Das männliche Zitat der Woche (XLVI): Willie Nelson

Foto: Public Domain

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„Ich denke, es ist schrecklich und ekelerregend, wie jedermann Lance Armstrong behandelt hat. Nach allem, was er erreicht hat: 7 mal die Tour de France gewonnen und dabei Drogen genommen. Als ich Drogen genommen habe, konnte ich noch nicht mal mein Fahrrad finden.“

(I think it is just terrible and disgusting how everyone has treated Lance Armstrong, especially after what he achieved, winning 7 Tour de France races while on drugs. When I was on drugs, I couldn’t even find my bike.)

Willie Nelson

Müsliriegel des Grauens

 

Henryart at the German language Wikipedia CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Foto: Henryart at the German language Wikipedia CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Um den Träumern vom dopingfreien Spitzensport und Gegnern des Konsums von Nahrungsergänzungsmitteln ihre Illusion zu nehmen, eine Vorbemerkung:

Aus tiefliegenden, hohlen Augen hat ein Radprofi die journalistische Meute von Sauberkeitsaposteln einmal gefragt, ob sie wirklich glauben, sein auf dem 230 km langen Weg über vier Alpenpässe von den letzten Resten Kohlehydraten, Glucose, Mineralien, Vitaminen und Elektrolyten entleerter Körper ließe sich von den drei Pässen des nächsten Tages mit ein paar Tellern Spaghetti auffüllen? JA? Er jedenfalls würde sich jetzt erst mal an den Tropf legen. weiterlesen…

Dream Big

L. Armstrong – Foto Paul Coster [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Lieber Lance,

Deine Talkshow-Beichte bei Oprah Winfrey… Ganz ehrlich? Das war nischt. Bei Deinem ersten Abschied vom Profiradsport – Oprah hatte die Szene freundlicherweise eingespielt – hattest Du noch einen erzählt von: “I’m sorry you can’t dream big.” Ich hatte mit Blick auf dieses Interview groß geträumt, sah schon die ganze UCI zusammenbrechen, Absage der 100. Tour de France, Rückzug der Scheichs aus dem Radsport. Nischt.
Teil 1 fing ja zunächst auch ganz gut an . Gedopt – yes or no? EPO, Transfusionen, Motoman alles schön der Reihe nach zugegeben. Aber dann ging es doch schon los: Ganz erbärmlich verteidigst Du den dritte Platz bei der großen Comeback-Tour von 2009. Überleg doch mal: Für Astana gefahren, Johan Bruyneel mit an Bord geholt und der hatte natürlich rein zufällig Transfusionsbesteck im Kulturbeutel – das nebenbei in privater Hand in Frankreich verboten ist. Für wie blöd hältst Du uns? Von Eurem Kapitänsstreit zwischen Alberto “Schnitzel” Contador und Dir hätten wir gerne was erfahren. Das wäre mal von Interesse gewesen. Nischt. weiterlesen…

Nutella, Doping und eine Drum Battle – die Links der Woche 3.2. bis 9.2.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männliche Themen zum Wochenende, viel Spaß!

Diese Woche war nun wirklich einiges los, ich bin kaum mit dem Männer-Links speichern nachgekommen. Fangen wir mit dem Wochen-Jubiläum an, Frank Zander, der Pionier des schrägen Popsongs, ist 70 geworden. Auf den „Eines Tages-Seiten“ von SpOn steht ein schönes Interview mit ihmweiterlesen…

Causa Contador – nur Verlierer

Contador ist verurteilt. Der internationale Sportgerichtshof (TAS) in Lausanne sperrt ihn für zwei Jahre. Am 6. August 2012 ist “Schnitzel”aber schon wieder startberechtigt. Denn die Sperre tritt rückwirkend in Kraft.
O. K., den Giro d’Italia, die Tour de France und die Olympischen Spiele in London kann er damit knicken.
Natürlich könnte man jetzt wutschnaubend lospoltern: So eine Sauerei. Erst versuchen sie den Deckel drauf zu halten. Veröffentlichen die positiven Befunde erst zwei Monate nach der Tour. Sie hätten ihn sofort raus nehmen sollen. Spätestens seit der Fuentes-Liste wussten wir, dass er ein falscher Fuffziger ist.
Forderungen könnten lauten: Strengere Kontrollen, gnadenlos ausmerzen und schon ist der Radsport wieder eine saubere Sache. Leider ist die Gemengelage komplizierter.

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Die Tour – Prolog

Aufgalopp. Am kommenden Samstag startet die Tour de France.

La Grande Boucle

Alberto Contador ist natürlich Topfavorit. Der Bursche hat es nicht leicht. Fährt sensationell die Berge rauf, aber wenn er dann auf dem Podium steht, geben sie ihm ordentlich einen mit. Beim diesjährigen Giro-Triumph dudelten die Veranstalter zum königlichen Marsch eine Gesangseinlage aus Zeiten des Claudillo. Ich wüsste gar nicht, wie man an die Mucke so mir nichts, dir nichts ran kommt. 2009 waren die Franzosen nicht weniger kreativ und legten eine dänische Hymne auf. Würde in diesem Jahr übrigens passen. Denn sportlicher Leiter von Contadors Saxo-Bank-Sungard-Truppe ist ein gewisser Bjarne Riis.

Kreativ ist der Spanier auch bei seiner Ernährung. Ein verzaubertes Schnitzel (Kalb ist Pflicht – Wiener Art geht gar nicht) gab im letzten Jahr  Kraft für die Alpen und die Pyrenäe. Italiens Radsportfans fanden die Idee übrigens so brillant, dass sie Alberto während der Italiensause Eier mit auf den Weg gaben – wohl in der Hoffnung, er möge das Rosatrikot dem Landsmann Nibali überlassen und sich selbst später beim Rennen in den Gefilden der Grande Nation in güldenes Gelb pökeln.

Zauberhafte Wirkung sagt man auch einer luxemburgischen Spezialität nach: Kachkéis. Der Beamte Charel Kuddel verwandelt sich nach dessen Genuss regelmäßig in Superjhemp. Die Bierpocke bleibt zwar trotz Metamorphose, aber er kann fliegen – mit den Händen in der Hosentasche. Ob die luxemburger Hoffnungen, Andy und Fränk Schleck, Kachkéis überhaupt mögen, ist mir nicht bekannt. Zu Verwerfungen mit den Dopingjägern, sollte der Genuss hoffentlich aber nicht führen.

Apropos Verwerfungen: Streckenchef Jean-Francois Pescheux hat diesmal ein sehr, sehr „welliges“ Profil gewählt. Es ist Bergziegen à la Schleck und Contador auf den Leib geschneidert. Es könnte also eine Neuauflage des Duells vom Vorjahr kommen. Vielleicht gelingt ja auch der Vorjahresplan der Luxemburger, den Spanier mit zwei Mann zu beharken.

Beharken können sich endlich auch Mark Cavendish und André Greipel. Nach Greipels Teamwechsel von HTC-Highroad zu den Belgiern von Omega Pharma-Lotto ist der Weg frei, dem Rekordetappensieger zu zeigen, wo der Hammer hängt. Dem Papier nach geht das sehr gut auf der 3. Etappe am Montag. Vielleicht noch auf Etappe 5 oder 7. Ansonsten ist in Montpellier noch eine Chance. Und Paris natürlich.

Chancen rechnet sich auch ein weiterer Deutscher aus: Tony Martin. Ein hervorragender Rundfahrer. Hat im Frühjahr Paris-Nizza gewonnen. Nur: Das Profil passt nicht. Er gewinnt die Rundfahrten bei den Einzelzeitfahren und davon gibt es praktisch nur die rund 40 Kilometer in Grenoble am vorletzten Tag – und die sind auch noch verdammt hügelig.

Um es abzukürzen, habe ich die Sache mal schnell durchgerechnet:
Gelbes Trikot: Alberto Contador, Andy Schleck, Cadel Evans.
Polka Trikot: Jerome Pineau, Anthony Charteau, Andy Schleck
Grünes Trikot: Mark Cavendish, André Greipel, Tyler Farrar.

Stellt Bier kalt!

Carsten Sohn, Jahrgang 70, arbeitet als Blogger und Tagedieb im Mitzwinkel, dem hintersten Winkel des Internet. In seiner Freizeit betätigt er sich als Hobby-Koch und Fahrrad-Evangelist. Für „Männer unter sich“ kommentiert er die Tour de France.

Foto: Hans-Peter Reichartz  / pixelio.de

Vater und Sohn und die Tour

Faszination Radsport

Faszination Radsport

Die Saison im Straßenradsport ist gestartet. Endlich. Klar, einige Profis waren schon Downunder unterwegs, haben das komplette Straßennetz bei den Scheichs in Katar unter die Systemlaufräder genommen oder sind beim Étoile de Bessèges Anfang Februar in den Cévennen an den Start gegangen. Paris Nizza läuft.
Doch richtig los geht es erst jetzt Mitte März mit La classicissima Mailand-San Remo am 19. 3. 2011. Dann kommt es Schlag auf Schlag: Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Dauphiné Liberé und selbst der Giro sind aber nur Aufgalopp für die prestigeträchtigste aller Rundfahrten: die Tour de France – Le Tour.
Jedes Jahr aufs Neue ist Frankreich die ideale Kulisse: Ein ganzes Land wird zur Arena. – Die Flachetappen über die endlosen Ebenen des Landes. Die halsbrecherischen Sprintankünfte. Windkante fahren in der Bretagne. Vorbei an den Étangs des Mittelmeers. Dann hinauf auf die Tribünen des Wahnsinns: Die Alpen und die Pyrenäen. Erst, wenn der Brunnen auf den Champs-Élysées über die Bildschirme flimmert, ist es geschafft.

Besonders gern habe ich die Tour mit meinem Vater geguckt.
Schade, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die Tour nicht mehr übertragen. Die kreuzdämlichen „der Helikopter überquert hier ein Schloss“-Kommentare „hier sehen wir Weinfelder, von einem guten Tropfen, der in dieser Gegend wächst“-Phrasen haben meinen Vater und mich immer zu schallendem Gelächter hingerissen.
Immer wieder gern: Emig zum im Ziel vor sich hin röchelnden Ullrich: „Jan, wie fühlen Sie sich?“ Überhaupt Emig. Hier ein kleiner Abriss aus dem Buch der Radsportzitate: „Wer vorne stürzt, fährt sicherer.“ – „Rechts sehen Sie jetzt ein paar Kühe, die gerade aus dem Bild fahren.“
Harald Schmidt über Emig: „Jetzt läuft die Tour de France. Die meisten Fahrer dopen sich nicht, um das Rennen durchzuhalten, sondern die anschließenden Interviews mit Jürgen Emig.“

Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Reportern konnte mein Vater treffsicher kommentieren.
1989 (LeMond 8 Sekunden vor Fignon): „Das machen die Franzosen auch nicht noch mal – Einzelzeitfahren auf der letzten Etappe.“

1995 (Indurain Numero 5): „Der geht nie aus dem Sattel. Das ist der Trick!“

2000 (Ullrich gegen Armstrong): „Der Amerikaner ist zu stark. Das wird nix. Ullrich ist einer wie Ampler. Der gewinnt maximal die Friedensfahrt.“

Die Tour ist deshalb das größte Sportereignis auf dem Planeten, weil sie eine Seele hat. Tourgucken ist Männersache. Der Vater guckt mit dem Sohn und auch dessen Vater hat sie schon mit seinem Vater gesehen. Und Jahr für Jahr werden die alten Kamellen erzählt:
„Wusstest Du eigentlich, dass Joop Zoetemelk die Tour sechzehn Mal gefahren ist, sieben Mal auf dem Podium gestanden hat und nie gewonnen hat? – Ja, die Holländer haben starke Fahrer, obwohl sie keine Berge haben.“ – „Und was ist mit dem Cauberg?“ – „Is’ kein richtiger Berg. Galibier, Mont Ventoux und Tourmalet. Das sind Berge!“
„1913 sind sie auch schon den Tourmalet runter gebrettert. Und dabei hat es bei Eugène Christophe die Gabel zerlegt. Der musste dann 14 Kilometer ins nächste Dorf laufen, um das Dingen da zu schmieden. Und er lag zu dem Zeitpunkt vorne. Und die Kommissare haben ihm auch noch eine Strafminute eingeschenkt, weil ein Junge in der Schmiede den Blasebalg gezogen hat – das muss man sich mal vorstellen.“

Außerdem waren die Nachmittage schön verplant und ausgefüllt.
Meine Mutter kam irgendwann kurz nach drei, damals noch mit Tierheimhund Moritz, aus dem Wald (wir eigentlich im Halbschlaf auf ZDF – keine laute Werbung – aber schnell zu Peter Woidt auf Eurosport rüber geknipst und kundig mitkommentiert): „Hängt Ihr schon wieder vor der Flimmerkiste und guckt Euch den Quatsch an?“ – Wir scheinbar ärgerlich: „Psst!“
Paar Minuten später mein Vater: „Mama? Können wir ein Tässchen Kaffee haben?“ – Ich: „Und das Eis!“ Serviert wurde neben dem Pott Kaffee ein phantastisches Eis aus dem nördlichen Aldi-Tempel, dessen Hörnchen innen mit Schokolade gegen Durchsuppen glasiert war und das aus Schoko-Vanille-Eis mit irgendeinem leckeren Schnaps bestand – ist leider schon lange nicht mehr im Sommersortiment.

Wenn Didi Senft eingeblendet wurde, gab es ein Pils. Das war dann mein Part. „Nimm aus dem Kühlschrank im Keller – die sind richtig kalt.“ Bei Bergankunft konnten es auch mal zwei werden.

Warum die Tour immer noch fasziniert? Ein Kommentar bei Youtube sagt alles: “As they all cheated it’s still impressive.”

Als die Krankheit meinen Vater schon fest im Griff hatte und von Kommunikation schon keine Rede mehr sein konnte, schellte es trotzdem um drei bei mir an der Tür, das Eis wurde aus dem Kühler gekramt … und zehn Kilometer vor dem Ziel – ein Bier.

Carsten Sohn, Jahrgang 70, arbeitet als Blogger und Tagedieb im Mitzwinkel, dem hintersten Winkel des Internet. In seiner Freizeit betätigt er sich als Hobby-Koch und Fahrrad-Evangelist.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de