Nein zu Olympia – wenn Funktionäre nicht mehr funktionieren

Dieses IOC hat hervorragend funktioniert...

Dieses IOC hat noch hervorragend funktioniert…

Am Wochenende haben in Bayern die Bürger der Gemeinden abgestimmt, die sich für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben wollten. Das Ergebnis war – für viele überraschend – deutlich: die Bürger haben mit »Nein« gestimmt. Damit ist die Chance auf die Winterspiele 2022 Geschichte, ob und wann es zu einer neuerlichen Bewerbung einer deutschen Stadt für Winter- oder Sommerspiele kommt, ist fraglich. weiterlesen…

Theaterkritk: KARL + ROSA – eine Weltpremiere im Theater Bonn

Erinnerungen

Der marxistisch orientierter Marburger Hochschullehrer Wolfgang Abendroth wies seine Studenten jahrzehntelang auf einen besonderen Widerspruch im Zusammenhang mit der deutschen Novemberrevolution hin: einerseits erklärte sich das damalige Zentralorgan der damaligen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der mehrmals täglich erscheinende „Vorwärts“, im politischen Teil vorn für die Ablösung des Acient Régime auch in Deutschland. Andererseits fanden sich bei den Kleinanzeigen hinten Reklame für die Freikorps als jene konterrevolutionären Kräfte, die die Revolution nicht nur wie die Pest haßten. Sondern strategisch gewaltsam gegen sie arbeiteten. weiterlesen…

Sommerlese – Buchempfehlungen von Richard Albrecht

Greser & Lenz sind ein inzwischen ganzdeutsch bekanntes Karikaturistenduo. Und auch ein Markenname. Karikaturisch ganz oben. Insofern mainstream. Bekannt wurden diese zwei beiden über ihre Farbkarikaturen für und in Titanic seit Mitte der 1990er Jahre. Seit Jahren zeichnen sie auch für die Frankfurzer Allgemeine Zeitung (FAZ). Endlich Energiewende ist dort ihr achter Band. Angelegt als Jahreschronik 2012. Einer der FAZ-Editoren bevorwortete. Der Leiter des FAZ-Ressorts „Innenpolitik“ textete. Zwischen den Buchdeckeln Schwarzweißes als Text-Bild. Nach dem Muster ein links: der Text, ein rechts: die Zeichnung. Und das zweiundneunzig Mal. Manchmal nett. Manchmal bissig. Manchmal bissignett. Manchmal nettbissig. Der Band beginnt mit der Karikatur „50 Jahre Türken in Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte“. Und endet mit einer Glosse zur „amerikanischen Familie“ nach der, im Doppelsinn, letzten Obama-Präsidentenwahl Ende 2012. Dazwischen Günter Grass poemische Wortmeldung „Was gesagt werden muss“, ausgelobt als Beitrag zum „diesjährigen Benzinpreis“. Und zur „Beschneidungsdebatte“ die weiterführende Spottfrage: „Wann kommen die Tellerlippenträger dran?“ Greser & Lenz eben. Inzwischen ein Markenname. Als Sommerschmunzellektüre geeignet.

Ein FAZ-Buch, ebenfalls gut und farblich gestaltet, ist auch der zweisprachige Text-Bild-Band mit Glossen zum Recht. Der deutsch(sprachig)e Titel ist doppelbödig: Alles was Recht ist. Der englische dröge runtergebracht auf: A Short Story About Law. Das hat mich grundirritiert. Trotzdem möchte ich´s Buch nicht blank verschenken. Der Sommer kann auch verregnet werden. Oder wenigstens lange Regentage bringen. Da bietet sich Lektüre von Büchern wie diesem an.

Wenn es denn so etwas wie einen Preis für linkssozialdemokratisches Mickey Mouse made in the GDR, Micky Maus á la DDR, gäbe – dann könnte Das kleine Schwarzbuch der deutschen Sozialdemokratie gute Auslobungschancen haben. Nicht wegen des dort auch veröffentlichten zahlreichen geschichtlichen „Liedguts“. Sondern wegen des Gut-Böse-Strickmusters zur SPD. Vor 1913/14 gut. Weil gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg. Dann böse bis heute. Als „Kriegspartei“ heute für „ehrliche Linke weder im Bund noch in den Ländern koalitionsfähig.“ Für meinen Geschmack ist das buchbestimmende chronologische Sündenregister des SPD-„Rechtsopportunismus“ so nötig wie zu oberflächlich: gut gemeint ist, wie hier, das Gegenteil von gut. Insofern bleibt für mich der Band intellektueller Dünnpfiff, lektüreresistent, nicht empfehlenswert. Und dies nicht nur zur Sommerszeit.

Demgegenüber ist Der aufrechte Gang intellektuell schwergewichtig. Auch wenn das schon 2013 in zweiter Auflage erschienene Buch1 nur etwa 666 Gramm wiegt. Autor ist ein in Münster „praktische Philosophie“ lehrender Universitätsprofessor. Er bemüht sich um verständliche Darstellung der Geschichte des anthropologischen Denkens und seiner jeweils doppelt vorhandenen organischen Grundlagen Arme und Beine. Gut gefallen hat mir das spezielle Kapitel über die philosophisch sichtbare (ökonomieideologisch von Adam Smith zur invisible hand des Marktes stilisierte) menschliche Hand als „absolutes Werkzeug“ (G.F.W. Hegel). Andere und jüngere Leser mögen ihren Zugang zum Buch übers „Kapitel vom Sex“ als besonderer menschlicher Entäußerungsform finden … und sich auch dieses für Sommerregentage vormerken.

Nicht jeder, der (wie Robert Michels) die Jahreszeiten Sommer und Winter für soziologische Grundkategorien hält2, muss zwischen Sommer- und Winterlese unterscheiden3. Mir ging´s hier um Lesbares für den Sommer 2013. Was voraussetzt, daß es diesen in diesem Jahr geben wird. Auch wenn´s in den Nachpfingsttagen hier im Südzipfel Nordrhein-Westfalens bei um zehn, zwölf Grad Celsius und seit Tagen wieder eingeschalteter Heizung heuer nicht danach ausschaut …

Vorgestellte Bücher:

Greser & Lenz, Endlich Energiewende. Die Chronik eines Jahres VIII. Frankfurt/Main: FAZ-Buch, 2012, 200 p., 13-978-3-89981-293-0, 17.90 €

Hanno Beck; Juliane Schwoch, Alles, was Recht ist / A short story about law. Zweisprachige Ausgabe. Frankfurt/Main: FAZ-Buch, 2012, 107 p., 13-978-3-89981-312-8, 17,90 €

Konstantin Brandt, Das kleine Schwarzbuch der deutschen Sozialdemokratie. Eine kurze Chronik der SPD von 1913 bis 2011. Berlin: Wiljo Heinen, 2012, 158 p., 978-3-939828-90-7, 7,50 €

Kurt Bayertz, Der aufrechte Gang. Eine Geschichte des anthropologischen Denkens. München: C. H. Beck, 2012, 415 p., 13.978-3-406-63848-0, 26,95 €

Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler, lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel und war 2002/07 Herausgeber von rechtskultur.de. Unabhängiges online-Magazin für Menschen und Bürgerrechte. Bio-Bibliographie -> http://wissenschaftsakademie.net

 

 

  1. Kurzer Rezensionsspiegel zur Erstauflage http://www.perlentaucher.de/buch/kurt-bayertz/der-aufrechte-gang.html
  2. Robert Michels, Soziologie als Gesellschaftswissenschaft. Berlin: Maritius, 1928 ( = Lebendige Wissenschaft IV): 54-64
  3. Richard Albrecht, WINTERLESE. Gelesene & nicht gelesene, nicht lesbare & zu lesende Bücher, Ende 2011: http://duckhome.de/tb/archives/9717-WINTERLESE.html

Fiktiver Freispruch – eine bürgerrechtliche These

Die bürgerrechtliche Kritik an der justiziellen Fallbearbeitung bayrischer Gerichte und Behörden. schließt an den Wiederaufnahmeantrag des Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate vom 19. Februar 2013 an. 1 Sie geht im Gegensatz zur Fachkritik etwa in den Juristenblogs von Oliver García, Henning Ernst Müller, Thomas Stadler und Gabriele Wolff weiter. Dem bis heute als rechtskräftig geltenden Landgerichtsurteil vom 8. August 2006 wird grundsätzlich die „Rechtsnatur“ (Gustav Radbruch) abgesprochen. Erstens wird der Charakter der „Anklageschrift“ vom 10. Juni 2005 hinterfragt, zweitens wurde die Zuständigkeit beim Landgericht Nürnberg-Fürth durch einen neuen Geschäftsverteilungsplan ab 2006 manipuliert, drittens hätte der Vorsitzende Richter Otto Brixner die Strafkammer nicht wie gesetzlich vorgeschrieben konstituiert und viertens läge auch über die Kammerbesetzung (zwei anstatt drei Berufsrichter in der Hauptverhandlung) kein rechtskräftiger Beschluß vor. Fünftens schließlich handelte es sich bei dem „Freispruch“ genannten Gerichtsentscheid vom 8. August 2006 2 und seiner Kostenregelung um einen strafrechtlich unzulässigen „fiktiven Freispruch“ 3

Der Autor Richard Albrecht lebt als freier Sozialwissenschaftsjournalist in Bad Münstereifel. Letzte Buchveröffentlichung: HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (Aachen: Shaker, 2011). Bio-Bibliographie im Netz -> http://wissenschaftsakademie.net

Über Ohnmacht

Der (fach)wissenschaftlich vernachlässigte Gegenbegriff oder das Antonym von Macht ist Ohmacht. Etymologisch, von der geschichtlichen Wortbedeutung her, wird das Substantiv oder Hauptwort umschrieben als Bewußtlosigkeit, Schwäche, Machtlosigkeit. Entsprechend bedeutet das Eigenschaftswort oder Adjektiv ohne Bewußtsein, kraft- und machtlos, nicht handlungsfähig. Damit geht es auch um jeweils fehlendes Bewußtsein und blockierte Handlungsfähigkeit. weiterlesen…