Links der Woche (12.2. bis 18.2.)

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Vom Rumpler-Tropfenwagen bis zum Ford Nucleon.
Gescheiterte Automobilkonzepte

Die Guillotine von Gillette.
Geiler Wulffmorgenthaler-Cartoon

„Die Bundesliga ist Brecht mit Catchern“
Rainald Grebe über Fußball und anderes

Falls es tatsächlich noch wer nicht kennt:
Das Wiki zu Deutschlands bekanntestem Abschreiber

Der Abspann ist das beste.
Was nach der letzten „Two And A Half Men“-Folge in den USA zu sehen war

Beiss mich, Bela – die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten

Eher schaurig als schön: Dracula in der Trash-Ecke

Im Februar vor 80 Jahren hatte der Vater aller Dracula Filme Premiere: Todd Browning’s „Dracula“ mit Bela Lugosi in der Hauptrolle, in der damaligen Zeit eine Sensation, ein schreckenerregendes (sieht man mal von der stark somnambulen zweiten Hälfte ab) Meisterwerk, dass es locker mit seinen Stummfilm-Vorläufern „Vampyr“ von Carl Theodor Dreyer und Murnaus „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ aufnehmen konnte und sie finanziell bei weitem in den nächtlichen Schatten stellte. Soviel Erfolg gebiert Nachahmer, und kaum ein Pop-Mythos ist öfters auf die Leinwand gebracht worden als Dracula. Die besten Dracula-Filme vorstellen kann jeder, wir nehmen allen Mut zusammen und gucken in die Schmuddelecke: die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten!

Van Helsing
hat mit dem ursprünglichen Dracula-Mythos ungefähr soviel zu tun wie eine Geisterbahnfahrt mit einem Horrorfilm. Ein kruder, zitatengespickter Cocktail aus wahllos zusammengewsürfelten Horrormythen. Kann man sich mit ein paar Flaschen Bier und ein paar Nachos auf DVD reintun. Kann man, muss man aber nicht.

Dracula, tot aber glücklich (Dracula: Dead And Loving It)
Mel Brooks hat ein paar wirklich komische Filme gedreht und war, zu seinen besten Zeiten, ein Meister der Parodie. Mit „Frankenstein Junior“ hat er eine wirklich geniale Veralberung der Frankenstein-Filme abgeliefert, was konnte also schiefgehen, wenn Brooks den Dracula-Mythos durch den Fleischwolf jagen und den Ober-Vampir mit Leslie Nielsen besetzen würde? So ziemlich alles. Nielsen verkommt vom Komiker zum Hampelmann, und Brooks bietet seine Gags wie ein Ramschverkäufer: „Hier! Wirklich lustig! Wie, nicht komisch? Keine Panik, ich hab noch einen! Klappt auch nicht? Der nächste Scherz, coming right up!“ Dummerweise zündet höchstens eine von zehn Pointen. Okay, ein paar echte Lacher, der Rest ist einfach nur peinlich.

Dracula jagt Mini-Mädchen (Dracula A. D. 1972)
ist der komplett verunglückte Versuch, den Grafen in der Pop-Kultur der frühen Siebziger für Angst und Schrecken Sorgen zu lassen. Dummerweise wirkte Ozzy Osbourne schon damals wesentlich gefährlicher als Christopher Lee, sodass Dracula und Van Helsing (Peter Cushing) in dieser Hammer-Produktion bestenfalls deplaziert wirken. Immerhin, diesen Film kann man sich mit etwas gutem Willen und Alkohol zum Kult hochsaufen, was mit den beiden Fortsetzungen „Dracula braucht frisches Blut“ und „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr möglich ist. „Dracula jagt Mini-Mädchen“ ist gerade noch gut blöd, was danach kam, ist blöd blöd.

Plan 9 aus dem Weltall (Plan 9 from Outer Space)
ist natürlich kein Dracula-Film, aber der letzte Auftritt von Bela Lugosi, dem Urvater aller Dracula-Darsteller. Regisseur Ed Wood hat den bereits vom Tod gezeichneten Lugosi noch einmal vor die Kamera gezerrt und lässt ihn in klassischem Dracula-Kostüm und mit bewährter Gestik allerlei Unfug in einer wirren Story über Grabräuber aus dem Weltall anstellen. Nachdem wenige Meter Film abgedreht waren, mochte selbst der hartgesottene Lugosi bei diesem sinnfreien Klamauk nicht mehr mitmachen und starb sicherheitshalber. Der findige Woods engagierte ein Double, dass deutlich größer als Lugosi war und auch noch ganz anders aussah, weshalb es an Lugosis Stelle gebückt agieren und sich dessen schwarzen Mantel vors Gesicht halten musste. Ein Film wie ein Auffahrunfall, man will nicht hingucken, tut es aber trotzdem. In einer Abstimmung zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt. Vollkommen zurecht. Dagegen kann selbst Uwe Boll nicht anstinken.

Der Schrei des Todes (Scream, Blacula, Scream)
Dieser Stinker soll schlimmer sein als „Plan 9“? Wie soll das gehen? Nun, was die Gewaltausübung an Genre-Konventionen des Vampirfilms angeht, steckt Regisseur Bob Kelian den guten Ed Wood locker in die Tasche. Da man aus Dracula einen Blaxploitation-Film machen, aber nicht erklären konnte oder wollte, wie sich die schwarzen Pigmente in die Haut eines ein paar Jahrhunderte alten transsylvanischen Grafen geschmuggelt haben, lies man den afrikanischen Prinzen Mamuwalde den Grafen besuchen, der auf Besuch nicht vorbereitet war und deshalb Mamuwalde zu seine Blacker Ego „Blacula“ biss. Blacula selbst versucht sich dann ein paar Jahrhunderte später in Los Angeles durchzubeißen… Klingt etwas weit hergeholt? Aber nicht doch, das ist bloß die Vorgeschichte, die im 1. Film der Reihe, „Blacula“ erzählt wird. In „Scream, Blacula, Scream“ kommt noch ein schräger Voodoo-Kult und eine derart unterirdische Qualität von Skript und Technik hinzu, so dass man entsetzt „Schlimmer geht’s nimmer“ brüllt, während einem die Chips aus dem Mund rieseln und man entsetzt Pam Grier wiedererkennt, die sich damals wirklich für keinen Scheiß zu schade war.
Schade um die Chips, es geht tatsächlich schlimmer. Es gibt da nämlich einen Film namens „Blackenstein“… aber das ist eine andere Baustelle.

Foto: Didi01 / pixelio.de

Was liegt an? – 14.2. bis 20.2. 2011

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Champions League. Endlich wieder Champions League. Die monatelange Schockstarre, in die wir nach der Gruppenphase verfallen sind, ist endlich vorbei, die männliche Woche bekommt wieder Struktur. Dienstag AC Milan gegen Tottenham und Valencia-Schalke, Mittwoch dann AS Rom gegen Donezk und der Kracher Arsenal gegen Barca (den überträgt Sat1).

Des weiteren läuft bis zum kommenden Sonntag die Alpine Ski-WM in Garmisch (Eurosport und ARD/ZDF übertragen).  Die Welsh Open im Snooker stehen an, Eurosport überträgt nachmittags und abends live. Am Sonnabend sendet Sport1 zwei FA-Cup Spiele, Chelsea-Everton und Sheffield-Birmingham, eine willkommene Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, spät in der Nacht boxt Felix Sturm dann irgendein Fallobst auf Sat1.

Im Fernsehen ist – wie mittlerweile beinahe immer – ausgerechnet auf das ZDF Verlass. Montags um 22 Uhr 15 kann man den Sender beinahe blind einschalten, da läuft verlässlich gutes, spannendes Abenteuer-Kino, diese Woche „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ mit Alec Baldwin und Anthony Hopkins. Zwei Kerle müssen nach einem Flugzeugabsturz ums Überleben kämpfen, dass der eine den anderen verdächtigt, was mit seiner Frau zu haben, ist nicht unbedingt hilfreich. Sehr Spannend. Dienstag/Mittwoch/Donnerstag ist Fußball angesagt (Donnerstag Uefa-Cup in Sat1 ab 19 Uhr, erst Benfica-Stuttgart, danach Charkov-Legokusen. Wer aus unerfindlichen Gründen nicht Fußball gucken möchte, kann am Mittwoch den Louis-de-Funés-Film in Das Vierte einschalten, diesmal ist es Oscar, der Film, mit dem de Funés endgültig den Durchbruch schaffte, ein echter Brüller. Sollte irgendwer ihn noch nicht kennen: am Freitag, 20 Uhr 15, läuft auf Pro7 in der xten Wiederholung „The Transporter“. In knapp zwei Stunden gehen jede Menge Autos und Menschen zu Bruch, ohne das Jason Statham eine Miene verzieht. So soll’s doch sein, das macht Spaß.

Ab Donnerstag neu im Kino: 127 Hours von Danny Boyle (Slumdog Millionaire). Das ist die Verfilmung des Bestseller „Between a Rock and a Hard Place“ von Aron Ralston, der von Gentleman’s Quarterly 2003 zum „Mann des Jahres“ erklärt worden war. Ralston war auf einer Bergtour verunglückt und hatte sich den Arm eingeklemmt. Er konnte sich nur befreien, indem er sich selbst die Hand mit einem stumpfen Taschenmesser amputierte. Nichts für Männer mit schwachen Nerven und/oder Mägen. Sensible Naturen können sich ins Nachbarkino retten, wo „The King’s Speech“ läuft, großes, höchst amüsantes Historienkino mit Colin Firth.

Bei den DVD-Starts kommen Serien-Fans auf ihre Kosten, die mit einer verbogenen Büroklammer, einem halbleeren Streichholzbriefchen und einer leeren AAA-Batterie die Welt retten wollen: die siebte Staffel von MacGyver kommt raus.

Last Commander Standing in der Berliner UFA-Fabrik

Schließlich und endlich wende ich mich mit schamloser Schleichwerbung in eigener Sache an die Berliner unter unseren Lesern: wer auf straighten, überlauten Gitarren-Rock steht, sollte einen Besuch der UFA-Fabrik in Erwägung ziehen. Von Mittwoch bis Sonnabend läuft dort jeweils um 20 Uhr die Rockshow „Last Commander Standing“: Commander Jack Chickenhunter bringt den Rock’n Roll nach Berlin, fängt ein Verhältnis mit der goldenen Frau auf der Siegessäule an und lässt es gewaltig krachen. Buch und Regie der Show verantwortet der Schreiber dieser Zeilen, wünscht mir Glück. Ich wünsch euch viel Spaß und eine gute Woche!

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Links der Woche (5.2. bis 11.2.)

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Titanic auf Wasserstoff.
Die gezeichnete Kritik zu „Hindenburg“
(Dank an Carsten Sohn für den Hinweis)

Der  definitive Wahl-Werbespot: Heinz Strunk muss gewinnen!
Der Spot der „Partei“ auf youtube

Es lag am Espresso.
Inside Squadra Azzurra 2006

Matchbox war gestern.
Highend-Modellautos

Franz Brungs erinnert sich an ein überragendes Spiel.
BVB-Benfica 1963 (inkl. youtube-Video)

Das T-Shirt funktioniert!
Toller Cartoon, Wulffmorgenthaler in Hochform.

Das orangene Männlein

Das orangene Männlein„Kann ich Ihnen helfen?“

„Wäh? Hallo? Geht’s noch? Sie haben mich erschrocken! Wir sind hier in einem Baumarkt, Sie können mich doch nicht einfach ansprechen und mich fragen ob Sie mir helfen können, das ist absolut unüblich und überhaupt völlig pietätlos, wer hat Sie denn ausgebildet? Mensch, Sie müssen doch vor jedem potenziell fragenden Kunden wegrennen und sich verstecken – irgendwo zwischen engen Regalen, am besten in der Werkzeugecke, da ist normalerweise keiner, weil keiner mehr irgendwas alleine reparieren kann, außer Handwerker – und die fragen Sie nicht, weil die um Welten mehr Ahnung haben als Sie, sonst wären Sie ja der Handwerker und die da die Baumarktmitarbeiter, nein, in der Werkzeugecke sind Sie absolut sicher.

Und wenn Sie dann auf dem Weg zur Toilette oder in die Raucherecke doch mal jemand erwischt, der Sie was fragen will, dann müssen Sie ganz doll beschäftigt und wichtig tun, am besten haben Sie dazu immer ein paar Phantomakten in der Hand, irgendwelche abgelaufenen Bestellzettel, irgendeinen Holzkatalog oder meinetwegen Ihren Lottoschein oder Einkaufszettel, egal, Hauptsache Sie konzentrieren sich ganz auf das was Sie in der Hand haben so dass Sie diesem Schlumpf, der da was wissen will, das erniedrigende Gefühl geben, dass er eine wichtige Amtshandlung stört. Oder rennen Sie einfach weiter und lassen den Schlumpf hinter sich her rennen und seine Fragen hinter Ihnen her hecheln während Sie die Zahlen Ihres Zettels mit denen auf den Regalen vergleichen – er darf auf keinen Fall das Gefühl bekommen, dass er wichtiger ist als das was Sie gerade vortäuschen zu tun.

Nee, bah, nicht mal ein halbes Ohr würde ich so einem Schmock leihen geschweige denn irgendwie auf seinen Mist antworten – lieber immer wegschicken, irgendwohin in die Sanitärabteilung oder ins Gartencenter, wo eh nie einer ist, aber egal, einfach behaupten, dass da einer ist, der sich garantiert damit auskennt und dann schnell wieder ab in die Werkzeugecke oder überhaupt irgendwohin, wo man nicht gesehen wird von diesen Clowns, die immer so viel sinnlosen Blödsinn wissen wollen und den Hals nie voll genug kriegen.

Und wenn Sie irgendwann dann doch mal nicht mehr ausweichen können weil alle Fluchtwege schon mit anderen potenziell fragenden Bittstellern blockiert sind, dann stöhnen Sie ganz laut und möglichst resigniert auf und erklären dem erstbesten Clown, dass sein Begehr – egal was es ist – völlig unüblich ist und das was er will, kaum noch so irgendwo verwendet wird, höchstens irgendwo in den Karpaten, Aserbaidschan oder Nordkorea – egal, jedenfalls gibt es sowas hier nicht und kommt auch nicht mehr rein.

Und hat er irgendwas in der Hand und will es erklärt haben, dann lesen Sie maximal die Packungsaufschrift laut vor, dann kommt er sich blöd vor weil jeder denkt, dass er nicht lesen kann. Und dann zeigen Sie unvermittelt auf irgendein Regal, murmeln etwas Unverständliches, drücken ihm seine Packung wieder in die Hand, nutzen seine Verwirrung und rennen weg – in die Werkzeugecke. So geht das. Das ist Guerillataktik, wir sind hier im Krieg. Kapischi?“

„Huch, lassen Sie mich raten: Sie arbeiten bei Obi. “

„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“ schrie das orangene Männlein, und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde dass es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen, und riss sich selbst mitten entzwei.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die Beiträge von mike-o-rama erscheinen auch bei qype.

Was liegt an? – 7.2. bis 13.2.2011

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Länderspielwoche. Okay, ein Freundschaftsspiel, da agiert die aktuelle Spielergeneration gern ein wenig unenthusiastisch, also sollte man vom Mittwochabend nicht zuviel erwarten. Auch wenn es gegen Italien geht. Immerhin im Westfalenstadion. Da trafen beide Mannschaften ja vor viereinhalb Jahren zum letzten Mal aufeinander. Mit bekanntem Ergebnis. Ich frag mich immer noch, was gewesen wäre, wenn der Olli statt dem Jens… Der Olli hätte das Einsnull gehalten, da bin ich mit sehr sicher. Naja, ist viereinhalb Jahre her. Man kann ja mal reinschauen, auch wenn’s nur ein Freundschaftsspiel ist.

Wobei Mittwoch tatsächlich der einzige Abend ist, an dem sich das Einschalten des Fernsehers auch ohne Fußball lohnt: Um 20 Uhr 15 bringt Das Vierte „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“, einen der besten Louis-de-Funes-Filme überhaupt, und um 22 Uhr 15 sendet Tele 5 einen schönen, alten Jackie Chan: „Sie nannten ihn Knochenbrecher“, den ersten Film der Drunken-Master-Serie, ein herrlich unernster Prügelquatsch.

Am Donnerstag kommt eine schöne Horrorfilm-Parodie ins Kino: „Tucker & Dale vs. Evil“. Feierwütige Studenten treffen auf Hinterwäldler, das Übliche, aber dieser Film arbeitet mit umgekehrten Vorzeichen: diesmal sind die Studenten die neurotischen Killer. Hübsch gemacht, stellenweise sehr komisch, aber letztlich wohl doch eher was für Kenner des Genres, die die zahllosen Zitate einordnen können.

Auf DVD kommt „Themba“ heraus, ein in Südafrika verortetes Melodrama mit Fußballhintergrund. Kindesmißbrauch, Gewalt, Vergewaltigung, Prostitution, AIDS, und dann auch noch Jens Lehmann als Trainer… da kommt’s wirklich knüppeldick.

Sportlich ist außer Länderspiel und Bundesliga-Routine einiges los, morgen beginnt die Alpine Ski-WM in Garmisch, Übertragungen auf ARD/ZDF/ Eurosport bis zum 20. Februar. Am Freitag überträgt Sport1 Eishockey, das Slovakia-Cup-Spiel Deutschland-Slowakei, und Sonnabend kann man ebenfalls auf Sport1 Rugby gucken, Six Nations Cup, Italien-England. Viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Links der Woche (29.1. bis 4.2.)

Ab sofort jeden Freitag auf „Männer unter sich“: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Testfahrt mit einem Eishobel.
Eishobel im Test: Schlitterfahrt mit Monstrum -SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Wenn man Durst hat, kommt man auf die merkwürdigsten Ideen.
Notruf-Missbrauch: Betrunkener löst wegen vermisster Biervorräte Alarm aus -SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama

Youtube-Video: Mit dem Porsche 956 über die Nordschleife des Nürburgring.
Derek Bell in car Porsche 956 at Nordschleife

Leben in der 1. Klasse.
Die First-Class-Passenger-Lounges der Fluglinien

Das glaub ich nicht!
Die Mona Lisa war ein schwuler Kerl?

Eine elektrische Eisenbahn, die auf Stelzen durchs Meer fährt? Die gab’s wirklich!
Brighton-Rottingdean Seashore Electric Railway

Cartoon: Batman als Frau. Brüller.
If Batman had been a woman

Angst fressen Kinder auf

Die guten, alten Werte...

„Konsequente Erziehung“ nennt sich das, was derzeit in den Leserbriefspalten der Zeitungen laut und heftig diskutiert wird. Um zwei Frauen dreht sich die Debatte, die eine hat ein Buch geschrieben, die andere will es möglicherweise noch tun. Amy Chua hat mit „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“ in den USA einen Bestseller gelandet, und da die Feuilletons derzeit diesen Schinken zum Tagesgespräch hochschreiben, werden auch wir uns demnächst die Köpfe heiß reden, ob es richtig ist, die eigenen Sprößlinge mit Druck und Drill dazu zu bringen, dass sie das Leistungsprinzip verinnerlichen.
In eine ähnliche Kerbe haut die Berliner Grundschullehrerin Ursula Sarrazin, die ins Gerede kam, weil sie in ihren Klassen strenge Regeln aufstellte und dieselben auch konsequent durchsetzte. Wie weit diese Konsequenz ging, darüber wird gestritten: hat sie einem Schüler nun mit der Blockflöte den Scheitel nachgezogen oder nicht? Hat sie ihre Klassen regelmäßig angebrüllt oder nicht? Auch diese Diskussionen werden uns eine ganze Weile lang begleiten, was höchst überflüssig ist, denn die Erziehung mit Strenge, Druck und Drill ist ein uralter Hut.
Ich selbst bin noch in den höchst zweifelhaften Genuss dieser Erziehung gekommen. Als ich vor etwas mehr als 40 Jahren in das Gymnasium der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, eingeschult wurde, gab es eine schöne Feierstunde in der Aula. Der Direktor hielt eine Ansprache, der Schulchor sang etwas erbauliches, und dann führte uns unser Klassenlehrer in den Klassenraum. Als wir uns in die Bänke gesetzt hatten (ja, es gab an dieser Lehranstalt noch Schulbänke), sagte er: „Liebe Jungen, herzlich willkommen im Gymnasium. Damit wir uns gleich richtig verstehen: in drei Jahren geht die Hälfte von euch auf die Realschule. Und bis zum Abitur schaffen es höchstens zehn Prozent.“
Er hatte vollkommen recht. Drei Jahre später waren aus den dreißig Jungens, die sich da großäugig in die Bänke der Sexta gezwängt hatten, noch fünfzehn übrig. Und von den fünfzehn machten am Ende tatsächlich nur vier das Abitur.
Strenge Regeln, unerbittliche Konsequenz und stetiger Druck war in den 9 Jahren bis zum Abitur für mich etwas vollkommen Normales, das gehörte zur Schule eben dazu. Das noch etwas dazugehörte, realisierte ich erst zwanzig Jahre später.
Anlässlich eines Klassentreffens hatte uns unser letzter Klassenlehrer, der mittlerweile der Direktor des Gymnasiums geworden war, in unsere alte Schule eingeladen. Ich betrat das finstere Gemäuer zum ersten Mal seit meiner Schulzeit wieder, und kaum war ich drin, wollte ich auch schon wieder raus. Dieser altvertraute, ekelerregende Schulgeruch löste einen derart intensiven Fluchtreflex in mir aus, wie ich ihn gar nicht kannte, ich wäre am liebsten sofort wieder hinausgerannt. Wonach roch das bloß? Klar, Kinderschweiß, irgendwelches Reinigungszeug, Staub und… Angst. Die ganze Schule roch nach Angst, und ich merkte, dass Angst neun Jahre lang der Motor gewesen war, der mich in der Schule auf Trab gehalten hatte. Wenn du Angst vor dem Versagen hast, erträgst du jede Menge Druck. Wenn du Angst vor Strafe hast, hältst du auch noch die idiotischste Regel ein. Angst ist die Basis des Erziehungssystems, dass Mrs. Chua und Frau Sarrazin propagieren.
Und dieses System funktioniert nicht einmal. All das, was die strengen Schleifer im Gymnasium versucht haben, in mich hinein zu bläuen, habe ich längst wieder vergessen. An ihren strengen Regelkanon, der einer total verengten Weltsicht entsprungen war, habe ich keinen Gedanken mehr verschwendet, seit ich die Schule verlassen habe. Geblieben sind mir nur die Dinge, die mir drei, vier Lehrer vermittelt haben, die uns eben keine Angst einzujagen versuchten, sondern die uns wie vernunftbegabte Lebewesen behandelten und versuchten, unser Interesse zu wecken. Diese Menschen behalte ich noch heute in dankbarer Erinnerung.
Die anderen hingegen… Und diejenigen, die heutzutage diesen vorgestrigen Erziehungsmethoden das Wort reden… Nun ja, wer einem Kind Angst einjagt, damit es ein besserer, leistungsfähigerer Mensch wird, ist kein verantwortungsbewusster Erzieher, sondern ein dummes Arschloch.

Foto: Traumwelten / pixelio.de

Fock vorne mit Gorch

Gorch Fock im Dunkeln

ganz schön finster

Seit ein paar Tagen werden hierzulande Diskussionen geführt, die mich ein wenig verwundern. Zum Beispiel wundern mich junge Menschen, die zum Militär gehen und überrascht sind, dass dort ein rauher Umgangston herrscht. Ebenso wie Zeitungen, die sich über diesen rauhen Umgangston aufregen. Leute, das ist das Militär!
Ich selbst bin ein höchst unmilitärischer Mensch und war deswegen nie bei irgendeiner Armee angestellt, ich habe aber eine erkleckliche Menge Bücher gelesen und jede Menge Filme gesehen, die sich am Thema Militär/Krieg/Soldaten abgearbeitet haben. Und in keinem dieser Bücher wird das Soldatendasein als fröhliches, respektvolles Miteinander von Offizieren und gemeinen Soldaten geschildert, in dem ständig “Bitte” und “Danke” gesagt wird. Ebenso sind mir keine Filme bekannt, in denen militärisches Tun als irgendwie nach dem Bock-Prinzip ablaufende basisdemokratische Veranstaltung (“Och nö, nicht schon wieder Panzer putzen, ich möchte heute mal in der Gegend rumballern!”) geschildert wird. In den meisten Filmen, die Militär, Krieg und vor allen Dingen die Soldatenausbildung zum Thema haben, erlebt man strenge Hierarchien und geisttötenden Drill, der den Anfänger im Soldatendasein zu absolutem Gehorsam erziehen soll. Auch Ausbilder, die ihre Schutzbefohlenen bis an ihre Grenzen treiben, sind in Filmen und Büchern, die sich mit dem Militär befassen, die Regel, nicht die Ausnahme. Ich wusste schon, warum ich als junger Mensch mit dem Militär nix am Hut haben wollte.
Ebenso wundert es mich nicht wenig, wenn junge Menschen sich für den Dienst auf einem Segelschulschiff melden und dann überrascht sind, dass man von ihnen z. B. erwartet, Decks zu schrubben, dass man sie anschreit oder bizarren Ritualen wie einer “Äquatortaufe” unterzieht. Und genauso wundern mich Zeitungen, die erschrocken über diese Zustände berichten.
Die christliche Seefahrt kenne ich auch nur aus Büchern und Filmen, aber dass an Bord gelegentlich Alkohol in größeren Mengen konsumiert wird, habe ich bereits aus “Jim Knopf und die Wilde 13” (“Yohoho, und ‘ne Buddel mit Rum!”) erfahren. Dass mehrmastige Segelschiffe nur manövriert werden können, wenn zahlreiche Menschen koordiniert oben in der Takelage herumklettern und dort die Segel hissen und reffen, sollte ebenfalls auch einem nautischen Laien klar sein. Und dass das Leben auf so einem Schiff eine Belastungsprobe ist, ja um Himmelswillen, muss man wirklich Kadetten und Journalisten den Unterschied zwischen der Marine und dem Traumschiff erklären? Als volljähriger Mensch hat man zu wissen, dass man Fock vorne mit Gorch schreibt.
Vor einiger Zeit sprach ich mit einem fast volljährigen Menschen, der dabei war, sich für eine Ausbildung zum Tänzer zu entscheiden. Der Kerl besuchte seit Jahren eine Ballettschule, hatte seinen Körper trainiert und wusste, was ihn in der Ausbildung zum Profi und später im Beruf erwarten würde: eine menschenverachtende Schinderei, gefolgt von – das nötige Glück immer vorausgesetzt – ein paar Jahren Tanzen auf der Bühne, und dann, wenn der Körper nicht mehr mitmacht, Choreograph  oder Tanzlehrer oder Garderobier oder irgendwas. Der junge Kerl wusste Bescheid, der hatte über seinen zukünftigen Beruf nachgedacht.
Kann es wirklich sein, dass wir mittlerweile die Realisten zum Ballett und die Traumtänzer zum Militär und in die Zeitungsredaktionen schicken?

Foto: Ralf Luczyk / pixelio.de

Dicke Wagen

Papa pennt im Kinderwagen

So groß, dass sogar Papa reinpasst

Davon träumen Militärs: von einem einfachen, wendigen, von einer Person zu steuerndes Gefährt, dessen bloße Anwesenheit im Nahkampf eine gegnerische Kompanie durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit beinahe komplett lahmlegen kann. Die Rede ist selbstverständlich von einem modernen Kinderwagen, über dessen massives militärisches Potential man sich in Berliner Doppeldeckerbussen ein Bild machen kann. Wenn einer (oder gar zwei!) dieser Panzerspähwagen mit einsitzendem Kleinkind mittig in den Bus gewuchtet werden, sind die restlichen Passagiere zur Immobilität verdammt, dann gibt‘s im Wagen weder vor noch zurück bis Mutter, Kind und fahrbarer Untersatz den Bus wieder verlassen haben. Warum um Himmelswillen erreichen diese Kinderwagen mittlerweile schon beinahe die Größe eines Smart?
Die Antwort ist einfach: Weil die Passagiere dieser Wagen immer größer werden. Nicht etwa, weil die Kinder heutzutage so viel größer sind als früher, sie werden einfach länger in ihren Aufklärungsfahrzeugen durch die Weltgeschichte geschoben.
Ein Beispiel: eins der größten Vergnügen meiner Kleinkinderzeit muss es gewesen sein, auf den Schultern meines Vaters durch die Gegend getragen zu werden. Mein Vater war ein 1,92m großer Hüne, der Ausblick muss fantastisch gewesen sein, und die Geschwindigkeit, mit der er mich mit seinen Sieben-Meilen-Schritten getragen hat, war für mich kleinen Jungen sicherlich atemberaubend.
Wie es wirklich war, kann ich nur vermuten, denn ich erinnere mich nicht. Lediglich ein paar alte Fotos zeigen mich auf seinen Schultern sitzend, wie ich mich fröhlich grinsend an seinen Haaren festklammere. Ich kann mich nicht daran erinnern, weil mit Kinderwagen und Auf-den-Schultern-Reiten Schluss war, als ich Laufen gelernt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war ich für mein irdisches Fortkommen allein verantwortlich.
Heute scheint es anders zu sein, denn die Kinder, die ich in den von ächzenden Müttern durch die Gegend gewuchteten Ungetümen erblicke sind oft so groß, dass man „Können die noch nicht alleine laufen?“ fragen möchte.
Und wenn man sich das Fragen doch mal traut, kommt‘s: „Ja, klar, aber der braucht so lange. Wenn‘s schnell gehen muss, setzen wir ihn in den Buggy, das spart unglaublich Zeit.“
Nun ja, hätte man mir seinerzeit eine derartige Möglichkeit offeriert, wäre ich gar nicht aus dem Buggy herausgekommen. Ist doch viel besser, komfortabel durch die Welt kutschiert zu werden, als mühsam dieses unpraktische Gehen zu erlernen. Dann stell ich mich doch extra ungeschickt an, fall ein paar Mal hin, blöke laut los, bis Mama und Papa die Geduld verlieren und mich in den bequemen Kinderwagen setzen, ab geht die Post!
Und wer jetzt meint, das macht doch nix, wenn man die lieben Kleinen ein Weilchen länger herumkutschiert als früher, der soll sich gern einmal mit meinem Freund Andreas unterhalten. Andreas ist Tennistrainer und muss seit ein paar Jahren etwas machen, dass er vorher noch nie gemacht hat: Er muss mit kleinen Kindern, die zu uns in den Tennisclub kommen, um diesen Sport zu erlernen, rückwärts Laufen üben. Bis vor ein paar Jahren hatten die Kinder das beim Laufen lernen und Herumtoben von allein gelernt. Als die Kinderwagen noch kleiner waren.
Otto Rehagel pflegt junge Spieler davor zu warnen, sich zu früh in dicke Wagen zu setzen: „Wenn Sie jetzt schon mit dem Porsche ankommen, was wollen Sie denn fahren, wenn Sie fünfzig sind?“ Wenigstens hier hat Rehagel recht: Es ist nicht gut, in einen dicken Wagen hineingesetzt zu werden. Es ist viel besser, wenn man ihn sich in fortgeschrittenem Alter verdient.

Foto by Yoav Dothan (self taken) [Public domain], via Wikimedia Commons