6 Wochen mit System

In diesem Herbst habe ich etwas getan, was Menschen, die meine Rasurgewohnheiten kennen, schreckensstarr die Kinnlade runterfallen lässt: ich habe mich sechs Wochen lang täglich mit so einem Mehrklingen-Rasierer, im Nassrasurforum gern auch Systemrasierer genannt, rasiert.
Zur Erklärung: Was Rasierapparate oder Rasierklingen  betrifft, bin ich ein totaler Geizkragen. Wenn die Rasurvorbereitung stimmt, ist es letztlich egal, womit man sich rasiert, ob mit dem Rasiermesser, einem Hobel oder eben einem Systemrasierer: wenn das Barthaar ordentlich eingeweicht ist, bekommt man mit jedem halbwegs akzeptablen Werkzeug eine gründliche Rasur hin.
Deshalb geb ich mein für die Rasur vorgesehenes Geld lieber für eine anständige Rasierseife oder ein gescheites Aftershave aus, als das ich in Rasierklingen investiere. Wie bin ausgerechnet ich dann für 6 Wochen auf die System-Abwege gekommen?

Ganz einfach, die Fa. Shavelab war so freundlich und großzügig, mir einen ihrer Rasierapparate nebst 4 verschwenderisch mit 6 plus 1 Klingen (Klingen zum Bartkappen und 1 Trimmerklinge für die Feinarbeiten auf der Rückseite) ausgestatteten Wechselköpfe zum Test zur Verfügung zu stellen. Also ließ ich meinen üblicherweise mit Derby-Klingen geladenen Merkur Futur, den ich seit zehn Jahren beinahe täglich benutze, für eine Weile im Schrank, und benutzte allmorgendlich den Shavelab-Rasierer.

Der erste Eindruck war für den Gewohnheitshobler durchaus ungewohnt: Als würde man sich ein Stückchen Sandpapier durchs Gesicht ziehen. Aber daran hatte ich mich schnell gewöhnt, das Rasieren dauerte in etwa so lange wie mit dem Hobel, und war genauso glatt. Zunächst. Die ersten Stoppeln kamen jedoch deutlich früher als bei meiner gewohnten Methode, irgendwas musste ich falsch gemacht haben.

In der Tat brauchte ich vier Rasuren, bevor ich eine ähnlich nachhaltig-gründliche Rasur wie mit dem Hobel hinbekam: weil ich nämlich zu stark aufdrückte (der Shave-Lab-Rasierer ist – besonders im Vergleich zum Futur – wirklich sehr leicht) und die Haut nicht richtig straff zog. Erst als ich das beherzigte, kam ich mit dem Shave-Lab zu ähnlichen Resultaten wie mit meinem gewohnten Setup.

Doch jetzt war meine Neugier geweckt: da die Shavelab-Klingen ganz offensichtlich von Dorco gefertigt werden, passen z.B. auch die Klingen, die es derzeit für den Aldi-Rasierer gibt, oder die Isana-Klingen von Rossmann. Also holte ich mir für relativ kleines Geld ein Systemklingen-Sortiment mit 3-, 4- und 6-Klingern der verschiedenen Marken und testete so sechs Wochen lang fröhlich vor mich hin.

Klingen im Abo

Fazit: Die Klingen der verschiedenen Marken unterscheiden sich subjektiv nicht wirklich. Die 3- und 4-Klinger produzieren beim Bartabschneiden ein direkters, zupackenderes Feeling, die 6er haben den oben schon beschriebenen Sandpapiereffekt. Gründlich sind sie alle, wenn man die Grundlagen der Nassrasurtechnik beachtet, die gelten nicht nur für Hobel. Was die Shavelab-Klinge den anderen von mir getesteten voraus hat ist die rückwärtig angebrachte Trimmerklinge, die fand ich ganz praktisch, um an die Barthaare in Nasenloch-Nähe zu kommen, die hab ich mit den anderen Klingen nicht erwischt.
Wer also die Abwechslung sucht oder aus welchen Gründen auch immer nicht zum Hobel greifen möchte, ist mit dem Shavelab-Rasierer ziemlich gut beraten. Der ist preiswert, er funktioniert und Shavelab bietet außerdem noch ein praktisches Klingenabo an, wo man sich in einstellbaren Intervallen  Nachschub zuschicken lassen kann. Außerdem kann man sich bei diversen Drogerie-Discountern mit Klingen eindecken. Die Überpreise, die für die berüchtigten „Markenklingen aus der Weltraumforschung“ verlangt werden, muss wirklich niemand zahlen, der sich preiswert und gründlich rasieren möchte.

Und? Bin ich zum Systemrasieren bekehrt worden? Nein, ich bin ein Ein-Klingen-Mann, ich fuhrwerke mir wieder mit meinem Stammhobel im Gesicht herum. Das ist nochmal einen Tacken preiswerter und liefert das gleiche Ergebnis inkl. nicht zu überbietendem Oldschool-Feeling. Aber der Ausflug in die Systemwelt war anregend. Und wirklich nicht teuer, selbst für einen Geizhals wie mich.

Fotos: Shavelab

Markiert mit , , .Speichern des Permalinks.

12 Responses to 6 Wochen mit System

  1. AvatarTrevcher says:

    Danke für den Artikel! Mir gefällt der Rasierer sehr gut.

  2. AvatarRasierer Test says:

    Rein preislich ist der Shave-lab ja schon günstig. Gerade in Bezug auf deine Erfahrung würde ich das Modell ein Schnäppchen nennen.

  3. AvatarFirst Shaver says:

    Hallo,

    ich bin ein grundsätzlicher „Systemrasierer“ … weil ich Angst vor der Hobelei und Messerschwingerei habe. Will mir mein Gesicht nicht zum Übungsacker für meine Versuche machen. Der Systemrasierer erbringt also ein ähnlich gutes Ergbnis? Das ist schön, denn ich weiß ja nicht, wie es wäre wenn. Ich lege dann das Geld in Rasierseife, Aftershave UND Systemrasiererklingen an.

  4. Es kommt wirklich nicht drauf an, mit welchem Gerät du das Barthaar abschneidest: Messer und Hobel haben vielleicht dadurch einen kleinen Vorteil, dass man bei Ihnen den Klingenwinkel händisch feinjustieren kann. Dieser „Vorteil“ sollte sich aber – wenn man die Haut beim Rasieren korrekt straff zieht – im Bereich <1mm bewegen.

  5. AvatarPeterchen says:

    Interessant, dass es auch andere Hersteller für Systemklingen gibt. Habe bis jetzt immer nur die bekannten von Wilkinson und Gillette getestet. Vielen Dank für die Information.

  6. AvatarTobi says:

    Durfte den Shave Lab mit den 6.1 Klingen ebenfalls testen.

    War vom Set selbst super begeistert. Als dann die zweite Fuhre Klingen kam (leider nur 6er-Klingen ohne Trimmer, die 6.1er waren nicht verfügbar), war ich nicht mehr ganz so zufrieden. Die sind gefühlt deutlich stumpfer.

    Werde jetzt nochmal die 6.1er bestellen. Wenn die auch wieder nichts taugen, suche ich mir wieder eine neue Alternative.

  7. AvatarMartin says:

    Ich bin sehr zufrieden mit dem Rasierer. Die Klingen sind super, auch wenn sie etwas teurer sind. Aber Qualität hat eben seinen Preis

  8. AvatarJohannes says:

    Eine super Idee das mit dem Hobel Rasierer, habe leider noch keine Erfahrung damit, werde es sicherlich auch testen.
    Da gibt es viele unterschiedliche Qualitäten und die Preisspanne ist auch enorm zwischen einzelnen Marken.
    Gibt es da eine Empfehlung?

  9. AvatarDennis Zens - Del Tiglio says:

    Hallo,
    also ich selber muss sagen, dass ich es auch besser finde sich nass zu rasieren, da man so immer ein sauberes Ergebnis erzielt. Im Grunde genommen gebe ich aber auch dem Artikel recht, wenn gesagt wird, dass es im Endeffekt egal ist womit man sich rasiert hauptsache am Ende wird das Ergebnis ein sauberes sein . Grüße

  10. AvatarBa-Long Nguyen says:

    Hey,
    dieser Blog gefällt mir echt gut und ist sehr informativ.
    Besonders gefällt mir das Webdesign, was sehr ruhig und angenehm wirkt.

    Mfg Ba-Long

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!