TV-Kritik „Der letzte Bulle“ – 5. Staffel, 1. & 2. Folge: „Die Büchse der Pandora“ und „Die wollen nur spielen“

Jede Woche auf “Männer unter sich” kritisieren wir die aktuelle Folge unserer Lieblingsserie “Der letzte Bulle”. Wir bewerten Handlung, Macho-Momente, Dialoge, Musik und die Gesamtleistung mit einem Punkte-System von 1 (ganz schwach) bis 5 (besser geht nicht) Mick-Brisgau-Zippo-Feuerzeugen. Und ihr könnt abstimmen, wie euch die Folge gefallen hat, viel Spaß!

Seien wir ehrlich: so richtig ungetrübt war die Vorfreude auf die 5. Staffel unserer Lieblings-Serie „Der letzte Bulle“ nicht. Dafür hatten wir die 4. Staffel noch zu gut in Erinnerung: teilweise vollkommen witzlose Drehbücher nebst hilflosen Dialoge hatten uns beinahe wegzappen lassen, und vor allen Dingen der selbstironische Umgang mit dem eigenen Machismo waren „unserem“ Mick Brisgau abhanden gekommen, nee, so konnte es nicht weitergehen. Und in der Tat hat Sat1 das Ruder herumgeworfen und kräftig investiert: neue, hochkarätige Schauspieler in den Nebenrollen und ein Drehbuch-Schwergewicht sorgten für einen fulminanten Neustart der Brisgau-Abenteuer!

Handlung:
Die 5. Staffel startete mit einer Doppelfolge, wir besprechen beide Folgen – „Die Büchse der Pandora“ und „Die wollen nur spielen“ in einem Blog-Beitrag.
Nach einem verpatzten Undercover-Einsatz (Brüller: Mick Brisgau im überdimensioniertem Hühnerkostüm, souveränes Zitat der 80er-Kult-Hongkong-Comedy „Ente gut, alles gut„)wird Mick zum Streifendienst degradiert. Sein Ex-Partner Kringge ist derweil die Karriere-Leiter raufgefallen und arbeitet im LKA, derzeit verbringt er seine Zeit allerdings mit Aktenstudium. Durch ein Missverständnis glaubt sein neuer Chef, Koller, Kringge wolle ihn erpressen. Als Koller kurz darauf (scheinbar?) Selbstmord begeht, wird die Lage für Kringge bedrohlich: er ruft Mick zu Hilfe und gemeinsam gelingt es den beiden, Kringge vom Erpresserverdacht zu befreien. Fest steht jedoch: In den alten Akten liegt ein dicker Hund begraben. Koller, zwei von KringgesLKA-Kollegen, Micks Ex-Chef Ferchert und Kollers Witwe Vera sind in ein „Riesending“ verwickelt, und Mick und Kringge werden in den verbleibenden sechs Folgen der Staffel alles geben müssen, um die Geschichte aufzuklären. Und am Leben zu bleiben, denn am Schluss der zweiten Staffel wird mit Holger Brawitsch vom LKA der nächste Mitwisser ermordet.
Chapeau, Sat1, da hat man offensichtlich Geld in die hand genommen und unseren guten, alten „Bullen“ mächtig aufgebohrt. Schauspielerische Hochkaräter wie Mišel Matičević, Jürgen Tarrach und Oliver Stritzel bereichern das Ensemble, der wichtigste Transfer ist allerdings bei den Headwritern erfolgt, hier taucht im Vorspann der Name Christoph Darnstädt auf, un zu den Credits dieses Mannes gehört u.a. „Abschnitt 40„, eine der besten deutschen Polizei-Serien überhaupt.
Und die neuen Drehbücher können sich sehen lassen. Zwar ist der von uns geschätzte kernige Männer-Humor etwas in den Hintergrund gerückt, dafür wird hier aber durchaus modern eine sauspannende Geschichte erzählt, die sich über alle Folgen der Staffeln zieht. Wir wissen nicht, wie’s euch geht, aber wir wollen dringend wissen, wie#s weitergeht und freuen uns schon auf den nächsten Mick-Montag. 4 von 5 Zippos.

Macho-Momente:
Ja, sie waren da. Zwar nicht übermäßig viele – die neuen Autoren legen mehr Wert auf den großen Spannungsbogen als auf Situationskomik – aber Mick erhielt wohldosiert Gelegenheit, sein liebenswert-anachronistisches Weltbild vorzuführen.
Das regelmäßige Abkanzeln seines Streifenpartners Udo (sensationell: Jürgen Tarrach) kam durchaus erfreulich, das Abfackeln von Kringges Gas-Grill, der One-Day-Stand in der Waldhütte und vor allen Dingen die improvisierte Trauer-Party bei Kollers Witwe mit Bier und Schnittchen erwärmten unser Männerherz. Was aber gar nicht geht: das Mick jetzt ein Smartphone hat, das anscheinend dauerhaft auf Vibra steht. Wir wollen Bonanza zurück! Wegen Telefonvergehen Abwertung auf 3 von 5 Zippos.

Dialog-Perlen:
„Cooler Auftritt, Schüler-Lotse. Ich fahre.“ (Mick begrüßt seinen neuen Partner)
„Ich finde, du siehst gut aus. Wie Omar Sharif. Oder Magnum.“ – „Oder wie der junge Josef Stalin.“ (Uschi und Mick zu Kringges neuem Schnurrbart)
„Der grillt mit Gas!“ – „Ab jetz tauch mit Kohle, Kumpel! Wir sind doch im Ruhrgebiet!“
„Und Sie kommen direkt von einer Fetisch-Party. Oder sind Sie jetzt einer von den Village People?“ (Meisner begrüßt Mick, der auf Streife Uniform trägt)
„Kleiner Tipp: Wenn deine Eier zu schwer werden, häng ein paar Ballons dran.“
„Die alten Zeiten sind vorbei, aber ich bin noch genau wie früher. Verarsch mich, und du hast mich an der Backe.“
„Lass uns ihr lieber was vernünftiges beibringen. Kaffeekochen oder so.“
Sicher geht’s noch besser, aber viel Luft nach oben ist nicht mehr. 4 von 5 Zippos.

80er-Mucke:
Schon der optisch durchaus gelungene neue Vorspann sorgte musikalisch für Irritation: Kein Iggy Pop mit „Real Wild Child“ mehr, stattdessen U2 mit „Vertigo“… Moment! „Vertigo“ ist von dem Atomic-Bomb-Album, als das 2004 rauskam, lag Mick doch schon im Koma… Und als dann der Julie-London-Klassiker „Cry me a River“ in der Version von Michael Bublé („Junger Hüpfer“, würde Mick sagen) zu hören war, wurde klar: man will anscheinend Mick Brisgau musikalisch behutsam in die Neuzeit holen.
Wobei die Betonung auf „behutsam“ liegt. Klassischer Rock war genug zu hören, in Folge 1 u. a. Zappa mit „Bobby Brown“, Deep Purple mit „Black Night“ und Iggy grüßte mit „The passenger“, in Folge 2 gab#s u. a. Celentanos „Azzurro“, Burdon’s „It’s my Life“ und „Stairway to Heaven“ auf die Ohren, da kann man nicht meckern.
Wir sind ja durchaus offen für Neuerungen. Wenn sie behutsam daherkommen. 4 von 5 Zippos.

Gesamtwertung:
Zugegeben: Insgeheim hatten wir schon gehofft, dass die Macher sich nach Staffel 4 auf das Cop-Comedy-Format der ersten Staffeln besinnen würden, aber es ist ihnen gelungen, uns angenehm zu überraschen. Der neue Stil ist ein gelungener Kompromiss: mordsspannend erzählte Verschwörungsgeschichte mit Comedy-Momenten, das hat in den ersten beiden Folgen prima funktioniert, wir sind – wie gesagt – gespannt wie’s weitergeht. 4 von 5 Zippos für das Gesamtpaket aus den beiden ersten Folgen.
Aber den Bonanza-Klingelton hätten wir wirklich gern zurück. Und – natürlich – Psycho-Tanja. Die war bisher nur als erinnerungsfoto zu sehen. Was ist mit Psycho-Tanja?

Für alle, die die letzte Folge verpasst haben: Hier könnt ihr sie im Netz anschauen.
Für alle, die mit Mick und Co nix anfangen können: Sicherlich gefällt euch sowas besser. Für alle anderen: Eure Meinung ist gefragt, wie fandet ihr die neue Folge?

Eure Wertung zu "Die Büchse der Pandora" und "Die wollen nur spielen"

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Ein Kommentar zu TV-Kritik „Der letzte Bulle“ – 5. Staffel, 1. & 2. Folge: „Die Büchse der Pandora“ und „Die wollen nur spielen“

  1. Babypopo says:

    Ich will das Iggy Pop-Intro zurück!

    Ansonsten ein guter „Bulle“, aber dieser Gesichtsflokati bei Mick geht ja gar nicht.

    Ich bin mir sicher, dass Psycho-Tanja auch noch auftaucht. Und am Ende reitet sie mit Mick in den Sonnenuntergang. 😉

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