Wohin des Wegs, Bulle? – ein Staffel-Fazit

Am Montag lief die letzte Folge der diesjährigen Staffel von „Der letzte Bulle“, unserer – das geben wir gern zu – derzeitigen Lieblingsserie im deutschsprachigen TV. Lässige Männlichkeit, kernige Sprüche an der Schmerzgrenze und eine Mischung aus Macho-Kult und Selbstironie… diesen Cocktail haben wir uns am Wochenanfang gern gegeben. Doch bei der diesjährigen Staffel wurden wir Fans gelegentlich auf harte Proben gestellt. Es lief nicht alles rund in Mick Brisgaus Revier…

Blenden wir zurück: Beim Start der Staffel wussten wir nicht, ob wir ihn „furios“ oder „grandios“ nennen sollten. Mick Brisgau hatte sich in einer Waldhütte einquartiert und mimte den Trapper, ließ sich dann aber doch für den Polizeidienst reaktivieren, um die Hintermänner des Attentats auf ihn vor zwanzig Jahren zu entlarven. Auf dem Revier gab’s die üblichen Kabbeleien, eine Liaison mit Steffi, der neuen Controllerin, bei Uschi gab’s lecker Bierchen und im Wald mit der Hand gefangene Fische. Die Welt des „letzten Bullen“ und seiner Fans war in Ordnung, daran rüttelten auch ein paar schwächere Folgen nicht, wurden wir doch mit Folge 8 „Wer zu hoch fliegt“ mit dem absoluten Highlight aller Staffeln belohnt.

Doch dann kam der Bruch. Der Humor der Serie wurde deutlich zurückgefahren, die Autoren wählten ernstere Themen für Mick Brisgaus Fälle und eins der Markenzeichen der Serie, der kernige Dialogwitz, wurde praktisch völlig gekippt. „Warum?“, haben wir uns gefragt. „Der letzte Bulle“ war und ist eins der derzeit erfolgreichsten Formate im TV, warum wird ein funktionierendes Rezept geändert?

Dem Vernehmen nach soll es hinter den Kulissen kräftig gescheppert haben. Ein Indiz dafür ist u. a., dass ab der 7. Folge statt wie bis dahin zwei nun drei Headwriter im Vorspann genannt wurden. Ungewöhnlich für eine Serie mit klar definiertem Rahmen und überschaubarem Personal. Über Ursachen und Hintergründe lässt sich nur spekulieren, fest steht: nach besagter 8. Folge ist das tehmatische Ruder der Serie herumgeworfen worden. Bis zu „Wer hoch fliegt“ war „Der letzte Bulle“ ein Mix aus Krimi und Comedy, wobei der Schwerpunkt auf der Komik war. Die Kriminalfälle, die Mick und Kringge zu lösen hatten, waren dreieinhalb Staffeln lang eher einfach gestrickt und waren letztlich nur Kulisse für die Marotten und Kabbeleien der Protagonisten.

Das änderte sich ab Folge 9, die Serie wurde neu als eher ernsthaftes Polizei-Drama positioniert. Pointen wurden durch Pathos ersetzt, und auch handwerkliche Mängel gab es zu beobachten: Geschichten wurden an- aber nicht auserzählt, und die ein oder andere Szene wirkte, als wäre sie vor laufender Kamera improvisiert worden. Schmerzlich vermisst wurden auch die Action-Szenen, die einem athletischen Schauspieler wie Henning Baum eigentlich gut zu Gesicht gestanden hätten. Wie diejenigen, die unsere Kritiken hier im Blog verfolgt haben, wissen, waren wir wenig bis gar nicht amüsiert über diese Kursänderung.  Aber vermutlich glaubten die Autoren, dass das bisherige komödiantische Format und Micks Ermittlungen in eigener Sache wegen des Attentats nicht zueinander passten.

Den meisten Fans der Serie hat der Kurswechsel nichts ausgemacht. Die Serie war erneut ein absoluter Quotenhit, eine fünfte Staffel ist beschlossene Sache. Da stellt sich uns die Frage: Wie soll es weitergehen mit Mick Brisgau und den mehr oder weniger schwankenden Gestalten um ihn herum? Am Schluss der letzten Folge blickt Mick Brisgau über das Ruhrgebiet, ganz offensichtlich mit sich und der Welt im Reinen: er hat mit seiner Vergangenheit und den zwanzig Jahren, die er im Koma lag, abgeschlossen. Aber jedes Ende birgt auch einen neuen Anfang. Wird die Serie zurück zur komödiantischen Leichtigkeit, zum kernigen Männerhumor, mit der sie ihren Erfolg begründete, zurückfinden? Oder wird man den neuen Weg mit ernsteren Themen und dramatischeren Geschichten beschreiten?

Wir machen keinen Hehl daraus: Uns wäre die erste Option am liebsten, wir wollen unseren guten, alten Macho-Mick wiederhaben. Aber wie seht ihr das? Welchen Weg soll „Der letzte Bulle“ nehmen? Wohin soll Mick Brisgau gehen?

Welchen Weg soll die TV-Serie "Der letzte Bulle" in der 5. Staffel nehmen

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4 Kommentare zu Wohin des Wegs, Bulle? – ein Staffel-Fazit

  1. Babypopo says:

    Dass der Klamauk anbetracht Micks Ermittlungen in eigener Sache zurückgefahren wurde ist eine interessante These.

    Hoffentlich trifft das auch zu und Mick haut in der kommenden Staffel mal wieder richtig auffe Kacke. 😉

  2. Paul Tuttle says:

    m.b.M.n. könnte der Vefall der Serie auch an ungezählter Zuschauerpost liegen, die sich darüber mokiert, daß es doch – entsprechend der Seele des Gutmenschentums – verboten gehöre, daß hier jemand im TV raucht, die Frauen nicht mit dem nötigen Respekt behandelt oder womöglich bei einer so ersten Sache, wie der Aufklärung von Morden, sogar in völliger Unsensibilität auch noch Witzchen reißt?

    Sowas kann und darf doch kein Vorbild für unsere Jugend sein. Darüber hinaus fehlt dem Protagonisten jegliches Maß an Betroffenheit, die doch ansonsen einjedem Deutschen inne sein sollte.

    Mein persönliches Fazit: Ich sehe schwarz für die nächste Staffel, weil sich sicher wieder die durchsetzen werden, die am Ende die Serie garnicht anschauen.

    P.S. Das dünnste Buch der Welt?

    100 Jahre deutscher Humor

  3. Babypopo says:

    Ab dem 28. April geht es kit dem letzten Bullen wie gewohnt Montags um 20:15 Uhr auf Sat.1 weiter.
    Direkt mit einer Doppelfolge!

    Doch mit der neuen Staffel kommen auch einige Veränderungen auf die Zuschauer zu. Zunächst wurde der Episodenumfang auf acht Folgen gekürzt, statt wie der bisher üblichen 13 Episoden. Zudem sieht man von dem Schema „Fall der Woche“ ab und hat einen Staffel übergreifenden Fall konzipiert. Zudem hat sich die Dynamik unter den Figuren verändert.

    Staffel fünf setzt etwa zwei Jahre nach dem Finale ein. Mick fährt wieder Streife, sein Partner Andreas (Maximilian Grill) kletterte in der Zwischenzeit die Karriereleiter hoch und ist nun beim LKA, was ihm ermöglichte mit seiner Familie in ein Reihenhäuschen zu ziehen. Polizeipsychologin Tanja Haffner (Proschat Madani) hat sich eine Auszeit genommen und ist nach Argentinien ausgewandert um dort eine Praxis zu eröffnen.
    Gerichtsmediziner Roland Meisner (Robert Lohr) hat ebenfalls gekündigt und versucht nun in der Selbständigkeit mit einem privaten Labor Fuß zu fassen. Micks Chef Martin Ferchert (Helmfried von Lüttichau) hat sich der Politik zugewandt. Doch der neue Fall bringt die ehemaligen Kollegen wieder zusammen…

    http://www.serienjunkies.de/news/letzte-bulle-staffel5-april-sat1-58442.html

  4. Da staun ich. Der Sinn dieser Wendungen will sich mir nicht so ganz erschließen, aber vielleicht isses ja doch ein Geniestreich. Warten wir nächsten Montag ab, dann schauen wir weiter. Oder nicht.:)

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