Tour de France 2012 – 5. Etappe

Unser Tour-Tagebuch zur 99. Auflage der Grande Boucle erscheint renntäglich auf “Männer unter sich”. Ein kurzer Kommentar zur bevorstehenden Etappe, das Profil, Team-Check und Plat du Jour, unser Tagesgericht. Das sind unsere Rubriken.

Eigentümlich sind sie, diese Überführungsetappen bei der Tour de France. Auf dem Papier ist alles klar und dann passieren doch seltsame Dinge. Richtige Berge, die Löcher reißen könnten,  gibt es nicht. Diese Etappen sind fette Beute für die Sprinter.

Die Teams machen Pläne. Bei MuS tippe ich (selbstverständlich tippspielfrei) einen Etappensieger. Doch das Peloton entwickelt auf diesen Etappen ein Eigenleben. Gestern hat es in Gestalt von Robert Hunter Mark Cavendish, den glasklaren Sieger der Etappe aus dem Finale gekegelt – zum Glück innerhalb der 3 Kilometer-Zone.

Die Tour endet auf den Champs-Élysées in Paris – alles andere steht bei dieser Tour 2012 zur Verhandlung!

Heute gibt es übrigens Gelegenheit über die Champs-Élysées zu schlendern. Allerdings nicht in Paris – das heutige Etappenziel Saint-Quentin hat seine eigenen Elysischen Felder mitten in der Stadt.

Das wird eine Roller-Etappe. Bergfrei dürften Ausreißer keine Chance haben weg zu kommen. Es sei denn es findet sich eine Gruppe von 10, 15 Fahrern, die ausreichend Geschwindigkeit aufnehmen können. Die Sprintermannschaften werden das zu verhindern wissen.

Es geht durch die Picardie. Bauernfrankreich. Heimatland des famosen Zartgemüses aus der Dose. Endlose Felder. Erbsenfelder – sattes grünes Land, soweit das Auge reicht. Und man schprischt dieschesch komische Franzsösisch. Ich war elf. Französisch war es nicht – ich hatte ja schon ein halbes Jahr. Holländisch war es auch nicht. Das musste Belgisch sein. Ja, so sprechen die Belgier, belgisch.

Fakten:
Rouen – Saint-Quentin. Länge: 196,5 Kilometer. Profil: platt, platt, platt. Bergwertungen? Nada. Sieger: Greipel. Jetzt hat er einen Lauf.

Ein Profil als cc-Bild gab es heute natürlich wieder nicht. Die Profilzeichner bei Wikipedia mögen wohl nur Bergetappen.

Team-Check – Heute: Europcar (Mietautos)
Jaha, Europcar. Zweite Liga, wie Cofidis, aber bei den Franzosen ganz hoch im Kurs. Gestern war Schaulaufen von Yukiya Arashiro – dem einzigen Japaner im Feld. In der Ausreißergruppe war er bis kurz vor Schluss vorne mit dabei. Und natürlich Voeckler nationale. Zehn Tage fuhr er im vergangenen Jahr im Gelben Trikot. Aussichtslos. In Frankreich mag man diese Typen. Ein Gegenentwurf zu Armstrong. Und: Ein letzter Gedanke an Rouen, den Startort der heutigen Etappe: Anquetil war Sieger der Vernunft. Polidor war Sieger der Herzen.

Seit 2003 im professionellen Radsport unterwegs: Yohann Gène aus Guadeloupe bei seiner zweiten Tour-Teilnahme während des Prologs in Lüttich

 

Plat du Jour: Carbonade Flamande
Im Süden nennen sie es Daube und werfen ein paar schwarze Oliven in den Topf. Spätestens seit Julia & Julia wissen wir, dass es in der Mitte Frankreichs Bœuf bourguignon heißt und das Wein dran gekippt wird. Und hier im Norden ist es eben die Carbonade Flamande mit Bier.

Genug Vorgeplänkel. Jetzt geht’s an den Herd.

Zuvor geht es allerdings an die Metzgertheke des Vertrauens. Diese ubiquitären, viereckigen Päckchen mit Vorgewürfeltem nehmen wir noch nicht mal im Augenwinkel wahr, sondern sagen – an der Theke angekommen: ”Hesse, bitte!”

Wenn der Fleischereifachverkäufer dann anfängt zu deklamieren à la: “Und immer, wenn die Gier Erfüllung fand, Sank eine selige Phantasie ins Grab, Hielt ich nur Fleisch in der enttäuschten Hand”, zeigen wir auf die Wade, halten die Zeigefinger wie Ochsenhörner an den Kopf und dann sollte der Groschen aber fallen.

Zwei Kilo soll er einpacken. Schneiden übernehmen wir selbst. Drei Zentimeter Kantenlänge haben sich als optimal erwiesen. Jetzt geht ein guter Esslöffel Butterschmalz in den Schmortopf und bei maximal mittlerer Hitze schmurgeln wir ein Kilo Zwiebelringe schön braun. Jetzt kommen die Fleischwürfel in den Topf. Anbraten kann man sich getrost schenken, denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass es unnötig ist.

Nötig ist allerdings, dass ordentlich Pfeffer und Salz und zwei Esslöffel brauner Zucker an die Sache kommen und das mit bière rouge abgelöscht wird – einen knappen Liter braucht man schon. Hövels sollte ersatzweise gehen.
Spekulatius oder Gewürzbrot rein krümeln? Bisschen Senf dazu, weil das Hövels doch nicht so den süß-säuerliche Geschmack bringt? Knofiwürfel mitschmoren? Alles geht. Nur sollte es Minimum 2,5 Stunden schmoren. Besser drei.

Foto Saint-Quentin von Hullie22 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons
Foto Prolog: Carsten Sohn (alle Rechte vorbehalten)
Foto Carbonade par Jiel Beaumadier (http://jiel.b.free.fr) (Travail personnel) [GFDL  ou CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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