Kleines Seminar über das Pfeiferauchen III – Tabak und Rauch

Pfeifenraucher Günter Grass

Selbst kleinere Rauchwaren-Fachgeschäfte (nicht gemeint sind: Zeitungshändler) bieten dem Pfeiferaucher eine staunenswerte Vielfalt unterschiedlicher Markentabake an. Bei den grossen Pfeifenhändlern kommen zur erweiterten Auswahl auch noch spezielle Manufakturerzeugnisse sowie Importe hinzu. Unterscheiden lassen sich die Angebote nach dem blending (der Mischung der verwendeten Tabaksorten und der Aromatisierung) sowie dem Schnitt. Je gröber die Schnittbreite, desto kühler lässt sich der Tabak rauchen.

Viele gängige Tabakmischungen vereinen Virginia-, Burley- und Cavendishsorten zu einem runden Bouquet. Als besondere Spezialität dürfen flakes gelten, gepresste Tabake, zumeist aus reinem Virginia. Deutlich lassen sich beim Pfeifentabak Geschmacksnote und Raumnote unterscheiden: der Raucher nimmt den Rauch ganz anders wahr als seine Umgebung. Wenn die Umstehenden ihre Nasen rümpfen, dann sind die Würztabake Latakia und Perique im Spiel – für den Raucher selbst sind solche english blends ein großer Genuss!

Zu Geschmack und Duft können auch Aromatisierungen beitragen. Ein wenig Vanille oder Honig? Das hört sich gut an und macht auch beim Schnüffeln an der Tabakdose Eindruck. Viele Tabake sind jedoch über die Maßen sauciert, der Tabak selbst kommt nicht recht zur Geltung. In der Pfeife bilden sich zudem Kondensate sowie zuckrige Ablagerungen. Im Sinne des Wohlgeschmacks und der Pfeifenpflege entscheide ich mich für allenfalls leicht aromatisierte Tabake.

Wie soll man sich in der Angebotsfülle zurecht finden? Wer zehn Minuten Zeit hat, läßt sich von Pfeifenfreund Dieter Niermann auf YouTube eine übersichtliche Einführung geben. Anschließend, im Fachgeschäft, gibt der Pfeifenhändler gern weitere Erläuterungen, lässt an den Mischungen riechen, füllt Probierportionen zum Mitnehmen ab und macht Angaben zum Nikotingehalt (da gibt es große Unterschiede).

Pfeifenraucher Herbert Wehner

Die gewisse Kunst besteht darin, den Tabak „kühl“ zu rauchen. Bei einer niedrigen Verbrennungstemperatur entfaltet sich das Aroma am besten, die Zunge verbrennt nicht, und es bildet sich kaum Kondensat im Pfeifenholm. Dazu muss die Pfeife richtig gestopft werden – nicht zu fest und nicht zu locker. Beim Probezug an der noch unentzündeten Pfeife darf man einen nur leichten Widerstand spüren.

Beim Anbrennen bäumt sich der Tabak in der Brennkammer auf und muss mit dem Pfeifenstopfer sanft nachgedrückt werden. In der Regel geht die Pfeife nun aus und wird neu entzündet. Bei Pfeiferaucher-Wettbewerben („Wer kann am längsten?“ – Was es nicht alles gibt!) werden zur abgewogenen Tabakmenge genau zwei Streichhölzer verteilt. Normalerweise muss man den Tabak allerdings wiederholt neuentzünden.

Als die ersten Europäer Bekanntschaft mit dem Tabak machten, war davon die Rede, dass der Rauch „getruncken“ werde. Das ist immer noch ein passender Ausdruck. Trinken und nicht inhalieren; trinken und nicht saufen. Der Pfeifenkopf soll nicht heiß werden. Bei einer übermäßigen Hitzeentwicklung würde Kondensat aus dem Mundstück tropfen.

An dieser Stelle ein Nachtrag zum vorangegangenen Kapitel über die „richtige“ Pfeife. Es muss nämlich unbedingt die Meerschaumpfeife erwähnt werden, wenn es um das kühle Rauchen geht. Meerschaum ist ein hitzebeständiges, feinporiges und leichtes mineralisches Pfeifenmaterial, das auch Ungeübten einen wunderbar kühlen Rauchgenuss bietet. Allerdings ist es bruchempfindlich. Die Pfeifen werden einzeln in besonderen Etuis verwahrt und sind recht unpraktisch für den Alltagsgebrauch.

Die Pfeife wird idealerweise aufgeraucht, so dass kaum unverbrannter Tabakrest im Kopf verbleibt. Keinesfalls soll eine angerauchte und dann abgekühlte Pfeife neu entzündet werden. Das schmeckt scheußlich!

© Enrico Troebst

Dieses kleine Pfeiferauchen-Seminar wird demnächst mit einem Kapitel über „Pfeifenpflege und -zubehör“ fortgesetzt. Autor Enrico Troebst ist zwischenzeitlich im September-Blog – Wenn man nicht mehr vierzig ist anzutreffen.

Schon nächste Woche in unserer „Smoker’s Corner“: Mittelalterliche Tabakpfeifen schnitzen als Hobby.

Foto Grass: Florian K. under CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Foto Wehner: Bundesarchiv, Bild 175-Z02-00866 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], durch Wikimedia Commons 

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8 Antworten zu Kleines Seminar über das Pfeiferauchen III – Tabak und Rauch

  1. AvatarUwes sagt:

    Ist eine Pfeife eigentlich „gesünder“ als eine normale Zigarette? Weil ich selbst bin Raucher und bin halt am Überlegen,es langsam zu reduzieren. Eigentlich wollte ich das ja mit so einer E-Zigarette machen, hab dann aber hier gelesen, dass das gar nciht der Rauchentwöhnung dient(ziemlich weit unten), sondern eher ein modisches Mittel sei. Daher dachte ich mir warum denn nicht die Pfeife probieren,die wird man ja schon nicht so oft rauchen wie eine Zigarette. Falls jemand also super darüber Bescheid weiß,würd ich mich über einen Tipp freuen. Viele Grüße Uwe

  2. Avatarseptember-blogger sagt:

    Jedenfalls wird der Pfeifenrauch nicht inhaliert, womit die gesundheitliche Belastung der Bronchien und der Lunge reduziert ist. Aber Nikotin, das beim Pfeiferauchen über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, ist ein starkes Nervengift. Das wirkt sich auf die Fitness aus, lässt die Haut altern und was nicht sonst noch alles.

    Mit der Pfeife ist mir allerdings gelungen, woran beim Zigarettenrauchen seinerzeit nicht zu denken war: Ich kann auch mal verzichten und einen halben Tag lang nicht rauchen.

  3. Eigentlich kann ich da nicht mitreden, ich bin seit bald zehn Jahren Nichtraucher.:) Aber: als ich noch geraucht habe, ist es mir gelegentlich gelungen, meinen Zigarettenkonsum durch Zigarren und Zigarillos (die ich nicht inhaliert habe) deutlich einzuschränken. Das sollte also auch mit einer Pfeife funktionieren.

    Wie ist das eigentlich mit Pfeifentabak: Hat man da Tabak pur, oder werden da auch die berüchtigten Zusatzstoffe wie bei den Zigaretten untergemischt?

  4. Avatarseptember-blogger sagt:

    Zusatzstoffe im Pfeifentabak: Ein delikates Thema. Das Lebensmittelgesetz und die Tabakverordnung erlauben bestimmte Mittel, die die Feuchtigkeits-, Klebe- und Brandeigenschaften des Tabaks beeinflussen. Bestimmte Zusatzstoffe werden ausdrücklich verboten. Der Pfeifenfreund Joachim Acker hat verdienstvollerweise eine Übersicht erstellt:
    http://www.pfeife-tabak.de/Artikel/Tabakkunde/Zusatzstoffe/Zusatzstoffe.htm

    Meines Wissens gibt es nur (Zigaretten-)Feinschnitttabake, die erklärtermaßen keine Zusatzstoffe enthalten.

  5. Avatarronald sagt:

    habe mal eine frage. vieleicht kann mir ja jemand helfen. ich habe mehrere sehr schöne kleine meerschaumpfeifen geschenkt bekommen. wie und mit welchem tabak raucht man eine pfeife mit einem solch kleinem pfeifenkopf.
    vielen dank imvorraus.

    mfg ronald

    • AvatarEnrico Troebst sagt:

      Bei Meerschaumpfeifen braucht in der Tabak-Wahl nichts Besonderes beachtet zu werden. Für einen kleinen Kopf (aber auch für Mittelgroße) kann ich „MacBaren Scottish Blend“ empfehlen: brennt zuverlässig, ist mittelstark, schmeckt nach Tabak (und nicht nach Feige, Lakritz, Vanille oder sonstwie).

      Ich wünsche ein angenehmes Rauchvergnügen.

  6. Avatarronald sagt:

    vielen dank

    mfg ronald

  7. AvatarMichael sagt:

    Neben Dieter Niermann sind auch die Beginner-Videos von Ralf Dings alias „Ralligruftie“ eine echte Empfehlung: https://youtu.be/xnxSf3iQIw0.

    Der Zugwiderstand nach dem Füllen (Stopfen ist eigentlich ein grundfalsches Wort) der Pfeife wird meist so beschrieben: „als wenn man Wasser durch einen Strohhalm aus einem Glas trinkt“.
    Das ist nicht ganz falsch, aber eigentlich auch nicht ganz richtig. Bei Pfeifen mit Filter hat der Filter selbst bereits den oft zitierten Zugwiderstand. Generell raucht sich eine Pfeife erfolgreich, wenn man die Dichte des Befüllens auf den Tabak abstimmt, den man einfüllt. Bei schmal geschnittenen Mixtures (oft englische Art) kann der oben beschriebene Zugwiderstand Sinn machen. Wild Cut Mixtures (gemischte Schnittarten mit Stücken von Flakes, Curlies, usw.), Ready Rubbed Tabake, Breitschnitte (> 3,5mm) und Cubes dagegen dehnen sich unter Feuer mehr oder weniger stark aus und brauchen dafür Platz. Hier kann es angeraten sein, die Pfeife bewusst leicht zu befüllen und den Tabak vor dem Anzünden möglichst wenig oder gar nicht zu verdichten. Nach den ersten Zügen wird sich der Tabak etwas ausdehnen und so den gewünschten Zugwiderstand selbst herstellen.

    Für sehr kleine Köpfe taugen üblicherweise fein geschnittene Mischungen am besten. Ein spezieller Tipp wäre hier der Exclusive Royal. Wild Cut Mischungen wie MacBarens Mixture Scottish Blend (sehr angenehmer Tabak) brauchen dagegen Platz und können sich in kleinen Köpfen nicht richtig entfalten. Effekt: Der Tabkak bleibt geschmacklich flach. Kenner empfehlen für die MacBaren Mixture richtig große Pfeienköpfe der Spielart „Giant“. Eine gut mittelgroße Pfeife (Innenmaße z.B. 20mm x 40mm) kann ihr auch schon einiges entlocken.

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