Was drunter oder nicht?

Als „umstrittenes Kleidungsstück“ haben die Kollegen vom Gentleman-Blog das Männerunterhemd bezeichnet, und sie haben damit vollkommen recht. Männerunterhemden polarisieren, vielleicht auch deshalb, weil das Unterhemd relativ spät den Weg in den männlichen Wäscheschrank fand. Bis in etwa zur Französischen Revolution trug der Mann von Welt als Unterhemd nämlich sein Nachthemd, nonchalant in die Hose gestopft. Fa. Schiesser ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts ein sogenanntes „Knüpftrikot“ patentieren, damit war der endgültige Durchbruch für dedizierte Unterwäsche erreicht. Ob und was man dann bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts unterm Hemd trug, weiß niemand so genau. Die Unterwäsche sollte nicht zu sehen sein, und gesprochen wurde über „sowas“ schon gar nicht. Doch dann kam Marlon Brando…

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Video-Link: http://youtu.be/S1A0p0F_iH8

Mit dieser einen, epochemachenden Szene aus „Endstation Sehnsucht“ setzte er das Männer-Unterhemd auf die Agenda. Seitdem stellen sich Männer aller Altersklassen die Frage: Unterhemd – ja oder nein?

Geradezu exemplarisch ist die Diskussion, die ich bei „Gute Frage“ gefunden habe: Unterhemdler und Hemd-Puristen stehen sich erbittert gegenüber, die Fronten sind verhärtet.

Wobei jede Seite gewichtige Argumente für ihr Tun in die Waagschale zu werfen hat. Nicht wegzudiskutieren ist die Tatsache, dass ein Unterhemd wärmt. Die Frage ist jedoch: ist das überhaupt erwünscht? Besonders im Sommer erscheint dieses Argument unsinnig, da sehnt man sich doch eher nach einer Abkühlung.

„Aber der Schweiß!“, wird sofort von der Unterhemden-Fraktion nachgelegt, „der sammelt sich doch im Unterhemd, gerade dadurch macht sein Tragen im Sommer doch Sinn.“ Wobei mir wirklich nicht ganz klar ist, warum es angenehm sein soll, unterm relativ trockenen Hemd einen verschwitzten Fetzen Feinripp zu tragen.

Aber wenigstens im Winter, da ist die wärmende Wirkung eines Unterhemdes doch nicht zu unterschätzen, oder? Wobei: ist ein Pullover, über dem Hemd getragen, nicht effektiver? Und müssen wir uns wirklich noch nach dem Zwiebelprinzip kleiden, dass in unbeheizten Raubritter-Burgen sicherlich Sinn gemacht hat, im Zeitalter von Klimaanlagen und Zentralanlagen jedoch als Anachronismus anmutet?

Spannende Frage? Dann beteiligt euch gern an unserer kleinen Umfrage und tauscht in den Kommentaren eure Argumente für und gegen Unterhemden aus. Also, Butter bei die Fische Feinripp bei die Unterhemden: Wie sieht das bei euch aus?

Tragt ihr was drunter?

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Foto: von JLR64 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wir bedanken uns bei unserem Leser Frank-Thomas, der uns auf dieses spannende Männerthema gebracht hat.

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11 Responses to Was drunter oder nicht?

  1. SK says:

    Ich trage meistens die Unterhemden, die ich von meiner Bundeswehrzeit habe, allerdings nur die mit Halbarm. Es fühlt sich angenehm an, ist auch bei zwei offenen Hemdknöpfen nicht sichtbar und kann für ein paar Euro das Stück neu nachgekauft werden. Der Grund dafür wurde ja schon im Text genannt: Man sieht keine Schweissflecken, sollten mal welche auftreten. Da hab ich auch im Sommer lieber eine Kleidungsschicht mehr an.

  2. Carsten says:

    Vom Style nicht zu überbieten sind die Netzunterhemden von Brynje aus Norwegen. Trug mein Großvater beim allmorgendlichen Gang zum Thermometer am Bienenschauer. – „Fünf Grad unter! Oh, oh, oh!“ In der Praxis auf dem Rad haben sich bei mir im Winter Unterhemden mit Windshield bewährt. In der Übergangszeit Stretchzeug aus Funktionsfasern. Im Alltag finde ich sie lästig.

  3. Ich bin Nicht-Unterhemdler, woran größtenteils die Werbung der Fa. Schiesser in den 70er Jahren schuld ist: die kam dermaßen spießig rüber, das hat damals fast alle jungen Männer aus den Unterhemden getrieben.

  4. Michael says:

    Ich habe – soweit ich mich erinnern kann – genau einmal in meinem Leben ein Unterhemd getragen, für ungefähr 5 Minuten – seitdem nie wieder. Finde ich sowohl im Sommer als auch im Winter unnötig – im Sommer sieht man Schweißflecken auch trotz Unterhemds, im Winter zieht man darüber etwas an. Außerdem sehen sie mMn einfach nicht gut aus, sind nicht so angenehm wie gute Hemden und außerdem zum Accessoire #1 des Proleten und Goldketten-Rappers geworden.

  5. Frank-Thomas says:

    Das Hemd hemmt! Wenn es nicht gerade Minus-Temperaturen sind, kann ich gerne
    auf diensen Brustpanzer verzichten. „Ohne“ ist luftiger und spart ausserdem noch
    Wäsche… Dieses Jahr schaff ich ’s garantiert unterhemd-los.

  6. oli says:

    Ich trage Unterhemden gern unter den Hemden meiner Dienstuniform, denn diese sind mit Kunststofffasern durchwebt wegen der Knitterunempfindlichkeit. Aber genau dadurch kann gerne mal ein Scheuern auftreten, vor allem im Hosenbund- und Ärmelbereich. Da mein Arbeitsplatz klimatisiert ist, ist das auch im Sommer noch ganz erträglich…

  7. september-blogger says:

    Der Blick in den Badezimmerspiegel sagt mir: das blütenweiße Feinrippunterhemd ohne Arm bringt den trainierten Sportleroberkörper gut zur Geltung, insbes. wenn man Haltung annimmt und die Bauchpartie ein wenig strafft. Aber wo könnte ich so gekleidet herumlaufen?

  8. Emr says:

    Ohne geht gar nicht!
    Die Vorteile im Winter (Wärmen) im Sommer (Schweißflecken) sind für mich eindeutig.

  9. Tommy says:

    Weil ich mir genau diese Frage auch gestellt habe, habe ich viel ausprobiert: ohne Unterhemd, Feinripp und vieles mehr…. Letztlich haBe ich dann glücklicherweise das unsichtbares Unterhemd von Schaufenberger (www.schaufenberger.de) gefunden. Einfach Klasse, den man hat etwas drunter aber
    man sieht es nicht.

  10. Chrischan says:

    Ich trage immer die klassische Unterhemden, ob Fein- oder Doppelripp, weiß oder farbig, Marke oder die der Bundeswehr.
    Es ist mir egal, ob sich das Unterhemd abzeichent oder ob es durchschimmert. Lieber so, als weiße T-Shirt-Ärmel die aus den Ärmeln von Polo- oder Kurzarmhemden rausgucken.
    Für mich ist der Sommer mit einem Unterhemd erträglicher, da der Schweiß aufgenommen wird und im Winter wärmt.
    Also komplett Pro Unterhemd!

  11. Frank-Thomas says:

    Männer, die Zeit rast nur so…sehe gerade, meine
    Unterhemden-Umfrage war von 2012! Trotzdem will ich’s
    immer noch wissen: Was habt ihr unterm Hemd?
    Los, traut euch…

    euer Frank-Thomas

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