[Dem Chris seine Filme] Der Präsident in der Gefriertruhe – Big Game

Jetzt nehmen wir mal an, du bist 13 Jahre alt und ziemlich mies drauf. Weil dein Alter von dir erwartet, dass du mit Pfeil und Bogen losziehst, eine Nacht in den finnischen Wäldern verbringst und irgendein Wildtier schießt, um zu beweisen, dass du ein Mann bist. Da hast du keinen Bock drauf, zumal dein Alter bei der gleichen Mutprobe vor umpfzich Jahren einen Bären geschossen hat. Und du hast immer noch Probleme, deinen bogen richtig zu spannen. Wie sollst du das denn toppen? Okay, mangels Alternative ziehst du los, und wen triffst du als erstes im Wald um die Ecke? Den amerikanischen Präsidenten, den gerade irgendwelche durchgeknallten Terroristen zusammen mit der Airforce One vom Himmel geholt haben. Und das ist erst der Anfang…

In der Tat, denn Oskari (Onni Tommilla), so heißt der 13jährige Finne, muss nicht nur den amerikanischen Präsidenten William Moore (Samuel L. Jackson) halbwegs heil zurück in die Zivilisation bringen, er muss auch noch seine Jagdbeute zur Strecke bringen (Bogenschießen kann er immer noch nicht), diverse innere Schweinehunde erledigen und sich einer Horde von Terroristen erwehren, die beginnt, Jagd auf den Präsidenten zu machen. Denn der Abschuss der Airforce One war nur der Auftakt zur „größten Treibjagd aller Zeiten“, wie Terroristenchef Hazar (wunderbar durchgeknallt gespielt von Ex-Tatort-Ermittler Mehmet Kurtulus) bekannt gibt. Und auf dieser Treibjagd bleibt dem Präsidenten und Oskari nichts erspart: Immer wieder fällt ein Mensch oder technisches Gerät vom Himmel, immer wieder geraten Sie in ausweglose Situationen, aus denen meist Oskari sie befreit. Der stürzt sich heldenhaft in Abgründe, wagt mit dem Präsidenten eine halsbrecherische Abfahrt in einer Gefriertruhe(!) und schreckt auch nicht vor einem Sprung mit einem Schleudersitz aus dem Wrack der Airforce One zurück. Und anlässlich eines der verrücktesten Showdowns der Filmgeschichte lernt Oskari endlich auch , seinen Bogen korrekt abzufeuern. Fast. Am Ende der Nacht und des darauffolgenden Tages hat Oskari nicht nur den Präsidenten der Vereinigten Staaten gerettet, sondern auch bewiesen, dass er ein mindestens so guter Jäger ist wie sein Vater.

Es gab in den letzten Jahren wenige Filme, über die die Meinungen der Kino-Freunde so auseinandergingen wie über „Big Game“. Wenn man sich die Bewertungen bei amazon oder auf verschiedenen Portalen anschaut, so kommen Urteile wie „herausragend, toll, 5 Sterne“ genauso oft vor wie „der letzte Dreck, ein Stern ist schon zuviel“. Erstaunlich bei einem Film, der bei „Rotten Tomatoes“ immerhin 77% abräumt, nicht wahr? Nicht wirklich, denn die schlechten Bewertungen beruhen auf falschen Erwartungen, die beim Kinostart des Films geweckt wurden. Der Film wurde als typisches Hollywood-Action-Feuerwerk gestartet. Nun, der Film hatte ein Budget von 8,5 Mio Dollar. Das ist No- bis Low-Budget in Hollywood, wo der Film auch gar nicht gedreht wurde, es handelt sich um eine finnisch-deutsche Koproduktion mit jugendlicher Zielgruppe, sprich ein Film für Kinder und Jugendliche. Kein Wunder, dass Leute enttäuscht sind, die einen Jackson-Actioner wie z. B. „S.W.A.T.“ erwartet hatten.

Als Jungsfilm funktioniert „Big Game“ hingegen ganz hervorragend. Das Unternehmen setzt mehr auf Action als auf Wahrscheinlichkeit, und mit Logik darf man hier schon gar nicht herangehen, sonst fällt man in eins der zahllosen Plotlöcher. Macht nix, denn den Schauspielern war beim Drehen bewusst, dass sie keine Oscar-Bewerbungen abgeben, deshalb spielen sie ihre Rollen mit einer wunderbar unernsten Lässigkeit, „tongue-in-cheek“ nennt man das im Englischen. Wer gern Achterbahn fährt, wird seinen Spaß mit „Big Game“ haben, und Väter mit Söhnen sowieso. Die Jungs drücken Oskari die Daumen, dass er’s zum Jäger schafft, und die Väter freuen sich am spielerischen Unernst, mit dem der Film sich selber auf die Schippe nimmt.

Bluray: Big Game – Die Jagd beginnt

 

  • Darsteller: Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Jim Broadbent, Ray Stevenson, Mehmet Kurtulus
  • Regisseur(e): Jalmari Helander
  • Format: PAL, Widescreen
  • Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 2.39:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Ascot Elite Home Entertainment (Vertrieb Universum Film)
  • Erscheinungstermin: 1. Dezember 2015
  • Produktionsjahr: 2014
  • Spieldauer: 91 Minuten

 

Gewinnspiel:
Wir verlosen nicht eine, nicht zwei sondern drei Blu-rays von „Big Game“, die uns Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt hat. Gewinnen ist ganz einfach: Gebt einen Kommentar zu diesem Posting ab und teilt uns mit, was euer Lieblingsfilm war, als ihr noch Jungs wart. Kurze Begründung wäre nett, ist aber nicht Bedingung. Dazu habt ihr bis zum 30. März 24 Uhr Zeit, dann schließen wir die Kommentare und lassen das Los entscheiden, wenn mehr als drei Kommentare abgegeben wurden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Spaß!

Einsendeschluss, wir haben gelost. Gewonnen haben Basso, Tilman und Patrick, viel Spaß mit den Scheiben!

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4 Responses to [Dem Chris seine Filme] Der Präsident in der Gefriertruhe – Big Game

  1. Basso says:

    Mein Lieblingsfilm auf VHS war ganz klar: Kevin allein zu Haus

  2. Carsten says:

    Pippi in Taka-Tuka-Land. Langstrumpf-Action pur.

  3. Tilman says:

    Winnetou 1

  4. Patrick says:

    Also mein Lieblingsfilm als Junge war „Caveman – Der aus der Höhle kam“ 🙂
    Ich hab den sicher an die 100 Mal gesehen, aber immer wieder darüber gelacht 🙂

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick