Kleines Seminar über das Pfeiferauchen II – die richtigen Pfeifen

Pfeifenraucher Siegfried Lenz

Willkommen zur zweiten Lektion. Welches die „richtigen“ Pfeifen sind, kommt im Einzelnen natürlich immer auf den individuellen Raucher an. Aber eine hat jeder in seiner Sammlung: Die Kleine Schwarze. Dies ist die Pfeife für alle Gelegenheiten und Umstände (Büro, Strandkorb, Raucher-Lounge), mit mittelgroßem Kopf für nahezu jede Tabak-Schnittgröße. Sie ist relativ pflegeleicht, schmeichelt der Hand und passt in die Hosentasche.

Die Kleine Schwarze ist natürlich aus Bruyere-Wurzelholz, weshalb die Engländer Tabakpfeifen auch briars nennen. Diese Heidepflanze wächst im Mittelmeerraum. Ihr Wurzelholz ist hart und relativ unempfindlich gegen die Temperaturen der Tabakglut. Seine Farbe erhält das Holz durch Beizen. Gängig sind Rot- und Brauntöne sowie schwarz.

Bei der Pfeifen-Wahl fallen technische wie ästhetische Gesichtspunkte gleichermaßen ins Gewicht. Um mit der Größe zu beginnen: Von ihr hängt nicht nur die Länge des Rauchvergnügens ab („mehr Fassungsvermögen gleich mehr Rauch“). Auch muss das Brennkammer-Volumen zum bevorzugten Tabak passen – je feiner der Schnitt, desto kleiner sollte die Kammer sein. Wer die Pfeife oft im Munde behält, darf sie nicht zu groß bzw. schwer wählen, wobei die Ausformung des Mundstückendes (Fachausdruck: „der Biss“) sowie die Gestaltung von Holm und Mundstück (gebogen oder gerade) Wirkung zeigen (nämlich: Hebelwirkung). Im Fachgeschäft darf man Pfeifen daher anprobieren. Der Händler hält dazu Plastiktüllen bereit, die über das Mundstück gezogen werden.

Pfeifenraucher Mark Twain

Das Auge raucht mit. Deshalb findet die Maserung des Pfeifenholzes genaue Beachtung. Beliebt sind birdeyes und grains: gleichmäßig gefleckte bzw. gestreifte Strukturen. Diese kommen auch bei sandgestrahlten Pfeifenköpfen zur Geltung. Unter dem Sandstrahl werden weichere Holzanteile weggeblasen. So entsteht eine rauhe, griffige Struktur. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat einen besonderen Nutzen: die Oberfläche des Pfeifenkopfes ist physikalisch gesehen größer geworden, was die Kühlwirkung verbessert. Wer mich fragt: die Kleine Schwarze sollte eine sandblasted sein.

Eine brauchbare Bruyere-Pfeife ist mit Carnaubawachs behandelt. Dieses hat einen hohen Schmelzpunkt und bleibt, anders als eine Lackierung, unter den in Frage kommenden Wärmeeinwirkungen stabil.

Das ideale Material für das Pfeifen-Mundstück ist das bissfreundliche Ebonit, eine Kautschukzubereitung. In den letzen Jahren wird jedoch hauptsächlich Acryl verwendet, woran man sich allerdings die Zähne ausbeißen kann. Begründet wird dies mit dessen Pflegeleichtigkeit. Ebonitmundstücke verfärben nämlich mit der Zeit. Ich halte das für einen, Verzeihung, Hausfrauen-Tick. „Hauptsache sauber!“ Meister Proper lässt grüssen.

Ein Kaufinteressent nimmt das ins Auge gefasste Stück auseinander, um die Bohrung im Zugkanal des Pfeifenholmes zu kontrollieren. Dieser muss gerade auf den Boden der Brennkammer auftreffen. Anderenfalls ließe sich die Tabakportion nicht aufrauchen. Es verbliebe dann ein feuchter Tabakrest, was auf Dauer den Geschmack beeinträchtigen würde (die Pfeife „versumpft“).

Papierfilter oder solche mit Aktivkohle? Nach meiner Auffassung keines von beiden! Denn das ist wieder so eine Meister-Proper-Frage. Wer den „richtigen“ Tabak wählt und „kühl“ zu rauchen versteht, der braucht keine Filter. Dazu in der nächsten Lektion mehr.

Was eine gute Tabakpfeife kostet? Es läuft letztlich immer auf die Summe hinaus, die man erübrigen kann. Um eine Hausnummer zu nennen: ab fünfunddreißig Euro aufwärts. Tipp: Ladenhüter, die zu Sonderpreisen angeboten werden, sind keine schlechten Pfeifen. Sie haben bislang nur keinen Käufer gefunden. Meine erste Dunhill war so ein „Angebot“. Ich erinnere mich daran, wie ich drei Tage lang um die Vitrine bei Kärnbach‘s in Berlin-Steglitz herumgeschlichen bin, bevor ich mich dann für die immer noch erhebliche Ausgabe entschied. Ein wunderbares Stück, keine Reue!

© Enrico Troebst

Wie’s weiter geht mit diesem Pfeiferaucher-Seminar? Das nächste Kapitel wird das Thema „Tabak und Rauch“ behandeln. In der Zwischenzeit schreibt Autor Enrico Troebst an seinem September-Blog – Wenn man nicht mehr vierzig ist.

Foto Siegfried LenzBundesarchiv, B 145 Bild-F030757-0015 / Schaack, Lothar [CC-BY-SA-3.0-de], durch Wikimedia Commons
Abbildung Mark Twain James Carroll Beckwith [Public domain], durch Wikimedia Commons

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