[Dem Chris seine Filme] Berechenbarer als das Original: Pelé – der Film

peleSepp Herberger war nicht nur der Trainer, der das „Wunder von Bern“ herbei geführt hat. Herberger hat der Welt auch den vielleicht profundesten Fußball-Aphorismus überhaupt geschenkt. Nämlich als er auf die Frage „Warum, denken Sie, gehen die Menschen zum Fußball?“ wie aus der Pistole geschossen „Weil sie nicht wissen, wie‘s ausgeht.“ antwortete. Dieser scheinbare Allgemeinplatz charakterisiert jedoch auch das Dilemma, in dem Filmemacher stecken, wenn sie die Biographien großer Sportler realisieren. Wie gehen Sie damit um, dass die Leute – wie in diesem Fall, einem Film über die Ikone des Fußballs überhaupt, über Pelé – vorher schon sehr genau wissen, wie‘s ausgeht?

Der Lösungsansatz der Zimbalist-Brüder Jeff und Michael, die gemeinsam das Drehbuch schrieben und Regie führten, ist zumindest verblüffend: Sie ignorieren das Dilemma komplett und schufen mit Ihrer Pelè-Bio den vermutlich vorhersehbarsten Sportfilm aller Zeiten. „Pelé“ erzählt die Geschichte des jungen Spielers, der sich aus den Favelas von Sao Paolo nach oben kämpft, mit 15 einen Vertrag beim FC Santos unterzeichnet und mit 17 Jahren Brasiliens ersten Weltmeistertitel in Schweden holt. Trotz dieses – angesichts Pelés epischer Karriere – knapp gewählten Zeitraums und einer Spieldauer von recht schlanken 107 Minuten, gelingt es „Pelé“, so ziemlich jedes Sportfilm-Klischee zu bedienen, das auf dem Toto-Zettel des Kritikers steht: von der besorgten Mutter über den bärbeißigen Trainer bis zu den erzkonservativen Strukturen, gegen die sich der junge Pelé durchzusetzen hat – die Zimbalist-Brüder lassen nichts aus.

Zumindest die Spielszenen lösen nicht von Anfang an Entsetzen aus. Kevin de Paula als junger und Leonardo Lima Carvalho als ganz junger Pelé verfügen über ein gewisses Bewegungstalent und eine adäquate Ballbeherrschung. Doch dann erlaubt sich die Regie ein absolutes No-Go: Sie schneidet originale Schwarz-Weiß-Spielszenen mit dem echten Pelé (der später noch einen kleinen Auftritt hinlegt) hinein, und zack! sind die Schauspieler, was sportliches Können und Ausstrahlung angeht, komplett desavouiert. Herrschaften, gegen Pelé selber konnte und kann – seit dem Tod von George Best – niemand anstinken, wie sollen das zwei junge Schauspieler können? Was habt ihr euch bei der Nummer nur gedacht?

Was man dem Film bei aller Kritik zugute halten muss: Er thematisiert Pelés Wurzeln in der Ginga, einem Mittelding zwischen Capoeira und Tanz. „Ginga“ steht aber auch für einen bestimmten Fußball-Stil, dem Pelé sich verpflichtet fühlte. Das war neu für mich, da hab ich aufmerksam zugeschaut und wäre glücklich gewesen, wenn der Film noch mehr Neuigkeiten über Pelé für mich bereit gehalten hätte. Kindern, denen man einen ersten Eindruck vom König des Fußballs, Pelé, vermitteln möchte, kann man diese DVD/Blu-ray getrost schenken. Erwachsene, insbesondere solche, die sich für Fußball interessieren, werden von diesem Film leider stark unterfordert.

„Pelé – der Film“

• Darsteller: Kevin de Paula, Leonardo Lima Carvalho, Seu Jorge, Mariana Nunes, Seth Michaels
• Regisseur(e): Jeff Zimbalist
• Format: Widescreen
• Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
• Anzahl Disks: 1
• FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
• Studio: Ascot Elite Home Entertainment (Vertrieb Universum Film)
• Erscheinungstermin: 9. Dezember 2016
• Produktionsjahr: 2016
• Spieldauer: 107 Minuten

Gewinnspiel:
Ascot Elite hat uns freundlicherweise eine Blu-ray von „Pelè – der Film“ zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Wenn du die Blu-ray gewinnen möchtest, gib einen Kommentar zu diesem Posting ab und sage uns, welches dein Lieblings-Sportfilm ist. Eine kleine Begründung dafür wäre nett, ist aber nicht Bedingung. Du hast dafür bis zum 14. 12. 24 Uhr Zeit, dann schließen wir die Kommentare und lassen das Los entscheiden, falls mehr als ein Kommentar eingegangen ist. Mitarbeiter der beteiligten Firmen dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Spaß!

Update:
Einsendeschluss, die Kommentare sind dicht. Christophe hat die Disc gewonnen, allerherzlichsten Glückwunsch!

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Ein Kommentar zu [Dem Chris seine Filme] Berechenbarer als das Original: Pelé – der Film

  1. Christophe says:

    Ganz klar „Rush“: Zwei klasse Schauspieler, eine richtig packende Story, einer von Hans Zimmers besseren Soundtracks und zu guter Letzt ist der Streifen auch der Grund dafür, dass ich mich seither näher mit der Formel 1 und ihrer Geschichte befasst habe.