Kleines Seminar über das Pfeiferauchen I – Einführung: Geschichte und Kultur

Pfeifenraucher Georges Brassens

Vielleicht sollte ich zuerst meine Absichten darlegen. Man weiß ja nie, wer alles mitliest, und wessen ich mich verdächtig machen könnte. Will ein Gourmet-Kolumnist sein Publikum zur Völlerei animieren? Oder will ein Weinkenner seine Leser besoffen machen? Auch ich bin ein lasterhafter Mensch, der gern darüber schreibt, wovon er etwas versteht. Ich berufe mich dabei auf die Freiheit des Wortes und denke, dass meine Leser die Verantwortung für ihr eigenes Handeln selbst übernehmen können.

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Die europäischen Eroberer haben Pfeife, Tabak und Zigarre aus der für sie selbst „Neuen“ Welt mitgebracht und nach eigenen Bedürfnissen kultiviert. Das Tabakrauchen oder -schmauchen ist der Verzehr eines milden Rauschmittels zur Entspannung. Der Gelegenheiten zur Muße sind in Europa indes immer weniger geworden, weshalb schließlich die Zigarette erfunden werden musste. Und zuletzt ist auch für diese keine Zeit mehr – so nämlich kann man die allerorts verhängten Rauchverbote auch interpretieren.

Pfeifenraucher Georges Simenon

Dem Rauschmittel-Genuss haben Menschen seit jeher handwerkliche Aufmerksamkeit gewidmet. Das bezeugen kunstvoll gestaltete Teegeschirre, Opiumpfeifen, Weinkaraffen, Absinthlöffel oder Schnupftabak-Dosen. Der Gebrauch kunstwerklicher Geräte entfällt freilich, wenn Suchtverhalten den Genuss nicht mehr in eine zeremonielle Gestaltung einbinden kann. Dann kann auch aus der Flasche getrunken werden, oder es reicht ein Spritzbesteck bzw. der Teebeutel im Pappbecher. Das Allerneueste in dieser Hinsicht sind elektronische Zigaretten.

Pfeiferaucher jedenfalls wenden viel Sorgfalt für ihre Passion auf. Bereits die Anschaffung geeigneter Pfeifen sowie die Wahl eines neuen Tabaks verlangt umständliche Überlegungen und wird im Fachgeschäft lange diskutiert (nach Ladenschluss kann die Unterhaltung dann in Internetforen fortgesetzt werden).

Der Liebhaber weiß von jedem seiner Sammlerstücke eine kleine Geschichte über Ort und Umstände des Erwerbs zu erzählen. Nun ist es nicht gebräuchlich, Pfeifen Namen zu geben. Im Gespräch verständigen sich die Kultanhänger daher mittels der Pfeifenformen und Fabrikate. Da gibt es prestigeträchtige Namen wie Dunnhill, Savinelli oder BBB. Andere Raucher bevorzugen Handmades aus kleinen Werkstätten. Bei Manufakturpfeifen ist London made die absolute Spitze. Wenn es im Fachgespräch wirklich zur Sache geht, dann werden Fabrikatsstempel und Seriennummern genannt. It‘s like train spotting.

Warum das Pfeiferauchen weitgehend eine Männer-Angelegenheit geblieben ist? Genetisch läßt sich das jedenfalls nicht begründen, wie das Beispiel Dänemark zeigt. Ein kultureller Umstand also. Es ist noch nicht lange üblich, dass Frauen überhaupt in der Öffentlichkeit rauchen. Die ersten Zigaretten-Raucherinnen waren verrufen und haben große Aufmerksamkeit erregt. Ich will einmal die folgende Erklärung anbieten: Die feine Balance zwischen Aufmerksamkeit erregen und Zurückhaltung üben wird in unserer Zivilisation von Frauen und Männern unterschiedlich ausgependelt. Frauen bedienen sich dazu bevorzugt der Medien Schuhe und Handtasche. Männer hingegen kaufen sich das größtmögliche Auto. Und einige rauchen  Pfeife.

© Enrico Troebst

Autor Enrico Troebst schreibt nassrasiert und pfeiferauchend am September-Blog – Wenn man nicht mehr vierzig ist. Hier bei „Männer unter sich“ wird das Pfeiferauchen-Seminar demnächst mit dem Kapitel „Die richtigen Pfeifen“ fortgesetzt.

Fotos:  Erling Mandelmann / photo©ErlingMandelmann.ch / CC-BY-SA-3.0 , durch Wikimedia Commons

 

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