gerade noch so viel Licht, dass die eingeölten Muckis schön glänzen, das muss genügen, sonst sieht man allzu deutlich, wie sein Gegenspieler die Wirkungstreffer faked. Womit wir bei

2. wären: wenn Stallone sich prügelt, erledigt der Gegenspieler die meiste Arbeit. Wobei Carl Weathers es hier schamlos übertreibt: Wie er bei Treffern auf den Solar Plexus oder die Nieren2 herumhopst, erinnert eher an einen lustigen Onkel, der beim Kindergeburtstag für gute Laune sorgen will, als an einen Schwergewichtsweltmeister.

3. Stallone prügelt sich grundsätzlich nur mit übermächtigen Gegnern. In jedem Stallone-Film wird der Gegner zur unbesiegbaren Kampfmaschine hochstilisiert, in den Nicht-Box-Filmen meist noch mit einer besonders fiesen, besonders illegalen Waffe ausgestattet, damit wir ordentlich Mitleid mit Sly bekommen und umso doller Jubeln, wenn er’s doch geschafft hat. Cleverer Trick, selbstbewusst und gelassen 3 geht allerdings anders.

4. Pathos. Weil Stallone-Fights grundsätzlich sehr, sehr einfach gestrickt sind sein müssen, muss dem Publikum durch Pathos-Overload ein komplexeres Strickmuster vorgegaukelt werden. Wo im klassischen Barroom Brawl noch ein Honkytonk-Piano vollkommen ausreichte, müssen bei Sly gefühlte drei osteuropäische Sinfonieorchester plus mindestens eine Schwermetall-Combos sowie die Feuerwehrkapelle Emden am Rande ihrer Leistungsfähigkeit dahertuten, um einen im Prinzip ganz einfachen Faustkampf zu untermalen. Mehr Pathos geht nicht, weniger Faustkampf-Expertise aber auch nicht.

Genug gemeckert, „Rocky“ ist trotz (oder wegen4 Stallones Defiziten ja ein schöner, unterhaltsamer Film, und man soll den ganzen Quatsch nicht ernster nehmen, als Stallone es selber tut. Die „tongue-in-cheek“ gehört bei ihm ja zur Grundausstattung.

  1. Nein, es ist kein Boxkampf. In keinem Rocky-Film kommt ein Boxkampf vor. In Rocky-Filmen bekommen wir Wirtshausprügeleien zu sehen, die von Männern in Shorts in Box-Ringen ausgetragen werden.
  2. Wer kann das angesichts dieser Lichtverhältnisse genau sagen? Warum wird ein Weltmeisterschaftskampf eigentlich ausgeleuchtet wie ein illegaler Hahnenkampf in einem Vorort von Tijuana?
  3. siehe Duke Wayne
  4. Balboa soll im ersten Film ja ausdrücklich kein guter Boxer sein!
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