Shootout am O.K. Corral: Wer war der beste Doc Holliday?

Doc Holliday, Foto by Unknown, probably C.S. Fly [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Western-Figur, die mich in allen Romanen und Filmen am meisten fasziniert hat, war Doc Holliday. Ein hochgebildeter, hochkultivierter Mann, der sich todkrank in der Wildnis herumtrieb. Der nicht nur am Spieltisch alles auf eine Karte setzte. Der seine ganz eigene Auffassung von Recht, Gesetz, Loyalität und Freundschaft hatte. Ein tragischer Held, ein gefallener Intellektueller, ein Abenteurer voll des Bravado… was für ein Kerl!
Doc Holliday ist auch des öfteren über die Leinwand geritten. Anlässlich Kirk Douglas‘ 100. Geburtstag wurde – natürlich spät in der Nacht – Zwei rechnen ab gesendet, ein sehenswerter Film, die Nr. 2 unserer Wyatt-Earp-Liste, in dem er einen fulminanten Doc hingelegt hat. Da hab ich mich gefragt: War Kirk Douglas wirklich der beste Doc Holliday? Was ist mit Victor Mature? Dennis Quaid? Val Kilmer? Schwierige Sache. Lasst uns die Sache ein für allemal klären und beteiligt euch am Shootout. Stimmt für den besten Doc Holliday ab! weiterlesen…

Die 10 besten Gunfights der Westerngeschichte… oder fehlt ein Schuss?

 Gunfight zwischen Wild Bill Hickock und Davis Tutt, Foto by Harpers Monthly Magazine (Life time: http://www.findingdulcinea.com/news/on-this-day/July-August-08/On-this-Day--Wild-Bill-Hickok-Duels-Davis-Tutt.html) [Public domain], via Wikimedia Commons


Gunfight zwischen Wild Bill Hickock und Davis Tutt, Foto by Harpers Monthly Magazine (Life time: http://www.findingdulcinea.com/news/on-this-day/July-August-08/On-this-Day–Wild-Bill-Hickok-Duels-Davis-Tutt.html) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ergänzend zu unserer Diskussion über die besten Western aller Zeiten habe ich auf youtube eine wirklich schön gemachte Zusammenstellung von den besten Gunfights der Westerngeschichte gefunden. weiterlesen…

Die glorreichen 10 – die besten Western aller Zeiten

Foto: pixabay.com, Public Domain

Foto: pixabay.com, Public Domain

Die zehn besten Western aller Zeiten? Die hast du schnell zusammengestellt, eine deiner einfachsten Übungen. Dachte ich. Jetzt hab ich doch ganz schön lange gebraucht, das Erinnern, nachschlagen und Nachdenken, welche Filme nun wirklich die Meilensteine des Genres waren braucht seine Zeit. hat aber großen Spaß gemacht. Und Bock darauf, sich ein paar der Filme endlich mal wieder reinzuziehen. Sind alles ganz, ganz große Filme. Verdammt schade, dass kaum noch Western gedreht werden. weiterlesen…

Umfrage: Ist Löw noch der richtige Mann?

Mitglieder anderer Fußballnationen würden für Jogi Löws Score töten: dreimal Halbfinale, einmal Finale bei den zwei Welt- und Europameisterschaften als Bundestrainer. Aber die Deutschen wollen endlich wieder einen Titel holen, und deshalb tobt die Diskussion um den Bundestrainer. Parallel zu unserer Serie über die Bundestrainer des DFB wollen wir deshalb von euch wissen, wie ihr zu Bundestrainer Löw steht. Holen wir mit ihm in Brasilien den vierten Weltmeistertitel? Oder kann der Mann einfach keine Turniere gewinnen?
Für eure Vorschläge bezüglich personeller Alternativen zu Löw und weiteren Gesprächsbedarf sind die Kommentare da. Danke fürs Mitmachen bei unserer Umfrage und viel Spaß!

Ist Jogi Löw der richtige Mann für die Nationalelf?

View Results

Loading ... Loading ...

Will sehen: Die besten Pokerfilme aller Zeiten

Poker – tolles, kerniges Männer-Kartenspiel. Aber welches Spiel ist eigentlich besser: Poker oder Skat? Und was ist mit Schafkopf? Wenn wir ins Kino gucken, wird sofort klar: Coole Skatfilme kann man an der Hand eines ungeschickten Sägewerks-Mitarbeiters abzählen. Hollywood weiß: Nur Poker ist sexy. Wir zeigen euch die besten Poker-Filme aller Zeiten. weiterlesen…

Casting Call für die 10 besten Fußballbücher aller Zeiten

Könnt ihr bald aufpumpen: Jabulani Trainings-Ball

Die Fußball-Europameisterschaft rückt unaufhaltsam näher, und rund um dieses Event haben wir ein paar Beiträge und Aktionen in Planung, um euch in die richtige Turnierstimmung zu bringen. Hin und wieder veröffentlichen wir hier im Blog ja gerne Listen: z.B. an Box-Filmen oder an Western mit Wyatt Earp haben wir uns ja schon abgearbeitet, zur EM sind Fußballbücher dran. Und diesmal wollen wir euch miteinbeziehen… weiterlesen…

Links der Woche – 27.8. bis 2.9.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag kein Fußball. Entzugserscheinungen? Nur zu verständlich. Deshalb wird jetzt – vor dem Österreich-Länderspiel heute abend ordentlich vorgeglüht. Fangen wir mit einem wunderbaren Rohrkrepierer an:
http://www.youtube.com/watch?v=BYDpP2bMsMs&NR=1

Und hier hätten wir eine der verblüffendsten Wunderheilungen der Medizin- und Sportgeschichte:

Und schließlich – bei Trainer Baade entdeckt – ein von der FA produzierter Clip, mit dem man in England Werbung dafür macht, Fußball zu SPIELEN. Wer hier keine Lust bekommt, mal wieder gegen den Ball zu treten, der hat mit dem „beautiful game“ wohl wirklich nix am Hut. Schönes Ding!

Auf Spiegel Online standen diese Woche tatsächlich ein paar interessante Sachen, vorneweg ein sehr, sehr schönes TV-Interview, dass Hellmuth Karasek mit Loriot zu seinem 70. Geburtstag führte.
Wieso sie bei SpOn einen Vorbericht auf eine Fahrradmesse in der Rubrik „Auto“ einsortieren, wissen wohl nur die Mitarbeiter eines gewöhnlich gut unterrichteten Hamburger Nachrichtenmagazins. Egal, auf der Eurobike in Friedrichshafen könnte es interessant werden.
Ebenfalls interessant und diesmal sogar richtig einsortiert – ein Artikel nebst wunderbarer Bilderstrecke  über historische Autowerbung: Frauen, die auf Motorhauben sitzen.
Und wo wir gerade bei Autos sind: richtig dicke Ami-Schlitten.

Gestern schrieb ich ja was über das Männermusik-Phänomen Haudegen.  Im Rolling Stone steht ein interessanter Artikel über Haudegen, Unheilig und ähnliche Bands. Und auch auf ZEIT-Online ist was über diese Band zu finden.

Und schließlich – wie fast immer – der Jazz zum Wochenende: George Shearing mit „Shadow of your Smile“

Kleines Gewinnspiel gefällig? Derjenige, der als erster in den Kommentaren schreibt, welche Figur in einem Jahrhundertroman „George Shearing is god“ sagt, darf den Wochenend-Jazz für nächste Woche aussuchen. Nochmal zur Sicherheit: Ich will nicht den Titel des Buchs wissen, sondern welche Figur den Satz sagt.

Schönes Wochenende, viel Spaß!

Beiss mich, Bela – die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten

Eher schaurig als schön: Dracula in der Trash-Ecke

Im Februar vor 80 Jahren hatte der Vater aller Dracula Filme Premiere: Todd Browning’s „Dracula“ mit Bela Lugosi in der Hauptrolle, in der damaligen Zeit eine Sensation, ein schreckenerregendes (sieht man mal von der stark somnambulen zweiten Hälfte ab) Meisterwerk, dass es locker mit seinen Stummfilm-Vorläufern „Vampyr“ von Carl Theodor Dreyer und Murnaus „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ aufnehmen konnte und sie finanziell bei weitem in den nächtlichen Schatten stellte. Soviel Erfolg gebiert Nachahmer, und kaum ein Pop-Mythos ist öfters auf die Leinwand gebracht worden als Dracula. Die besten Dracula-Filme vorstellen kann jeder, wir nehmen allen Mut zusammen und gucken in die Schmuddelecke: die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten!

Van Helsing
hat mit dem ursprünglichen Dracula-Mythos ungefähr soviel zu tun wie eine Geisterbahnfahrt mit einem Horrorfilm. Ein kruder, zitatengespickter Cocktail aus wahllos zusammengewsürfelten Horrormythen. Kann man sich mit ein paar Flaschen Bier und ein paar Nachos auf DVD reintun. Kann man, muss man aber nicht.

Dracula, tot aber glücklich (Dracula: Dead And Loving It)
Mel Brooks hat ein paar wirklich komische Filme gedreht und war, zu seinen besten Zeiten, ein Meister der Parodie. Mit „Frankenstein Junior“ hat er eine wirklich geniale Veralberung der Frankenstein-Filme abgeliefert, was konnte also schiefgehen, wenn Brooks den Dracula-Mythos durch den Fleischwolf jagen und den Ober-Vampir mit Leslie Nielsen besetzen würde? So ziemlich alles. Nielsen verkommt vom Komiker zum Hampelmann, und Brooks bietet seine Gags wie ein Ramschverkäufer: „Hier! Wirklich lustig! Wie, nicht komisch? Keine Panik, ich hab noch einen! Klappt auch nicht? Der nächste Scherz, coming right up!“ Dummerweise zündet höchstens eine von zehn Pointen. Okay, ein paar echte Lacher, der Rest ist einfach nur peinlich.

Dracula jagt Mini-Mädchen (Dracula A. D. 1972)
ist der komplett verunglückte Versuch, den Grafen in der Pop-Kultur der frühen Siebziger für Angst und Schrecken Sorgen zu lassen. Dummerweise wirkte Ozzy Osbourne schon damals wesentlich gefährlicher als Christopher Lee, sodass Dracula und Van Helsing (Peter Cushing) in dieser Hammer-Produktion bestenfalls deplaziert wirken. Immerhin, diesen Film kann man sich mit etwas gutem Willen und Alkohol zum Kult hochsaufen, was mit den beiden Fortsetzungen „Dracula braucht frisches Blut“ und „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr möglich ist. „Dracula jagt Mini-Mädchen“ ist gerade noch gut blöd, was danach kam, ist blöd blöd.

Plan 9 aus dem Weltall (Plan 9 from Outer Space)
ist natürlich kein Dracula-Film, aber der letzte Auftritt von Bela Lugosi, dem Urvater aller Dracula-Darsteller. Regisseur Ed Wood hat den bereits vom Tod gezeichneten Lugosi noch einmal vor die Kamera gezerrt und lässt ihn in klassischem Dracula-Kostüm und mit bewährter Gestik allerlei Unfug in einer wirren Story über Grabräuber aus dem Weltall anstellen. Nachdem wenige Meter Film abgedreht waren, mochte selbst der hartgesottene Lugosi bei diesem sinnfreien Klamauk nicht mehr mitmachen und starb sicherheitshalber. Der findige Woods engagierte ein Double, dass deutlich größer als Lugosi war und auch noch ganz anders aussah, weshalb es an Lugosis Stelle gebückt agieren und sich dessen schwarzen Mantel vors Gesicht halten musste. Ein Film wie ein Auffahrunfall, man will nicht hingucken, tut es aber trotzdem. In einer Abstimmung zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt. Vollkommen zurecht. Dagegen kann selbst Uwe Boll nicht anstinken.

Der Schrei des Todes (Scream, Blacula, Scream)
Dieser Stinker soll schlimmer sein als „Plan 9“? Wie soll das gehen? Nun, was die Gewaltausübung an Genre-Konventionen des Vampirfilms angeht, steckt Regisseur Bob Kelian den guten Ed Wood locker in die Tasche. Da man aus Dracula einen Blaxploitation-Film machen, aber nicht erklären konnte oder wollte, wie sich die schwarzen Pigmente in die Haut eines ein paar Jahrhunderte alten transsylvanischen Grafen geschmuggelt haben, lies man den afrikanischen Prinzen Mamuwalde den Grafen besuchen, der auf Besuch nicht vorbereitet war und deshalb Mamuwalde zu seine Blacker Ego „Blacula“ biss. Blacula selbst versucht sich dann ein paar Jahrhunderte später in Los Angeles durchzubeißen… Klingt etwas weit hergeholt? Aber nicht doch, das ist bloß die Vorgeschichte, die im 1. Film der Reihe, „Blacula“ erzählt wird. In „Scream, Blacula, Scream“ kommt noch ein schräger Voodoo-Kult und eine derart unterirdische Qualität von Skript und Technik hinzu, so dass man entsetzt „Schlimmer geht’s nimmer“ brüllt, während einem die Chips aus dem Mund rieseln und man entsetzt Pam Grier wiedererkennt, die sich damals wirklich für keinen Scheiß zu schade war.
Schade um die Chips, es geht tatsächlich schlimmer. Es gibt da nämlich einen Film namens „Blackenstein“… aber das ist eine andere Baustelle.

Foto: Didi01 / pixelio.de

Showdown am O.K. Corral – die besten Wyatt-Earp-Filme

Der junge Wyatt Earp

Wohl die wenigstens Männer seiner Zeit hätten gedacht, dass der Mann, der am 13. Januar 1929 für immer die Augen schloss, friedlich in seinem Bett sterben würde. Aber da er meistens genau das Gegenteil von dem tat, was seine Gegner erwarteten, starb Wyatt Earp nicht in seinen Stiefeln, sondern schlief in einem Appartement in Los Angeles, wo er als Berater an diversen Stummfilm-Western gearbeitet hatte, friedlich ein. Todesursache war keine Bleikugel, sondern ganz banal eine chronische Harnblasenentzündung. Earp wurde 80 Jahre alt, ein Alter, dass keiner seiner Freunde und erst recht keiner seiner Gegner erreicht hat. Dass ein Mann wie er – Revolverheld, Postkutschenfahrer, U.S. Marshal, Spieler, Büffeljäger, Kopfgeldjäger, um nur einige seiner Berufe zu nennen – dieses Alter erreicht hat, darf man als eins der größten Wunder der Weltgeschichte bezeichnen.

Wyatt's Wumme

Galt er bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch als Held der Eroberung des Westens, hat sich seitdem eine differenziertere Schicht auf diese schillernde Figur durchgesetzt, auf einen Mann, der gern das Recht brach, wenn er es hätte verteidigen sollen und der durchaus bereit war, seine Ideale zu opfern, wenn es ums nackte Überleben oder eine größere Summe Geldes ging. Trotzdem: Männer wie ihn scheint es heutzutage – leider oder gottseidank? – nicht mehr zu geben, auf wenn könnte das abgedroschene Klischee „larger than life“ besser passen als auf ihn?
Earps Leben und vor allen Dingen der Gunfight am O.K. Corral in Tombstone sind der Stoff, aus dem Hollywood Träume herstellt. Wir empfehlen die fünf, Quatsch, er trug einen Six-Shooter, die sechs besten Wyatt-Earp-Filme:

6. Doc
Tolle Idee – die Wyatt-Earp-Story mal durch die Augen Doc Holidays zu erzählen. Toller Schauspieler, nämlich Stacy Keach als Doc Holliday, wohingegen Wyatt Earp  von Harris Yulin gegeben wird, das ist ungefähr so als würde man Daniel Küblböck mit der Titelrolle einer Schwarzenegger-Biografie betrauen, also vollkommen daneben, wie leider der ganze Film. Ein hilfloser Versuch, mit einer ur-amerikanischen Geschichte einen Italo-Western zu drehen – man hockt kopfschüttelnd da und fragt, warum, ohne eine Antwort zu erhalten. Sogar Faye Dunaway als Katie Elder reißt’s nicht raus. Als Dokument des 70er-Jahre Zeitgeists (als Earp also schon über 40 Jahre tot war) hat das ganze jedoch einen gewissen Reiz. Und Stacy Keach ist Mike Hammer Stacy Keach.

5. Wyatt Earp – das Leben einer Legende (Wyatt Earp)
Eigentlich ist der Film ganz okay, aber er ist lang. Sehr lang. Verdammt lang. Kevin Costner macht, was er immer macht, das passt ganz gut, und Dennis Quaid ist als Doc Holliday ganz okay. Vielleicht hat man nur zuviel Zeit, Kostner zuzugucken (der Film ist recht lang), da fangen die Gedanken an zu wandern, das ist so bei Filmen, die ganz okay, aber nicht wirklich gut sondern viel zu lang sind. Der ganzen Sache fehlt einfach die Struktur. Der Film fängt irgendwie an, dann passiert dies, dann passiert das, alles ganz okay, aber es zieht sich, und irgendwann, nach viel zu langer Zeit, ist der Film dann vorbei. Der Film hat zwei Probleme. Erstens ist er nur ganz okay und nicht wirklich gut. Zweitens ist er zu lang. Und repetitiv ist er auch noch!

4. Die fünf Geächteten (Hour of the Gun)
Eine unterschätzte Western-Perle. James Garner kann viel mehr als Maverick (wobei Maverick schon hammermäßig gut ist), Jason Robards als Doc Holliday ist ein Glücksfall, und dass der Film mit der Schießerei am O.K. Corral anfängt und die viel spannendere Geschichte der Earp Vendetta verfälscht erzählt, ist eine schöne Abwechslung. Die Dialoge sind ebenso kernig (Doc Holliday zu einem Typen, der sich wundert, warum er beim Pokern immer verliert: „Du spielst nicht sonderlich gut. Außerdem bescheißt du nicht.“) wie die Atmosphäre. John Sturges, der auch „Zwei rechnen ab“ (s.u.) gedreht hat, konnte Männerfilme drehen wie kein zweiter. In diesem kommt übrigens keine einzige Frau vor.

3. Faustrecht der Prärie (My Darling Clementine)
Was kann man gegen einen klassischen John-Ford-Western sagen? Selbstverständlich nichts, vor allen Dingen nichts gegen ein Meisterwerk wie dieses. Auch wenn diese Geschichte so viel mit dem wahren Wyatt Earp und den Geschehnissen in Tombstone zu tun hat wie Heidi mit dem Kamasutram, wir wollen nicht zimperlich sein. Wenn wir die Wahl haben zwischen einer knackigen Legende und der tristen Realität, nehmen wir immer die Legende, wie Ford selbst in „Der Mann der Liberty Vallance erschoss“ postulierte. Henry Fonda transportiert die typische John-Ford-Mixtur aus Understatement und Pathos mit der gleichen Expertise wie John Wayne, Victor Mature wächst als Doc Holliday über sich hinaus und spielt die Rolle seines Lebens, und wenn Leute wie Linda Darnell, Walter Brennan und Ward Bond sich um die Nebenrollen kümmern, kann einfach nichts schiefgehen.

2. Zwei rechnen ab (Gunfight at the O.K. Corral)
Dieser Film hat gegenüber allen anderen Earp/Holliday-Streifen zwei Vorteile. Sie heißen Burt Lancaster und Kirk Douglas, zwei großartige Schauspieler, die in ihren gemeinsamen Filmen unfehlbar zu absoluter Höchstform aufliefen. Ansonsten ist dieser Film ein genauso pathetischer Quatsch wie die John-Ford-Variante – mit ähnlich brillant besetzten Nebenrollen, u. a. der junge Dennis Hopper als Billy Clanton und DeForest Kelley (Pille McCoy von der Enterprise) als Morgan Earp – macht aber noch einen Tick mehr Spaß. Was an Dimitri Tiomkins brillanter Musik, John Sturges‘ (der aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen diesen Film nicht sonderlich mochte) kerniger Inszenierung und an den wüstenstaubtrockenen Dialogen liegt. Kostprobe gefällig?
Earp: We’d like you to come to the wedding, Doc, – if it doesn’t interfere with your poker.
Doc Holliday: I’m not good at weddings – only funerals. Deal me out.

1. Tombstone
Dieser Film ging seinerzeit im Hype um den Kevin-Kostner-Wyatt-Earp ziemlich unter, was ein Jammer ist. Er hat mit Kurt Russell einen herrlich knarzigen Earp mit James-Finlayson-Schnurrbart, den wirklich besten Doc Holliday aller Zeiten (dass Val Kilmer für diese absolut brillante Leistung keinen Nebenrollen-Oscar bekommen hat ist ein ewiger Schandfleck für die Academy) und in der Tat sogar noch bessere Dialoge als „Zwei rechnen ab“ (Wyatt Earp: Well, I’ll be damned. – Doc Holliday: You may indeed, if you get lucky.). Warum dieser Film letztlich alle anderen Earp-Filme aus dem Felde schießt schlägt: Er nimmt die ganze Sache und sich selber überhaupt nicht ernst. Er erzählt die ganze, hundertfach erfundene Geschichte (die eigentliche Schießerei am O.K. Corral war ein von nackter Panik geprägtes chaotisches Geballer, das gerade mal 30 Sekunden dauerte) als augenzwinkernde Achterbahnfahrt, für die man reichlich Popcorn mitnehmen sollte, und macht deshalb am meisten Spaß.

Fotos: By Sbharris at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons (Earp)
By Evb-wiki at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons (Waffe)