Dream Big

L. Armstrong – Foto Paul Coster [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Lieber Lance,

Deine Talkshow-Beichte bei Oprah Winfrey… Ganz ehrlich? Das war nischt. Bei Deinem ersten Abschied vom Profiradsport – Oprah hatte die Szene freundlicherweise eingespielt – hattest Du noch einen erzählt von: “I’m sorry you can’t dream big.” Ich hatte mit Blick auf dieses Interview groß geträumt, sah schon die ganze UCI zusammenbrechen, Absage der 100. Tour de France, Rückzug der Scheichs aus dem Radsport. Nischt.
Teil 1 fing ja zunächst auch ganz gut an . Gedopt – yes or no? EPO, Transfusionen, Motoman alles schön der Reihe nach zugegeben. Aber dann ging es doch schon los: Ganz erbärmlich verteidigst Du den dritte Platz bei der großen Comeback-Tour von 2009. Überleg doch mal: Für Astana gefahren, Johan Bruyneel mit an Bord geholt und der hatte natürlich rein zufällig Transfusionsbesteck im Kulturbeutel – das nebenbei in privater Hand in Frankreich verboten ist. Für wie blöd hältst Du uns? Von Eurem Kapitänsstreit zwischen Alberto “Schnitzel” Contador und Dir hätten wir gerne was erfahren. Das wäre mal von Interesse gewesen. Nischt.

Ein Kompliment muss ich der Redaktion von Oprah Winfrey machen: Das Ding habt Ihr sehr akribisch vorbereitet. Sogar der positive Test von der Tour de Suisse kam auf den Tisch. Aber auch da hast Du wieder gemauert. Einen sechstelligen Betrag hast Du zwar an die UCI überwiesen, aber das war kein Schweigegeld. Das war eine Spende, weil mal nett angefragt wurde. Nee, is’ klar.
Richtig übel wurde es, als es um Betsy Andreu, die Frau eines Ex-Teamkollegen und Masseurin  Emma O’Reilly ging. “Müsste ich mich wohl entschuldigen”, “Nee, da antworte ich nicht.” Lance, an dieser Stelle hätte ein offenes ehrliches Wort des Bedauerns kommen müssen. Und der Hinweis, dass Betsy nichts an den Ohren hatte 1996 im Krankenhaus in Indiana. Wenn nicht hier, wann dann?
Teil zwei war dann nur noch ein lauer Aufguss. Ja, ist schon doof, wenn man den Sponsoren vor den Koffer scheißt und die dann auch noch beleidigte Leberwurst spielen und nicht weiter zahlen wollen. Sehr seltsames Verhalten. Völlig unerklärlich. Und noch was: Niemanden interessiert, was Du Deinen Kindern erzählt hast und dass sie Dich jetzt nicht mehr verteidigen sollen. Wie Du mit der Sache privat klar kommst, ist Dein Bier. Geht die Öffentlichkeit nichts an.
Dann maulst Du auch noch über die Deiner Meinung nach zu harte Strafe. Erst feuerst Du mit Deinen Anwälten aus allen Rohren, streitest alles ab, lässt Termine an denen Du strafmildernd tabula rasa hättest machen können verstreichen. Und dann ist Dir das Urteil zu hart?

Nun könnte man ins Feld führen: Talkshow-Beichten, das ist so eine Sache und da hätten auch andere nicht so gut aus der Wäsche geguckt, zum Beispiel Dein ewiger Rivale Jan Ullrich damals bei Beckmann. Beckmann ist aber eins gelungen: Ullrich die beste aller Definitionen von Doping zu entlocken:

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Video-Link: http://youtu.be/Bpzk2CElNa8

Was wird von Deinem Interview mit Oprah Winfrey bleiben? Nischt.

Foto Paul Coster [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

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