Vive le Puste ausgegangen – Turnier-Tagebuch Tag 17

Frankreich ist deutlich näher als Brasilien, trotzdem haben wir auch bei diesem Turnier keinen Sonderkorrespondenten vor Ort. Wir verfolgen die Spiele vor dem Fernseher. Zuhause, in der Kneipe, bei den Public Viewings, überall da, wo Männer sich treffen, die den Fußball lieben und leben. Wie bei jedem Turnier führt Chris Kurbjuhn spieltäglich ein Turnier-Tagebuch mit Kommentaren, Anekdoten, dummem Fußballzeugs und Erinnerungen an frühere Turniere. Football, bloody hell!

„Sensationell“ ist der letzte Achtelfinal-Tag der EM verlaufen. So stand’s jedenfalls in den meisten Zeitungen. Italien hat die Spanier rausgekegelt und Island die Engländer. Ganz so überraschend kam das für mich nicht, wie man an unserem Tippspiel sehen kann. Okay, ich hab in beiden Spielen eher mit einem Elfmeterschießen gerechnet, aber nicht mit einem Weiterkommen von Spanien oder England. Das denen früher oder später die Puste ausgehen würde, wahr wahrscheinlich.50 Jahre ist es her, dass England seinen letzten und einzigen Titel gewonnen hat, Weltmeister 1966. Und es wird auch für die nächsten 50 Jahre ihr einziger Titel bleiben, wenn sie ihre Liga nicht reformieren. 20 Ligateilnehmer, mehrere Pokalwettbewerbe ohne Elfmeterschießen, dafür mit Rückspielen , keine Winterpause wegen des heiligen Boxing Day… seit letztem Sommer hatten die Spieler der Premier League keine Gelegenheit zur Regeneration, die sind auf dem Zahnfleisch nach Frankreich gekommen. Da können Sie die dollsten Trainer mit den dollsten Konzepten engagieren (oder eben Roy Hodgson), England wird bei einem im Frühsommer stattfindenden Turnier immer körperliche Probleme bekommen und gegen eine Mannschaft mit aufopferungsvoller Laufbereitschaft rauskegeln.

Ähnlich verhielt es sich mit Spanien. Fast alle Spieler waren bis zum Schluss in CL und EL dabei, hinzu kam eine gewisse Zufriedenheit (was will Iniesta denn noch gewinnen)… da tut man sich schwer gegen Italiener, die seit vier Jahren eine Rechnung offen haben und deswegen bereits sind, die ganz weiten Wege zu gehen. Das einzig Überraschende war, wie bereitwillig die Italiener nach vorn gespielt haben. Angesichts des in ihre Gen-Struktur implantierten Defensiv-Fetischismus grenzte das schon an Selbstverleugnung.

Apropos offene Rechnung, apropos Italien… nein, zu früh, das ist erst übermorgen. Aber man darf ja schonmal das Wechselgeld zählen, damit wir den Azzurri genau passend rausgeben können, nicht wahr?

Heute also: Polen-Portugal. Erstaunlicherweise ist die Bilanz zwischen beiden Ländern beinahe ausgeglichen: 4 Siege für Portugal, 3 für Polen und 3 Unentschieden. Pflichtspiele gab’s 4, zwomal EM-Quali, und dann sah man sich in den Vorrunden der WMs 1986 (Polen gewinnt 1:0) und 2002 (Portugal gewinnt 4:0). Hier ein paar Bilder aus 86.

Mein Tipp für heute:
Polen – Portugal 1:2

Euch allen einen schönen Turniertag, hoffentlich geht euch nicht die Puste aus.

 

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