Tele Santana – die Verweigerung des Resultats

Foto by Tales.ebner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Wenn ich mir ein Fußball-Match angesehen habe,, schalte ich nach dem Schlusspfiff reflexartig ab, um die Interviews nicht anhören zu müssen. Wobei es nicht unbedingt die Statements von Spielern und Trainern sind, die mir auf den Zeiger gehen, es ist vielmehr die Mentalität der fragenden Reporter.

Die reduzieren nämlich den Fußballsport auf die einfachst mögliche Formel, auf die Unterscheidung in Gewinner und Verlierer. Wer gewinnt hat recht gehabt und wird gelobt. Wer verliert hat unrecht gehabt, und muss erklären, warum er alles falsch gemacht hat.

Wer in solchen Kategorien denkt, wird dem Fußballsport noch nicht einmal ansatzweise gerecht. Wer selbst aktiv Wettkampfsport treibt, weiß, dass Niederlagen Voraussetzungen für spätere Siege sind. Das jede Siegesserie einmal reißt. Dass bei jedem knappen Spiel oder Wettkampf auch das Glück eine Rolle spielt. Dass Sport auch insofern ein Spiegel unserer Gesellschaft ist, dass es bei ihm auch nicht immer gerecht zugeht.

An diesem Punkte angelangt kann man auch die Frage stellen, wie wichtig Sieg und Niederlage im Sport sind. Sicher, es macht sehr viel Spaß, wenn man selbst oder das Team, das man unterstützt, gewinnt. Aber…

…die für mich nach wie vor beste Fußball-Mannschaft aller Zeiten hat nie den Weltmeistertitel gewonnen. Trotzdem ist der Fußball, den die brasilianische Nationalmannschaft zwischen 1982 und 1986 spielte, für Anhänger des „Beautiful Game“ wie mich nach wie vor der schönste, der jemals gespielt wurde. Auch heute, 30 Jahre später verschlägt einem die Finesse und Leichtigkeit, mit der die Brasilianer damals miteinander kombinierten, den Atem.

1982 scheiterten die Brasilianer an Italien, 1986 an Frankreich. Trotzdem spricht man noch heute mehr über die unerreichte Spielkunst der damaligen Brasilianer. Wer war damals noch in der italienischen Weltmeister-Mannschaft? Zoff, nicht wahr? Und Rossi, ja… und…  Aber die Brasilianer! Zico! Socrates! Falcao! Eder! Alemao! Die Namen sprudeln mir direkt aus dem Gedächtnis heraus…

Trainer dieser brasilianischen Nationalmannschaften war damals Tele Santana. Ein deutscher TV-Reporter hätte ihn nach den herzzerreißenden Niederlagen sicherlich gefragt, welche taktischen und spielerischen Fehler er und seine Mannschaft gemacht hätten, die zur Niederlage geführt haben. Tele Santana, der diesem einmaligen Zauberteam vorstehende Hexenmeister, ist heute vor zehn Jahren gestorben. Deshalb antworte ich an seiner Stelle: „Nichts. Wir haben nichts falsch, sondern alles richtig gemacht.“

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One Response to Tele Santana – die Verweigerung des Resultats

  1. Stefan R. says:

    WM 1986, Brasilien vs. Frankreich – hach, da werden Erinnerungen wach! Kurz nach dem Halbfinale 2014 kam mir ganz ähnliches in den Sinn.
    Danny Blanchflower formulierte es einst so: „Der große Trugschluss ist, dass es bei diesem Spiel ums Gewinnen geht. Darum geht es nicht. Es geht um Ruhm, und es geht darum, Dinge mit Stil und mit Schwung zu erledigen, darum, raus zu gehen und die anderen zu schlagen und nicht darauf zu warten, dass sie vor Langeweile sterben.“ Doofe teutonische Siegerfressen werden es wohl nie verstehen…

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