Überleben im Dschungel der Großstadt: Reales Payback

In der Serie “Überleben im Dschungel der Großstadt” begibt sich mike-o-rama für uns in die Wildnis Berlins und testet ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit Imbiss-Buden, Fast-Food-Restaurants, Supermärkte und Orte, die nie ein zurechnungsfähiger Mensch gesehen hat. Seine Berichte erscheinen auch auf dem Bewertungsportal qype.de.

Chuck Norris

Chuck Norris kann bei Subway ein Sandwich ordern, ohne eine einzige Frage beantworten zu müssen. Auch nach seiner Payback-Karte hat ihn noch niemand gefragt.

Der große Real-Supermarkt in Berlin-Treptow hat wirklich alles, ist gut sortiert, übersichtlich aufgebaut und preislich sehr günstig. Ein Einkaufsparadies sondergleichen. Tralala.
Warum ich da nicht mehr hingehe?
Ich kann nicht mehr. Ich sage nur Payback. Jeden Mittag habe ich mir dort mein Mittagessen geholt und jeden Mittag musste ich eine Frage beantworten:
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
Das habe ich anfangs noch mit einem freundlichen Lächeln quittiert und natürlich verneint, da ich es ablehne, dass ein großer Bruder mein Einkaufsverhalten speichert und analysiert, mich dafür mit Werbung zumüllt und im Gegenzug mit schäbigen Prämien auf Tschibo-Niveau sediert.
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
In den darauf folgenden Wochen wich mein Lächeln einem gequälten Grinsen, optisch muss es dem Clown aus Stephen Kings Film „Es“ ähnlich gesehen haben, denn so manche Kassenkraft schaute leicht entsetzt. Trotzdem beantwortete ich brav zwischen krampfartig zusammengebissenen Zähnen die mir gestellte Frage.
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
„Nein, danke der Nachfrage, ich habe keine Payback-Karte. Ich möchte auch keine, weil ich nicht will, dass eine Datenkrake weiß, was ich wann einkaufe, um daraus ein Einkaufsprofil zu erstellen, auf das irgendwann wahrscheinlich meine Krankenkasse, das Bezirksamt Pankow, die GEZ und Wolfgang Schäuble Zugriff haben.“
Die Kassenkraft schaute nur betrübt und konnte aber meinen immer noch freundlich gehaltenen Vortrag inhaltlich nicht so ganz mittragen.
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
Danach versuchte ich es mit wirrem Kopfschütteln…
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
… bösem Blick …
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
… und absoluter Kommunikationsverweigerung in Form eines grenzdebilen manischen Blickes ins Leere.
„Haben Sie eine Payb…“
„Hören Sie zu, ich hasse diese Frage, mir kommt es gerade vor als habe ich noch nichts in meinem Leben so sehr gehasst wie ihre verdammte tägliche Frage, die ich Ihnen im Übrigen schon mindestens gottverdammte 487 mal beantwortet habe. Ich habe keinen Bock mehr, hören Sie damit auf, ich bin ein nervlicher Gasdruckbehälter und Sie spielen mit einem Feuerzeug an mir herum. Lassen Sie es.“
„Haben Sie eine…“
„Hören Sie BITTE zu. Das ist Ihre letzte Chance. Ich habe keine verdammte Payback-Karte, lassen Sie in Gottes Namen endlich die Fragerei. Morgen komme ich mit einer Beretta und wenn ich auch nur noch ein einziges Mal diese Scheißfrage höre, dann schwöre ich bei James Hetfield, haben Sie diese Frage zum letzten Mal in Ihrem Leben gestellt.“
„Haben Sie…“
(…)
Ja gut, hier in der JVA Tegel ist es eigentlich auch ganz schön. Ich bekomme jeden Tag zu essen, habe eine Glotze in der Zelle und keiner – nicht mal mein Kumpel Olaf, der Wärter – will wissen, ob ich eine Payback-Karte habe. Nur in den Park würde ich gern mal wieder gehen, aber das wird wohl die nächsten 15 Jahre nichts.

Foto by Lou Hernandez (U.S. Air Force) (Originally from [1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

Markiert mit , , , .Speichern des Permalinks.

One Response to Überleben im Dschungel der Großstadt: Reales Payback

  1. AvatarGerrit Beuker says:

    Hat der Verfasser vorher meine Gedanken gelesen (ist auch bei Gedanken geblieben)?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!