TV-Kritik „Der letzte Bulle“ – 5. Staffel, 6. Folge „Ins Paradies“

Jede Woche auf “Männer unter sich” kritisieren wir die aktuelle Folge unserer Lieblingsserie “Der letzte Bulle”. Wir bewerten Handlung, Macho-Momente, Dialoge, Musik und die Gesamtleistung mit einem Punkte-System von 1 (ganz schwach) bis 5 (besser geht nicht) Mick-Brisgau-Zippo-Feuerzeugen. Und ihr könnt abstimmen, wie euch die Folge gefallen hat, viel Spaß!

Eigentlich wollte ich mit dieser Kritik „Schicht im Schacht“ für den Bullen erklären und mir die weiteren Folgen sparen, aber dann hab ich gesehen, dass Sat1 am nächsten Montag die Staffel bereits mit einer Doppelfolge beendet. Okay, wenn sie so auf die Tube drücken, mach ich weiter. Den restlichen Schmus sitz ich auf einer Backe ab, dann haben wir alle Folgen gesehen, und das war’s dann. Zumindest für mich und den Bullen.

Handlung:
Mick soll der Mord an Bundesbanker Hötker in die Schuhe geschoben werden. dazu wird Hötker aus einiger Distanz erschossen, während Mick direkt vor ihm steht. Die Tatwaffe wird ihm über den Fußboden zugeschoben. Anstatt in kürzester Zeit seine Unschuld zu beweisen (fehlende Schmauchspuren an der Hand, Abwarten der ballistischen Untersuchung), beschließt Mick, sich und Kringge verdächtig zu machen, in dem er die Flucht ergreift.
Auf der Flucht macht Mick einen Zwischenstopp bei Meisner, der endlich bereit zu sein scheint, über seine Beteiligung bei dem „Euro-Ding“ zu reden, als Polizeisirenen zu hören sind. Anstatt Meisner in Ruhe anzuhören und seine Unschuld zu beweisen (s.o., schmauchspuren, Ballistik) beschließt Mick, erneut zu fliehen, nochmal zurückzukommen, um Isa nach der Adresse seines Vaters zu fragen, wieder abzuhauen, auf die Schnelle noc Astrid mit reinzuziehen, indem er sich ihr Motorrad borgt, um seinen Vater in Monaco zu besuchen.
Dort vertreiben sich die Herren die Zeit mit allerlei Smalltalk und Austern am Strand, bis Papa Erwin abzuhauen versucht, worauf Mick in Unterbux und Pelzmantel durch Monaco stürmt. Das macht der erfahrene Kriminaler, wenn er von Interpol gesucht wird und sich deshalb unauffällig verhalten will.
Irgendwie kriegt Mick raus, dass da ein Konto mit massenhaft Kohle existiert. Irgendwie findet Mick seinen Vater wieder. Irgendwie lässt er sich von seinem vater mit ein paar nichtssagenden Phrasen abspeisen und fährt zurück nach Essen, wo er Kringge ein abhörsicheres Handy („Prepaid. Das können die nicht abhören.“) überreicht. Ferchert, Bremme und Görnemann kriegen E-Mails vom Erpresser (vermutlich auch Prepaid-Emails, die nicht abgehört werden können). und beschließen, Mick „aus dem Weg“ zu räumen.
„Getret’ner Quark wird breit, nicht stark!“ ist ein auf diese „Bullen“-Folge wie die Faust aufs Auge passendes Goethe-Zitat. Im Fußball hätte der Schiri massenhaft Karten für Zeitspiel verteilt, und spätestens jetzt ist auch dem letzten klar geworden, warum die 5. Staffel „nur“ acht Folgen hat: Die Story trägt nicht länger, eigentlich hätte diese Woche schon Schluss sein können bzw. müssen. Dazu mehr Löcher in der Logik als in einem Schweizer Käse, fertig ist 1 von 5 Zippos. Unverschämtheit, das.

Macho-Momente:
Verpasste Chancen. Das Retro-Rauhbein mischt Monaco auf, da hätte man doch was draus machen können. Hat man aber nicht. Selbst aus der Steilvorlage mit Pelzmantel und Unterhose wurden keine komödiantischen Funken geschlagen. Einziger – äußerst kleiner – Lichtblick: „Ich bau mir ein Häuschen an der Ruhr.“, aber auch aus dieser an sich schönen Idee wurde viel zu wenig gemacht. 2 von 5 Zippos, die Ideen waren ja da.

Dialog-Perlen:
Nach wie vor die größte Bullen-Baustelle, trotz des dilettantischen Plots. Statt der aus früheren Staffeln bekannten geschliffenen One-Linern werden einem peinliche Klischees wie „Es gibt eine ganze Reihe einflussreicher Männer, die wären verdammt sauer, wenn ich über die Nacht reden würde.“ serviert. Das gestandene Schauspieler gezwungen werden konnten, Behelfsdialoge wie „Du warst mal so ein netter umgänglicher Junge, was ist eigentlich mit dir passiert?“ – „Manchmal wird man mit Gewalt erwachsen.“ erstaunt.
1 von 5 Zippos.

80er-Mucke:
Das Anspielen einiger französischer Titel war ja ganz nett, aber die Lieblosigkeit bei der Musikauswahl setzt sich fort. Gefühlt wieder mehr 60er und 70er als 80er (hab nicht genau Buch geführt). 2 von 5 Zippos.

Gesamtwertung:
Formulieren wir’s positiv: Nur noch sechs Tage, dann haben wir’s hinter uns. „Was, nur acht Folgen?“, dachte ich, als die neue Staffel startete. Jetzt denke ich „Gottseidank, der Quark hat nur acht Folgen.“ Schade, schade. 1 von 5 Zippos.

Übrigens: Weiß irgendwer noch nicht, wer’s war? Ich bin mir schon seit zwei Folgen ziemlich sicher, wer hinter den Morden und der Erpressung steckt. Um nicht zu spoilern verschlüssele ich mal per rot13: Qvr ireoenaagr Yrvpur vz Nhgb jne avpug Xbyyre. Xbyyre fryofg recerffg frvar Xbyyrtra, jrvy re qevatraq Tryq oenhpug. Hier könnt ihr’s, wenn ihr wollt, mit copy&paste entschlüsseln. Hält wer dagegen?

Für alle, die die letzte Folge verpasst haben: Hier könnt ihr sie im Netz anschauen.
Für alle, die mit Mick und Co nix anfangen können: Sicherlich gefällt euch sowas besser.
Für alle anderen: Eure Meinung ist gefragt, wie fandet ihr die neue Folge?

Eure Wertung zu "Ins Paradies"

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12 Kommentare zu TV-Kritik „Der letzte Bulle“ – 5. Staffel, 6. Folge „Ins Paradies“

  1. Roadrunner says:

    Mit Spannung verfolgte ich seit langer Zeit nach jeder Folge die aktuelle Kritik hier. Und ich schließe mich wirklich zu 100% an. Ich würde all das hier sofort unterschreiben.
    Eine Schande, was aus der charmanten Serie geworden ist.
    Der schlagfertige, störrische, und überall rauchende 80er-Jahre-Mick. Die klasse platzierte Musik, die meine Laune meist schlagartig anhob, und oftmals auch sinngemäß sehr gut passte. Die teils zwar etwas einfachen, aber dafür locker-flockigen Stories mit netten Nebensächlichkeiten.
    All das ist Vergangenheit. Die goldenen Zeiten sind längst vorbei, und es dauerte bei mir lange bis ich es verdaut hatte – die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Aber ich habe es nun endgültig aufgegeben. Manche Szenen wirken direkt peinlich schlecht, so dass manchmal sogar das berühmte „Fremdschämen“-Gefühl aufkommt. Aber ganz ehrlich – ich habe den Untergang bereits in den ersten 5 Minuten der 1. Folge dieser Staffel befürchtet. Als ich feststellen musste, dass das bis dahin exzellente Intro (mit Iggy Pop und Mick’s Zippo-Zündung) gestrichen wurde und durch ein (meiner Meinung nach) sehr langweiliges Standard-Intro ohne Ideen ersetzt wurde. Von da an wurde mir klar, dass die Serie um einiges braver und langweiliger werden würde. Man muss sich ja schon wundern, dass Mick mittlerweile nicht gänzlich zum Nichtraucher geworden ist…!
    Die Serie kann unterm Strich in ihrer aktuellen Form in einen Topf mit vielen anderen Standard-Serien geworfen werden. Das war in den ersten 3 Staffeln ganz und gar nicht der Fall. Schade schade schade… früher war eben doch alles besser 😉
    Viele Grüße, Flo

  2. Gaby says:

    Ich find’s immer peinlicher, und langsam tun mir die Schauspieler richtig leid! Der Charme der Serie ist verschwunden, statt glaubwürdiger Charaktere (= Menschen) gibt es nur noch irgendwelche Klischeefiguren, die dusslige Sätze sagen müssen. Anstelle von echten Konflikten gibt es nur noch Szenenwechsel. Ein teures Motiv jagt das andere. Und, jetzt echt mal: Mick Brisgau im Schlüpper zum Pelzmantel. Das ist einfach affig und irgendwie sexistisch, jedenfalls nicht lustig und schon gar nicht nach gefühlten 2 Stunden, wenn der Junge immer noch mit nackte Beene durch Monaco hoppelt.
    Allerdings hält sich mein Mitleid mit Henning Baum in Grenzen. Er ist Koproduzent und mitverantwortlich für diesen wirren Kram, bei dem es nur noch darum geht, mit möglichst vielen Schlenkern die vorzeitige Auflösung zu verhindern. Schade! Sehr schade um diese tolle Serie!

  3. Ulrich says:

    Der Kommentar spricht mir aus der Seele. Ich hoffe, die verantwortlichen Macher lesen das hier. Schämt ihr euch nicht?
    (Aber wenn ich mir den Durchschnittsseriendreck, den ihr sonst so produziert, ansehe, denke ich: Das ist kein Ausrutscher, das ist Methode.)

  4. Don M says:

    Schade dass ich erst jetzt auf diese lässige Seite gestoßen bin! Bin Fan vom letzen Bullen seit der ersten Stunde und wünsche mir seit dieser Staffel wie die meisten hier auch die guten alten Folgen zurück…
    IMO sind die einzig positiven Dinge der aktuellen Staffel das Motorradfahren und der Schnupftabak! Das letzte mal dass Mick verkatert aufgewacht ist, scheint mir auch zu lange her.
    Es bleibt zu hoffen, dass eine Fortsetzung der Reihe wieder im alten Stil aufwartet; die „Charaktere“ haben wir jetzt zur Genüge kennenlernen dürfen, was ja der vermeintliche Anspruch dieses 8-Folgen-Plots sein sollte.

    Beste Grüße,
    Mario

  5. Christian says:

    Ich stimme den aufgeführten Bewertungen und Kritiken größtenteils zu. Unsere geliebte Serie wurde nach einem meiner Meinung nach sehr guten Beginn der 5. Staffel immer enttäuschender. Auch wenn ich die Handlung und die dahinter steckende Idee eines gesamten Falls sehr spannend und eigentlich nicht primitiv und standardmäßig sowie vorhersehbar finde, ist der Bulle eigentlich eine komplett andere Serie geworden. Kein Witz, keine Sprüche, keine 80er jahre Musik – kein Bulle! Trotzdem habe ich die Staffel und meine Lieblingsserie noch nicht ganz aufgegeben, was vorallem daher rührt, dass ich glaube und auch hoffe das Tanja hinter allem steckt und sich als der bisher große Unbekannte herausstellt. Dies wäre meiner Meinung nach doch noch eine klasse Auflösung des Falls und ein würdiges Ende der Staffel und die einzige Rechtfertigung Proschat Madani weiter als Hauptcharakterin aufzulisten. Ich glaube aus drei Gründen daran, dass Tanja der „Boss“ ist: 1. Der Brief Tanjas enthält meiner Meinung nach das entscheidende Puzzleteil zur Lösung des Falls und führt Mick zu Tanja, was sie so wollte. 2 Haffner hat sieben Buchstaben und ist meiner Meinung nach der entfernte Name auf der Liste, obwohl dieser eigentlich schon als Micks Vater aufgelöst wurde und 3. Weil dies für mich einfach passen würde. Alle die Mick nahe stehen sind so leicht in den Fall mitverwickelt und keiner denkt mehr an Tanja, die in dieser Staffel ja noch nicht vorkam, und das sie, wo Mick eigentlich am nähesten Stand, als endgültige und härteste Gegnerin Micks herausstellen würde, wäre einfach passend und nur so wäre die Staffel für mich gerettet 😉

  6. Tanja hatte ich ursprünglich auch auf der „Verdächtigenliste“, aber SIE als eiskalte Killerin, die nacheinander die Kollegen ausknipst? Das wäre so total „out of character“ für die Figur, das kann ich mir nicht vorstellen, das ein Drehbuch-Kollege das machen würde.
    Das in dem Brief ein eminent wichtiger Hinweis steckt, damit hast du sicherlich recht.
    Ja, und auch ich habe grundsätzlich überhaupt nichts gegen einen spannenden Fall, der sich durch alle Folgen zieht, bloß: Nicht so lieblos! Und nicht alles kaputthauen, was den Charme der Serie ausgemacht hat.
    Man merkt doch sehr, dass hier ein echter „Showrunner“ fehlt, der das inhaltliche Heft in der Hand hält.

  7. Thomas says:

    Das Zitat von Christian bringst auf den Punkt:
    Kein Witz, keine Sprüche, keine 80er jahre Musik – kein Bulle!
    Bis auf eine Ausnahme. Während des abschliessenden Geheimtreffens kurz vor Ende der 6. Folge spielt im Hintergrund ein geniales 80er Instrumental (klingt ein wenig wie „Fade to Gray“ von Visage). Leider kann ich mich nicht mehr an den Titel erinnern. Vielleicht kann mir jemand helfen.

    • TheAnswer says:

      Servus Thomas,
      das Lied, welches du wahrscheinlich meinst heißt „Being boiled“ und ist von der Gruppe „Human League“. Super Lied und super Band 🙂
      Beste Grüße an alle Fans des letzten Bullen!

      PS: seid nicht zu hart mit ihm 😉

  8. Roadrunner says:

    – Being Boiled –
    Von Human League 😉 Find‘ ich auch klasse… Ist übrigens gar nicht aus den 80ern, sondern noch aus den späten 70ern. Genau solche Perlen kommen eben in dieser Staffel viel zu selten vor. Wie die Macher der Serie nur vergessen konnten, dass die Musik einen großen Teil des Erfolges dieser Serie ausmachte – das kann ich nicht begreifen.
    Mal sehen wie die letzten 2 Folgen heute ausgehen. Und ob eine weitere Staffel in Planung ist. (Henning Baum ist ja erst vor Kurzem in die Produktion mit eingestiegen)
    Grüße, Flo

  9. Roadrunner says:

    Sorry, zu spät geantwortet 🙁

  10. TheAnswer says:

    Aber was – doppelt hält besser 😉

  11. Christian says:

    Also doch Koller…..viel zu erwartungsgemäß. Ende enttäuscht mich bisher komplett weil weder tanja noch irgendetwas was in verbindung mit ihr steht vorkommt auch die Auflösung finde ich richtig schwach. Schade …:(

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