Ende der Bagatellen

Foto:  Uli_Hoeneß_und_Peter_Grimberg.jpg: Senfacy derivative work: Hic et nunc [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Foto: Uli_Hoeneß_und_Peter_Grimberg.jpg: Senfacy derivative work: Hic et nunc [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

In den letzten Jahren sind deutsche Unternehmen ins Gerede gekommen. Mangelnde Unternehmenskultur, fehlendes Augenmaß und schlichtweg Kaltherzigkeit wurden ihnen vorgeworfen, weil sie – um nur zwei von zahlreichen Fällen zu nennen – einer Sekretärin gekündigt hatten, die beim Brötchenschmieren fürs Vorstandsbüffet selbst zur Boulette gegriffen hatte oder die Supermarktkassiererin entlassen hatten, die einen Pfandbon für wenige Cents eingesteckt hatte.

„Verhältnismäßigkeit? Schtonk!“ dachten sich unsere Arbeitgeber, und die Fachleute vom Arbeitsrecht sekundierten ihnen: „Eine Grenze bei Bagatelldelikten gibt es nicht! Diebstahl ist erstmal Diebstahl“, teilte der Arbeitsrechtler Michael Eckert stern tv mit. „Prinzipiell ist es egal, ob jemand ein Brötchen aus der Auslage, eine Packung Druckerpapier aus dem Lager oder 50 000 Euro aus der Firmenkasse entwende. Entscheidend ist, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer fortan gestört ist.“

Damit dürfte seit Montagabend Schluss sein.

Zumindest die Angestellten von adidas, der Deutsche Telekom, von Volkswagen, Porsche und Audi, von der UniCredit und von Burda Media können sich in Zukunft vor Bagatellkündigungen sicher fühlen und dürfen sich auf ein von entspanntem Laissez-Faire geprägtes Betriebsklima freuen. Die Vorstände der genannten Unternehmen haben gestern den Vorschlag von FCB-Ikone Uli Hoeneß, der sich im Januar dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe selbst angezeigt hat, sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender niederzulegen einstimmig abgelehnt und Hoeneß im Amt bestätigt.

Zahlreiche Kommentatoren des sportlichen und politischen Geschehens haben sich bereits abfällig über diese Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats geäußert, Christian Gödecke titelt bei SpOn was von moralischen Eigentoren, bei ZEIT-Online wirbelt Christian Spiller die Moralkeule und wirft das böse Wort „Compliance“ in die Diskussion.

Die Kollegen dort haben offenbar die Größe der am Montagabend eingeläuteten Zeitenwende noch nicht begriffen. Die FC Bayern AG begreift sich als Vorreiterin der Deutschland AG und macht endlich Schluss mit kleingeistigem Moralisieren und pedantischem Regelwerk, das den Fortschritt hemmt statt ihn zu befördern. Unter der Führung des im Amt bestätigten Aufsichtsrats des FC Bayern begnügen wir uns in Zukunft mit einer einzigen Compliance-Regel, die Musik-Genie Cole Porter (aus unerfindlichen Gründen nicht FB-Mitglied) bereits 1934 visionär voraussah:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: http://youtu.be/qo6lPifGnGA?t=19s

Foto U. Hoeneß: By Uli_Hoeneß_und_Peter_Grimberg.jpg: Senfacy derivative work: Hic et nunc [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

Markiert mit , , , .Speichern des Permalinks.

One Response to Ende der Bagatellen

  1. Pingback: Emma im Prado, O-Saft und KoS auf World Tour - die Links der Woche vom 3.5. bis 9.5. | Männer unter sich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!