Männeressen: Böfflamott

AufTellerNu ma Klartext: Was essen wir denn nun an den Feiertagen? Immer nur Gans ist langweilig. Lecker Ochsenbacken? Nicht schon wieder, hatten wir doch erst vor zwei Jahren. Mal was anderes, was festliches, ’n schönen Braten… Okay, machen wir Böfflamott. Ja, ich weiß. Eigentlich heißt es „Boeuf a la Mode“, aber Böfflamott tippt sich schneller und man sieht auf einen Blick, wie man’s spricht. A la mode hin, Lamott her, was isses denn nun? So’n Rinderschmorbraten, wobei das Fleisch erstmal ein bis drei Tage in Wein eingelegt wird. In Wein ohne Essig, also so’ne Art Sauerbraten ohne sauer. Macht das Fleisch schön mürbe und gibt ’ne Super-Sauce. Das machen wir!

So. Erstmal gehen wir einkaufen, ihr kennt das ja mittlerweile. Für 4 Leute brauchen wir… eigentlich 1 Kilo Rindfleisch zum Braten oder Schmoren 1 aber da eh überall schwund ist und wir noch ein paar Reste zum Aufwärmen zwischen den Jahren haben wollen, nehmen wir gleich drei Pfund. Und ordentlich Speck in Scheiben2 Stück Sellerie, Stange Lauch, ’ne Möhre, ’ne Zwiebel, bisschen Knoblauch. Flasche Rotwein mit schöner Säure (Cote du Rhone oder sowas), eventuell ’n Beutel Schalotten. Mehr ist nicht, den Rest (Puderzucker, Tomatenmark, Cognac und Gewürze) sollten wir im Vorrat haben, genau wie das dringend benötigte KüBi3.

In Wein einlegen gibt Geschmack

In Wein einlegen gibt Geschmack

Der große Vorteil vom Böfflamott ist, das man mindestens einen Tag vor dem Essen mit dem Kochen anfangen muss. Das bedeutet: Man kann früher (und mehr) KüBi trinken. Also, ein bis höchstens drei Tage4 vor dem Essen begeben wir uns in die Küche, legen Fleisch und Wurzelwerk vor uns hin, knacken ein KüBi und gucken das Material scharf an. Nach ein paar Schluck Bier fragen wir die Frau, wo sie die Plastikbeutel zum Einfrieren aufbewahrt und schnappen uns einen, der unwesentlich größer ist als das vor uns liegende Material zusammengenommen (Rauminhalt). Sellerie, Porree, Möhre, Knoblauch und Zwiebel werden geschält und in Stücke geschnitten, Größe ist egal. Da tun wir unseren Rinderbraten und die Gemüsewürfel rein und füllen mit dem Rotwein5 auf, bis der Wein das Fleisch umschließt, wenn man den Beutel zumacht6. Wenn das der Fall ist, verschließen wir den Beutel, legen die ganze Chose in den Kühlschrank, trinken unser KüBi aus und verziehen uns mit dem übrig gebliebenen Rotwein vor den Fernseher. So schön und inspirierend kann Kochkunst sein, wenn echte Männer sich der Sache annehmen!

Schön scharf anbraten...

Schön scharf anbraten…

Am Tag des Festessens begeben wir uns ca. 4 Stunden, bevor das Böfflamott auf den Tisch soll, in die Küche, knacken das erste KüBi und entspannen. Dann nehmen wir das Fleisch erst aus dem Kühlschrank, dann aus dem Beutel und klauben die Gemüsewürfel aus dem Wein. Logistisch versierte Männer arbeiten mit Sieb und Schüssel. Dann bringen wir einen Schmortopf auf Temperatur (so zwodrittel) und erhitzen darin irgendein neutrales Öl. Gänse- oder Schweineschmalz geht auch. Während das Fett heiß wird, trocknen wir das Fleisch mit irrwitzigen Mengen Küchenpapier ab. Wenn’s noch zu feucht ist, wenn wir’s gleich anbraten, gibt das ’ne Riesensauerei. Wenn das Fleisch halbwegs trocken ist, reiben wir’s mit Salz und Pfeffer ein, werfen’s ins heiße Fett und braten es von allen Seiten schön braun an.

Sorry, hier ist belegt!

Sorry, hier ist belegt!

Wenn uns das gelungen ist, parken wir das Fleisch kurz zwischen und werfen unsere Gemüsewürfel ins heiße Bratfett. Kurz anrösten lassen, mit Puderzucker überstäuben, umrühren, paar Zentimeter Tomatenmark dazudrücken, weiter rühren und wenn es anfängt, richtig gut zu riechen, mit ’nem Schluck Cognac und der Marinade ablöschen, aufkochen, dabei ordentlich rühren, dass das Angebratene im Topf sich löst. Wir setzen das Fleisch wieder in den Topf und belegen es großzügig mit den Speckstreifen, um es vor dem Austrocknen zu schützen. Hitze reduzieren, dass die Flüssigkeit nur ganz leicht simmert7, Deckel drauf und drei Stunden lang in Ruhe lassen. Nur gelegentlich mal nachgucken, ob die Sauce auch ja nicht kocht, das darf sie nicht, sonst wird das Fleisch hart8 .

In Scheiben geschnitten...

In Scheiben geschnitten…

Und das war’s auch schon fast. So’n Viertelstündchen bevor das Essen auf den Tisch kommt, macht man das letzte KüBi auf, nimmt das Fleisch aus der Sauce, entfernt den Speck, wickelt’s in Alu und lässt es ruhen. Wir nehmen Gewürz-Ei oder Kaffeefilter aus der Sauce und halten stattdessen den Mixstab rein, um das weichgeschmorte Gemüse zu zermusen. Das sorgt für eine leichte Bindung und erspart uns das Gefummel mit der Mehlschwitze. Sauce abschmecken. Noch Wein dazu? Oder vielleicht Portwein? Salz und/oder Pfeffer? Bisschen Zucker? Kriegt ihr schon hin.

AufTellerJetzt müsst ihr nur noch das Fleisch quer zur Faser in Scheiben schneiden, das sollte ein Kinderspiel sein. Auf den Tisch damit, dazu Spätzle und/oder Klöße, vielleicht noch gesundes Gemüse für Frau und Kind, so lässt sich’s doch leben an den Festtagen! Besonders, wenn man noch ’n richtig guten Rotwein dazu aufmacht. Mahlzeit!

 

  1. am besten aus der flachen Schulter, keine Panik, wenn da ’n paar Flechsen drin sind, die lösen sich während der Schmorzeit auf und machen die Sauce besser. Rouladenfleisch geht auch (ist auf den Fotos zu sehen).
  2. Wenn möglich, nehmt nicht das laffe, verpackte Zeug aus dem Kühlregal. Wenn ihr ’n Fleischer habt, der schönen durchwachsenen Speck mit so ’nem delikaten Rauchgeschmack hat, dann lasst euch von dem ’n paar Scheiben geben.
  3. Küchenbier
  4. mehr bringt’s nicht
  5. Muss ich schreiben, dass der Wein vor der Verwendung auf Herz und Nieren bezüglich Geschmack und Bekömmlichkeit getestet werden muss? Muss ich nicht!
  6. Die TK-Beutel-Nummer spart tatsächlich Wein: Wenn man Fleisch und Gemüse in einer Schüssel einlegt, braucht man meistens deutlich mehr.
  7. Perfektionisten geben noch LorbeerBlätter und Pimentkörner dazu. Da man die hinterher nicht in der Sauce haben will, empfiehlt sich so’n Tee-Ei für Gewürze, wenn man eins hat. Wenn man keins hat, behilft man sich mit einem Kaffeefilter, in den man das Zeug eintackert.
  8. Noch größere Perfektionisten haben einen Beutel Schalotten besorgt, die Dinger geschält und die größeren Exemplare halbiert. Die werden für die letzte halbe bis dreiviertel Stunde dazugeworfen, dass sie gerade gar werden.


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5 Responses to Männeressen: Böfflamott

  1. Zebulon says:

    Danke!
    Danke für das unterhaltsamste, lustigste und interessanteste Rezept seit langer Zeit!!

  2. Zebulon says:

    Gestern und heute hab ich es in groben Zügen nachgekocht…………. lecker!! Wichtigste Zutat: KüBi .

    Und natürlich Wert legen auf die Qualitätskontrolle beim Rotwein.

    Nach dem zweiten KüBi flutscht es dann richtig…..

  3. Nix zu danken, immer gerne. Und vor dn Feiertagen nicht vergessen, ordentlich KüBi zu bunkern!

  4. Lafette says:

    Schönes Rezept! Schade, dass ich mich schon für Rinderfilet bei niedriger Temperatur im Backofen entschieden habe. Mit Rotweinjus und Semmelknödeln. Aber das nächste Fest kommt bestimmt. 😉

    Gruß

    Marc

  5. Zebulon says:

    Semmelknödel? Semmelknödel?? Lecker !!!!!!! Gab es zu meinem Böfflamott übrigens auch !!!

    @Chris – Kübi brauch ich über die Feiertaache nit, da lass ich köcheln….. 🙂 Aber Wabi* ist ja auch wichtig.

    Viele Grüße
    Peter
    * (WarteBIer)

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